Ökotox-Projekt

Ökologische Pflanzenschutzkonzepte für den österreichischen Zierpflanzenbau

Um die vom Handel und KonsumentInnen gewünschte Qualität zu gewährleisten, werden bei der Produktion von Zierpflanzen verschiedene Pestizide eingesetzt. Der Pestizideinsatz hat allerdings eine Vielzahl negativer Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere auf die Artenvielfalt, und stellt ein Risiko für die Gesundheit von ProduzentInnen und FloristInnen dar.

Einerseits gelangen Pestizide, die bei der Pflanzenproduktion eingesetzt werden z.B. durch Abdrift oder Auswaschung direkt in die Umwelt und belasten so den Naturhaushalt und andererseits bleiben Pestizide mit langsamen Abbauraten so lange auf oder in den Pflanzen, bis diese im Hausgarten ausgepflanzt werden, wo sie auch noch die Umwelt belasten - z.B. stellen Rückstände in den Blüten eine Bedrohung für Bestäuber dar.

Auf der überwiegenden Mehrzahl von Zierpflanzen im österreichischen Handel können Pestizidrückstände nachgewiesen werden. Bei Lebensmitteln wird der Pestizideinsatz schon seit langer Zeit kritisch diskutiert, bei nicht-essbaren Erzeugnissen wie Blumen rückt die Thematik erst in jüngerer Zeit verstärkt in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit und der Wissenschaft.

Im Rahmen unserer Ökotox-Projektes nehmen wir deshalb eine ökotoxikologische Bewertung und Kategorisierung der im heimischen Zierpflanzenanbau relevanten Pestizide vor. Wir entwickeln zusätzlich alternative Pflanzenschutzkonzepte und testen diese in Praxisversuchen. Die erarbeiteten Pflanzenschutzkonzepte sollen auch dabei helfen, Indikationslücken zu schließen, die in Österreich auf Grund fehlender Zulassungen in der Zierpflanzenproduktion bestehen.

Das Projekt wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt. Es startete am 1. Februar 2020 und läuft über drei Jahre.

Ökotox Projekt Bonitur Begonien

Ziele Ökotox-Projekt

  • Ökotoxikologische Bewertung aller im österreichischen Zierpflanzen- und Kräuteranbau zugelassenen Pestizide
  • Ökotoxikologische Bewertung der Pestizidrückstände auf importierten Jungpflanzen
  • Substitution besonders umweltschädlicher Pestizide
  • Erarbeitung von ökologischen Pflanzenschutzkonzepten im Zierpflanzenbau zur Reduktion negativer Umweltauswirkungen des Pestizideinsatzes
  • Erforschung des Potentials von Elektrolysewasser, welches mittels Bor-dotierten Diamantelektroden hergestellt wird, für den Pflanzenschutz
  • Schließen von Indikationslücken im österreichischen Zierpflanzenbau

Was wir machen - die Maßnahmen

Ökotoxikologische Bewertung aller, für den Einsatz im österreichischen Zierpflanzen- und Kräuteranbau zugelassenen Pestizide

GLOBAL 2000 hat ein Bewertungssystem zur Beurteilung der ökotoxikologischen Eigenschaften von Pestiziden entwickelt. Dieses Bewertungssystem wird im Rahmen des Projektes auf alle im österreichischen Zierpflanzenbau zugelassenen Wirkstoffe angewandt. Ziel ist es, das Bewertungssystem für die österreichische Branche optimal nutzbar zu machen. Das System kann ProduzentInnen als Werkzeug und Entscheidungshilfe bei der Erstellung von ökologisch orientierten Pflanzenschutzstrategien und bei der Auswahl von Pflanzenschutzmitteln dienen. Außerdem kann das Bewertungssystem als Grundlage für zukünftige Produktionsrichtlinien herangezogen werden.

