Abgestorbene Pflanzen mit Menschen im Hintergrund

 

Richtet Glyphosat Schäden in der Natur an?

Als Totalherbizid tötet Glyphosat jede Pflanze auf dem gespritzten Feld ab, sofern sie nicht entsprechend gentechnisch verändert ist. Deshalb sind die Auswirkungen auf Ackerflora und Ackerfauna groß. Die biologische Vielfalt nimmt mit dem vermehrten Einsatz von Glyphosat ab. Durch Glyphosateinsatz werden zahlreiche Bodenorganismen (insbes. Bakterien, Pilze, Mycorrhizen) beeinträchtigt oder vernichtet, die für den Aufbau der Bodenstruktur und somit für die Bodenfruchtbarkeit verantwortlich sind. Glyphosat kann die Symbiose von Pflanzen und Bodenlebewesen stören, was zu einem erhöhten Düngerbedarf führt und die Krankheitsanfälligkeit der Pflanzen erhöht. Der jahrelange großflächige, intensive Einsatz des Pestizids begünstigt die Resistenzbildung von Umkräutern und die Entwicklung von sogenannten ‚Superunkräutern’.

Birgt Glyphosat Gefahren für Tiere?

Da Glyphosat alle Pflanzen tötet, die nicht dagegen resistent sind, verringert sich auch der Lebensraum vieler Tiere. Weniger Wildpflanzen auf und neben den Ackerflächen bieten weniger Lebensraum für weniger Insekten. Und diese sind die Hauptnahrung für andere Tiere wie etwa Vögel. 45 Prozent der Brutvögel der Agrarlandschaft stehen laut NABU Deutschland bereits auf der Roten Liste der bestandsbedrohten Tierarten.

RegenwurmEine Studie der Universität für Bodenkultur zeigte, dass handelsübliche glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel die Aktivität und Fortpflanzung von Regenwürmern gravierend beeinträchtigen.

Zudem ist Glyphosat schon seit langem als Wasserschadstoff bekannt. Gelangt das Ackergift in Bäche oder Flüsse, wird es dort zum Problem für Wasserlebewesen. Besonders empfindlich reagieren Amphibien auf Glyphosat, denn ihre Embryonalentwicklung wird gestört und viele Kaulquappen sterben. Der Hintergrund der negativen Effekte von Glyphosat auf die Kaulquappen-Entwicklung wurde auch an der BOKU untersucht.

Eine geringere Lebenserwartung und reduzierte Fortpflanzung bei Rädertierchen, eine erhöhte Sterblichkeit bei im Wasser lebenden Würmern und eine Veränderungen an Organen von Aalen und Karpfen konnte ebenfalls beobachtet werden.

Birgt Glyphosat Gefahren für den Menschen?

Viele Studien bringen die Verwendung von Glyphosat mit negativen gesundheitlichen Folgen in Verbindung. Reizungen der Haut und der Augen, Schwindel, Kopfschmerzen, Husten oder Kreislaufprobleme können bei der Anwendung auftreten. Bei vielen der negativen gesundheitlichen Auswirkungen handelt es sich um chronische oder langfristige Erkrankungen.

Im Bundesstaat Chaco in Argentinien werden Soja und Reis intensiv mit Glyphosat behandelt. Die Krebsrate bei Kindern stieg dort von 2003 bis 2009 um das Dreifache und Geburtendefekte stiegen um ein Vierfaches an. Ähnliche Effekte wurden auch in Paraguay beobachtet. Andere Studien weisen auf Zusammenhänge zwischen Störungen des Hormonsystems und Glyphosat hin. Untersuchungen zeigen außerdem mutagene und genotoxische Wirkungen.

Im März 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO (Weltgesundheitsorganisation) Glyphosat in die Gruppe 2A für krebserregende Stoffe ein: Glyphosat ist demnach „für den Menschen wahrscheinlich krebserregend“. Diese Einstufung wird von der WHO mit 'ausreichenden Beweisen' aus Tierexperimenten, 'starken Beweisen' für die erbsubstanzschädigende Wirkung und 'begrenzten Beweisen' aus epidemiologischen Studien begründet.

Kann Glyphosat in den menschlichen Körper gelangen?

Ja. Auch bei Menschen, die nicht bewusst mit der Chemikalie in Kontakt kommen. Die erste große Untersuchung der Glyphosat-Belastung im Harn von EuropäerInnen haben wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen von Friends of the Earth im Jahr 2013 durchgeführt. Von 182 Stadtbewohnern aus 18 europäischen Ländern, die an dieser Studie teilnahmen, wurde bei 45 Prozent der Personen Glyphosat im Urin nachgewiesen.

Eine deutsche Studie fand drei Jahre später mit einer noch empfindlicheren Analysemethode in mehr als 99% von rund 2.000 StudienteilnehmerInnen Glyphosat-Spuren im Urin .

