Neuigkeit, 01.06.2021

Hochradioaktiver Atommüll im Erdbeben-Gebiet

Unsere ExpertInnen konnten sich am 19. Mai 2021 einen Eindruck vom Zustand des bereits fast 40 Jahre betriebenen Krško-Reaktors und der Lagerung des hochradioaktiven Atommülls machen. Die Lagerung der abgebrannten hochradioaktiven Brennelemente im so genannten „Nasslager“ (auch „Abklingbecken“ genannt) ist in Hinblick auf die große Erdbebengefahr am Standort Krško in Slowenien besonders kritisch. Aus wirtschaftlichen Gründen sollen laut aktuellen Plänen der Betreibergesellschaft große Mengen des hochradioaktiven Atommülls weiterhin schlecht gesichert im Pool direkt am Gelände gelagert werden.

Die Gefahr eines Nasslagers aus den Lehren von Fukushima

Im Kernkraftwerk Fukushima lagerten 1.331 abgebrannte hochradioaktive Brennelemente in einem Nasslager. Durch die Reaktorkatastrophe im Jahr 2011 wurden die Stromversorgung und die Pumpen zerstört. In Folge dessen versagte die Kühlung des hochradioaktiven Atommülls im Nasslager. Das Kühlwasser verdampfte, ein Gemisch aus Wasser- und Sauerstoff explodierte, zerriss das Gebäude und schlug das Nasslager leck. Bis zu 210.000 Liter Wasser mussten zur Kühlung täglich auf die abgebrannten Brennelemente gespritzt werden. Das hochradioaktive Wasser verdampfte in der Luft oder versickerte im Boden. Das durch die Explosion geneigte Reaktor-Gebäude drohte bei einem weiteren Nachbeben einzustürzen und eine noch viel größere Strahlungsfreisetzung als die Explosion zu verursachen. Erst am 22.12.2014 konnten alle abgebrannten Brennelemente in ein Trockenlager gebracht werden.

Trockenlager als Zwischenlösung

Mit heutigem Stand lagern 1.378 abgebrannte hochradioaktive Brennelemente in einem Nasslager direkt am Standort Krško. Davon dümpeln etwa 900 seit mehr als 10 Jahren im Becken.

In Folge der Fukushima-Katastrophe forderte die Atomaufsicht Sloweniens (URSJV) im September 2011 eine Strategieänderung zur Reduktion des Risikos in Bezug auf den Umgang mit abgebrannten Brennelementen. Die Betreibergesellschaft des AKW Krško beschloss daraufhin den Bau eines Trockenlagers als Zwischenlösung. In einem Trockenlager können die abgebrannten Brennelemente in Behältern passiv gekühlt werden, und müssen nicht mehr in einem Nasslager permanent aktiv gekühlt werden. Das Trockenlager hätte bis 2020 fertig gestellt werden sollen. Nach aktuellem Plan verzögert sich die Fertigstellung auf mindestens 2022. Die Umlagerung des Atommülls soll erst ein Jahr später beginnen.

Nach Fertigstellung des Trockenlagers könnten insgesamt bis zu 2.600 abgebrannte Brennelemente eingelagert werden. Aus wirtschaftlichen Gründen werden in einem ersten Schritt allerdings nur 592 abgebrannte Brennelemente überführt. Sicherheitsaspekte sollten eindeutig Vorrang vor wirtschaftlichen Überlegungen haben, daher sollte eine schnellere Umlagerung aller abgebrannten und genügend abgekühlten Brennelemente aus dem Nasslager ins Trockenlager erfolgen.

Endlager für den hochradioaktiven Atommüll

Nach der Lagerung im Trockenlager muss der hochradioaktive Atommüll nach einigen Jahrzehnten irgendwo auch dauerhaft gelagert werden – einige der radioaktiven Abfälle strahlen für hunderttausende Jahre. Zum Beispiel hat das hochtoxische Spaltprodukt Plutonium eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren. Es muss für zehn Halbwertszeiten, also 240.000 Jahre, sicher von Mensch, Tier und Umwelt ferngehalten werden.

Hochradioaktiver Atommüll in Slowenien besteht vor allem aus den abgebrannten Brennelementen des Krško-Reaktors. 2003 kam es zu einem Einverständnis zwischen den Regierungen Sloweniens und Kroatiens, dass der hochradioaktive Atommüll zwar während der Laufzeit des Reaktors am Standort gelagert, jedoch eine Lösung bis spätestens zwei Jahre nach Ende der Laufzeit im Jahr 2023 erarbeitet werden soll. Das Endlager soll entweder in Slowenien oder in Kroatien gebaut werden und den hochradioaktiven Atommüll zwischen 2068 und 2077 einlagern. Dann soll der hochradioaktive Atommüll hier für unvorstellbare 240.000 Jahre gelagert werden. Die Möglichkeit eines Exports wird offen gehalten.

Nach fast 40 Jahren Inbetriebnahme des Krško-Reaktors gibt es keinen klaren Plan für eine sichere und dauerhafte Lagerung des hochradioaktiven Atommülls. Damit das dauerhafte Risiko eines atomaren Unfalls keine Zukunft hat, fordern wir den sofortigen Stopp des AKW Krško!

Jetzt Krsko stoppen