Weiters werden im Zuge des Projektes einerseits durch Recherche und andererseits durch die Praxisversuche gezielt Alternativen für Wirkstoffe mit besonders negativen Umwelteigenschaften (= hoher Ökotox-Index) erarbeitet. Davon profitieren wiederum die Produzenten, da auch konkrete Lösungsansätze erarbeitet werden. Außerdem wird das System von GLOBAL 2000 mit anderen bestehenden ökotoxikologischen Bewertungssystemen verglichen und mittels Literaturrecherche geprüft, ob zukünftig noch weitere Aspekte in die Bewertung miteinbezogen werden können. Dies Bedarf einer genauen Prüfung der verfügbaren Daten.

Analyse und Bewertung von Pestizidrückständen auf importierten Jungpflanzen

Einen speziellen Aspekt bei der Bewertung der Pestizide auf Zierpflanzen stellen ungewollte Pestizid-Kontaminationen und Altlasten auf den importierten Jungpflanzen dar. Es werden auf Zierpflanzen regelmäßig Pestizide nachgewiesen, die in der EU nicht mehr zugelassenen sind, wie z.B. bestimmte hoch bienengiftige Neonikotinoide. Diese Pestizidrückstände aus der Jungpflanzenzucht stellen einerseits ein Problem für den Nützlingseinsatz dar, weil sie dadurch geschädigt werden und andererseits handelt es sich um Pestizidmengen, die für Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge auch dann noch problematisch sein können, wenn die Pflanzen zu den EndkonsumentInnen kommen. Um die Pestizidrückstände auf den Jungpflanzen ebenfalls beurteilen zu können, werden entsprechende Laboranalysen der Jungpflanzen sowie von verkaufsfertigen Pflanzen durchgeführt. Durch die Analyseergebnisse werden Erkenntnisse hinsichtlich der Belastungssituation der Jungware, der Umweltauswirkungen der Pestizidrückstände und des Abbauverhaltens der chemischen Substanzen gewonnen. Die Ergebnisse können genutzt werden, um Verbesserungen anzustoßen oder konkrete Richtlinien zu erarbeiten, um den Ansprüchen der europäischen Integrierten Produktion, der europäischen Umweltschutzauflagen und der heimischen KonsumentInnen gerecht zu werden.

Erarbeitung von ökologischen Pflanzenschutzkonzepten

Basierend auf den Ergebnissen der ökotoxikologischen Bewertung werden Pflanzenschutzkonzepte entwickelt, die auf den Einsatz von Pestiziden mit besonders negativen Umweltauswirkungen verzichten. Dabei wird besonderes Augenmerk auf innovative und ökologische Pflanzenschutzmethoden gelegt.

Praxisversuche mit alternativen Pflanzenschutz- und Pflanzenhilfsmitteln
  • Einsatz von „Elektrolysewasser“, das mittels Bor-dotierten Diamantelektroden elektrochemisch behandelt wird
    • Austesten der Eignung verschiedener Salze (z.B. NaCl, NaHCO3, NaCO3, K3PO4)
    • Optimierung der Applikationstechnik
    • Wirkungsgrade im geschützten Anbau und im Freiland
  • Einsatz von Mikroorganismen und anderen Biostimulanzien sowie biologischen Pflanzenschutzmitteln.

Es wird ein Vergleich zweier grundlegender Herangehensweisen im Pflanzenschutz durchgeführt:

  1. Abtöten des Mikrobioms: Desinfizieren durch Elektrolysewasser oder Abtötung durch Pestizide
  2. Fördern des Mikrobioms: Applikation von Mikroorganismen, Bodenhilfsstoffen, usw.

Aktuell werden Praxis-Versuche durchgeführt bei: Blumen Plettig KG, Stiftsgärtnerei Wilhering, Gartenbau Bauer

Projektpartner:

Logo Bellaflora Logo pro aqua Diamantelektroden Produktion GmbH Logo biohelp GmbH Logo Multikraft Produktions- und HandelsgmbH
Logo AGROsolution Logo Institut Dr. Wagner

 

Logo FFG

Das Projekt wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt