Neuigkeit, 19.03.2021

AKW Krsko: Nichts gelernt aus Fukushima

Was haben die Stresstests an AKWs in der EU nach der Katastrophe in Fukushima gebracht?

Der Unfall im japanischen AKW Fukushima Dai-ichi im März 2011 zeigte, dass selbst mit sehr unwahrscheinlichen Unfallszenarien gerechnet werden muss. Der Europäische Rat entschloss sich deshalb die Sicherheit aller Atomkraftwerke in der EU auf Grundlage einer umfassenden und transparenten Risiko- und Sicherheitsbewertung („Stresstests“) zu überprüfen. 

Die EU-Stresstests umfassten drei Themenbereiche:

  1. die Reaktion eines Atomkraftwerks auf verschiedene Extremsituationen (Erdbeben, Überschwemmung und extreme Wetterereignisse, sowie deren Kombination)
  2. die Bewältigung eines Stromausfalls und des Verlusts der Wärmeabfuhr über die Haupt-Wärmesenke
  3. die Verhinderung schwerwiegender radioaktiver Freisetzungen im Falle eines schweren Unfalls und das Management eines schweren Unfalls

Bei den Stresstests zeigte sich, dass viele Anlagen verschiedenen externen Einwirkungen nicht standhalten würden. Auch Mängel bei der Bewältigung der Folgen eines Unfalls stellten sich heraus. Bis Ende 2012 legten die jeweiligen nationalen Atomaufsichtsbehörden nationale Aktionspläne vor, um die identifizierten Mängel zu beheben. Bis Ende 2014 mussten alle Länder ihre nationalen Aktionspläne aktualisieren, um den Stand der Maßnahmen und deren Umsetzung aufzuzeigen. 

Diese Stresstests deckten allerdings nicht alle Sicherheitsaspekte der AKWs ab. Zu viele Faktoren wurden nicht berücksichtigt – vor allem die Alterung der Anlagen, die Veralterung des Designs, die Sicherheitskultur der Anlagen und die Verwundbarkeit gegenüber Terroranschlägen. Die EU-Stresstests sind daher keine umfassende Sicherheitskontrolle der Atomkraftwerke in Europa.

Was passierte seither im AKW Krsko?

Der Hauptteil des slowenischen nationalen Aktionsplans besteht aus dem geplanten Programm für Sicherheitsupgrades. Als Reaktion auf den Unfall in Fukushima beschloss die slowenische Aufsichtsbehörde, die Umsetzung des Sicherheitsupgrade-Programms zu beschleunigen und forderte, dass alle Maßnahmen bis 2016 abgeschlossen sein sollen.

Im September 2013 beantragte die Betreibergesellschaft des Krško-Reaktors jedoch eine Verlängerung der Frist für die Umsetzung des Sicherheitsupgrades. Als Hauptgründe für die Verzögerung wurden der Umfang des Projekts, die Komplexität der Konstruktionsdokumentation und die Lieferzeiten für einige der Hauptkomponenten genannt. Die Aufsichtsbehörde genehmigte die Fristverlängerung bis Ende 2018.

Im Jahr 2014 teilte die Betreibergesellschaft der Aufsichtsbehörde mit, dass die Umsetzung des Sicherheitsupgrade-Programms bis Ende 2018 aus finanziellen Gründen in Frage stehe. Die beiden Eigentümer des Krško-Reaktors waren nicht bereit, das Sicherheitsupgrade zu finanzieren, da Zweifel bestanden, ob die Anlage nach dem Upgrade weiterhin Strom zu einem wettbewerbsfähigen Preis erzeugen könnte. Die Eigentümer bestellten eine Studie zur finanziellen Rentabilität. In der Studie wurde festgestellt, dass sich die Sicherheitsupgrades in Kombination mit einer Verlängerung der Lebensdauer bis 2043 rentieren.

Nach der neuesten Aktualisierung ist die Umsetzung des slowenischen Aktionsplans noch immer nicht abgeschlossen: Mit Dezember 2019 waren rund 92 % der Maßnahmen umgesetzt. Die Umsetzung des Sicherheitsupgrade-Programm verzögerte sich weiter. Dieses soll nun bis Ende 2021 umgesetzt werden. 

AKW Krsko stoppen

Mängel und Risiken im AKW Krsko

Erdbebenrisiko

Bei der Planung des AKW Krsko ging man von einem geringeren Erdbebenrisko aus bzw. von einer maximalen Bodenbeschleunigung von 0,3 g, bis zu der man den Reaktor sicher abschalten kann. Neue seismische Berechnungen ergeben allerdings einen anzuehmenden Spitzenwert vom 0,56 g, der fast doppelt so viel ist wie angenommen. Die erhöhten Gefährdungspotenziale führten jedoch nicht zu einer Verstärkung der Widerstandsfähigkeit aller sicherheitsrelevanten Systeme, Strukturen und Komponenten der Anlage. Nur die Widerstandsfähigkeit von zusätzlichen Anlagen, die die Betreibergesellschaft innerhalb des Sicherheitsupgrade-Programms installiert hat, wurde verbessert (auf max. 0,6 g). Die neue Auslegung auf max. 0,6 g Bodenbeschleunigung bietet fast keinen Puffer (nur 0,04 g) zum anzunehmenden Spitzenwert. Bei den neuen Komponenten ist die Umsetzung der seismischen Widerstandsfähigkeit noch nicht abgeschlossen.

Mehrere ExpertInnen hinterfragen die Zuverlässigkeit der aktuellen Bewertung der Erdbebengefährdung. Besonders besorgniserregend ist der Hinweis einer Studie, dass ein starkes Erdbeben, das einen unvermeidbaren Unfall mit Kernschmelze verursacht, nicht ausgeschlossen werden kann.

Hochwassergebiet

Das AKW steht in einem hochwassergefährdeten Gebiet. Wenn man berücksichtigt, dass sich aufgrund der fortschreitenden Klimakrise Extremwetter- und Überschwemmungs-Ereignisse noch verstärken werden, sind die derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen sicherlich zu gering angesetzt. Da das AKW Krško nur über eine Wasserzufuhr verfügt, war eine zusätzliche, erdbebensichere Wasserzufuhr unabhängig von der Save geplant. Die Installation der zusätzlichen Wärmesenke wurde jedoch aus wirtschaftlichen Gründen gestrichen.

Mangelndes Unfallmanagment

Es gibt mehrere Vorkehrungen, um das Unfallmanagement bei einem schweren Unfall durch die Verwendung mobiler Geräte zu unterstützen. Angesichts der Zerstörung des AKW und der umliegenden Infrastruktur im Falle eines starken Erdbebens scheint es jedoch unrealistisch, mit den vorgesehenen mobilen Mitteln ein Unfallszenario mit Kernschmelze zu verhindern.

Ein Team der Internationalen Atomenergie Organisaion (IAEO) überprüfte 2017 die Betriebssicherheit des AKWs. Die Experten stellten fest, dass das Betriebsteam offensichtlich nicht ausreichend für den Einsatz in Unfallsituationen geschult ist. Der Einsatz des Betriebsteams ist jedoch für das Unfallmanagement des AKW Krško von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus werden sicherheitsrelevante Upgrades nicht rechtzeitig durchgeführt.

Veraltete Anlage

Die Alterung des AKW Krško ist nach fast 40 Jahren Betrieb ein sicherheitsrelevantes Thema. Bei einer weiteren Überprüfung wurde der geringe Umfang der Systeme und Komponenten, die vom Alterungsmanagement-Programm erfasst werden, kritisiert. Das Alterungsmanagement des Reaktordruckbehälters ist angesichts der geplanten Verlängerung der Laufzeit von grundlegender Bedeutung. Aber auch das Alterungsmanagement des Druckbehälters weist Mängel gegenüber dem nötigen Sicherheitsniveau auf. 

Zusammenfassend ist es unverantwortlich, ein Atomkraftwerk in einem seismisch aktiven Gebiet mit allen bekannten Mängeln des Reaktors zu betreiben.

Lesen Sie mehr zum Stresstest im AKW Krsko hier: Nichts gelernt aus Fukushima

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