Glyphosat wird über belastete Lebensmittel aufgenommen und über den Darm zum Teil resorbiert. Dass Lebensmittel wie Mehl, Semmeln und sogar Bier mit Glyphosat belastet sind, wird durch zahlreiche Untersuchungen bestätigt (Ökotest, Umweltinstitut München, GLOBAL 2000).

Ist Glyphosat im Urin von Menschen besorgniserregend?

Die Belastung des menschlichen Körpers mit einem krebserregenden Stoff sollte grundsätzlich vermieden werden. Als Reaktion auf die Urin-Untersuchungen, die wir 2013 gemeinsam mit Partnerorganisationen durchgeführt hatten, nahm das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wie folgt Stellung: "Die Studienergebnisse sind plausibel. Die Studie liefert einen Hinweis darauf, dass es eine allgemeine Hintergrundbelastung europäischer Bürger mit Glyphosat gibt, die jedoch weit unterhalb eines gesundheitlich bedenklichen Bereichs liegt." Diese Einschätzung des BfR teilen wir nicht. Nicht nur, dass Pestizide nichts im menschlichen Körper verloren haben, Glyphosat ist auch laut der Krebsforschungsagentur der WHO genotoxisch, mit anderen Worten: Es schädigt die Erbsubstanz. Und dieser Effekt tritt auch bei den kleinsten Mengen auf. Daher ist sich die Wissenschaft einig, dass für genotoxische Stoffe kein sicherer Schwellenwert abgeleitet werden kann. Das ist auch der wesentliche Grund, weshalb krebserregende Stoffe laut EU-Gesetz in Pestiziden verboten sind, ohne Wenn und Aber.

Kann Glyphosat das Hormonsystem beeinflussen?

Ja, Glyphosat kann das menschliche Hormonsystem negativ beeinflussen. Für hormonschädigende Stoffe gilt – ähnlich wie für Karzinogene - dass auch sehr geringe Aufnahmemengen ein Gesundheitsrisiko darstellen können. Eine Störung des Hormonsystems während der Schwangerschaft kann mannigfaltige und irreversible Auswirkungen auf den Nachwuchs haben: Dazu zählen verschieden Formen von Missbildungen, erhöhtes Risiko von Diabetes und hormongesteuerten Krebsarten, Herzkreislauf-Erkrankungen u.v.m.

Belege für hormonschädigende Eigenschaften von Glyphosat kommen aus Tierexperimenten. Bei Versuchen mit Ratten hatte der männliche Nachwuchs verminderte Testosteronwerte, rückläufige Spermienproduktion und eine beeinträchtigte Fortpflanzungsfähigkeit, wenn die Muttertiere, während sie trächtig waren und während der Stillphase Glyphosat ausgesetzt waren. Das wirkte sich auch auf die Pubertät aus, die bei allen untersuchten Tieren selbst bei der niedrigsten Dosis deutlich später einsetzte. Bei weiblichen Tieren hemmt Glyphosat in einer Studie ebenfalls die Östrogenbildung – mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit. WissenschafterInnen wollen einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit auch bei Menschen, die keinen beruflichen Kontakt mit Glyphosat haben, nicht ausschließen.

Kann Glyphosat Schäden bei ungeborenem Leben auslösen?

Glyphosat kann die Plazenta-Schranke überwinden und so auch in den Blutkreislauf des Embryos gelangen. Außerdem steht Glyphosat im Verdacht, Embryonen zu schädigen.

Eine argentinische Studie zeigt im Laborversuch Deformationen bei Frosch- und Hühner-Embryonen, die glyphosathaltigen Pestiziden und dem Wirkstoff Glyphosat allein ausgesetzt wurden. Hühner und Frösche dienen Embryologen als Modellorganismen, um im Labor nachzuvollziehen, was auch bei Menschen passieren kann. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Wirkstoff Glyphosat Schäden an Embryonen auslösen kann.

In den großen Soja-Anbaugebieten in Südamerika häufen sich die Berichte über einen Anstieg von Missbildungen bei Neugeborenen. Eine Studie aus Paraguay ergab für Frauen, die in einem Radius von einem Kilometer zu pestizidbesprühten Soja-Feldern leben, eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Fehlbildungen zu gebären. In der argentinischen Provinz Cordoba, der Region mit dem höchsten Anteil an gentechnisch veränderten Pflanzen in Argentinien und damit einem hohen Einsatz von Glyphosat, wird das größte Spektrum an Missbildungen gefunden. Auch die Anzahl an Missbildungen ist signifikant höher als in anderen Regionen. In der Provinz Chaco, ebenfalls in Argentinien, wurde eine Vervierfachung der Missbildungen bei Neugeborenen von 1997 bis 2009 registriert.

Ist Glyphosat krebserregend?

Im März 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" (2A) für den Menschen eingestuft. "2A" ist die zweithöchste Gefahrengruppe. Die Einstufung erfolgte durch ein Team industrieunabhängiger internationaler KrebsforscherInnen, auf Basis der verfügbaren publizierten wissenschaftlichen Literatur.

Die KrebsforscherInnen begründeten ihre Entscheidung mit „ausreichenden Beweise aus Tierexperimenten“, „starken Beweisen für Gentoxizität“, und „begrenzten Beweisen beim Menschen“.

  • Ausreichende Beweise aus Tierexperimenten

Die krebserregende Wirkung von Glyphosat bei Mäusen und Ratten hat sich in zahlreichen Fütterungsstudien der Hersteller hartnäckig manifestiert, wurde aber durch eine inkorrekte statistische Auswertung der Versuchsdaten verschleiert. Hier eine Krebsstudie, die laut Industrie ein negatives Ergebnis darstellt.

  • Starke Beweise für Gentoxizität

Die WHO-KrebsforscherInnen waren sich einig, dass Glyphosat genotoxisch ist. Die überwiegende Zahl der Genotoxizitätstests in der veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur liefern positive Ergebnisse für die erbsubstanzschädigenden Effekte. Einzig die von Monsanto und anderen Glyphosat-Herstellern beauftragten und gesponserten Studien für die Zulassung von Glyphosat finden konsequent keine Hinweise für Gentoxizität.

  • Begrenzte Beweise beim Menschen

Anders als bei Labormäusen erfolgt die Beweisführung beim Menschen für einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Entstehen einer bestimmten Krebsart und der Exposition durch eine bestimmte Chemikalien (Strahlung, Stress oder Kombination mehrerer Faktoren) nicht in einem kontrollierten Experiment.

Da der Mensch vielen Chemikalien gleichzeitig ausgesetzt ist und zwischen dem ersten krebsauslösenden Ereignis (z.B. Einwirkung eines genotoxischen Pestizids auf eine einzige Zelle) und der Diagnose der Erkrankung viele Jahre vergehen, ist es im Einzelfall praktisch nie möglich, die Ursache für die Erkrankung zu bestimmen. Für eine genügend große Personengruppe lassen sich jedoch mit Methoden der Wahrscheinlichkeitsrechnung Zusammenhänge zwischen einem erhöhten Auftreten bestimmter Krankheiten (z.B. Lungenkrebs) und einer erhöhten Exposition durch eine bestimmte Chemikalie (Teer, Nikotin) ermitteln.

Bei Glyphosat ist es so, dass ein gutes Dutzend epidemiologischer Fall-Kontroll-Studien publiziert wurde, die alle festgestellt haben, dass Menschen, die beruflich oder privat mit glyphosathaltigen Produkten hantieren, häufiger am Non Hodgkin Lymphom (NHL), einem Lymphdrüsenkrebs, erkranken als eine nicht exponierte Vergleichsgruppe. Nur eine einzige Studie eines anderen Typs (eine prospektive Kohortenstudie), deren Beobachtungszeitraum allerdings im Vergleich zu Latenzzeit von NHL sehr kurz war, fand keinen statistisch signifikanten Zusammenhang.

Die KrebsforscherInnen fanden, dass ein Zusammenhang zwischen Exposition durch Glyphosat und dem erhöhten Auftreten von NHL feststellbar ist, dass aber der Einfluss von Störfaktoren bei den Studien nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Deshalb sind die Beweise beim Menschen 'begrenzt'.

Können geringe Mengen schädlicher Stoffe vernachlässigt werden?

Nein. Dank feinerer Messtechniken können heute auch geringe Mengen von Pestiziden oder anderen Chemikalien in Blut oder Urin nachgewiesen werden, die früher unentdeckt blieben. Aber auch kleine Mengen eines schädlichen Stoffes können großen Schaden anrichten, vor allem Stoffe, die einen Einfluss auf das Hormonsystem haben. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie wiederholt aufgenommen werden, wie dies bei Glyphosat der Fall ist. Immer wieder werden früher als "unschädlich" bezeichnete Mengen an Chemikalien für Mensch oder Umwelt nach neueren Erkenntnissen als schädlich eingestuft. Bei den so genannten "Niedrig-Dosis"-Effekten wird zudem diskutiert, inwieweit bei hormonell wirksamen Stoffen ein Gesundheitsrisiko gerade bei kleinen Mengen gegeben ist. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass Menschen heute einer Vielzahl von Chemikalien ausgesetzt sind. Pestizide gelangen über Lebensmittel, andere Chemikalien über Kosmetika in den Körper und wieder andere über die Atemluft. So entstehen sogenannte Mehrfachbelastungen, die bei der Einschätzung eines Gesundheitsrisikos bisher nicht berücksichtigt werden. Grundsätzlich gilt: Glyphosat und andere Chemikalien gehören nicht in den menschlichen Körper!