Die Weltwanderer

Durch eine sportliche Jugend und mehreren Weitwanderungen trauen wir uns zu, an die 20.000 Kilometer an Land, ausschließlich zu Fuß, zurückzulegen. Als Cousins sind wir zusammen aufgewachsen und wissen einander zu vertrauen. Eine besondere Stärke sehen wir in unserer ausgeprägten Willenskraft und Konsequenz.

Rowin Höfer

ist 22 Jahre alt, geboren in Leoben. Nach Matura, Zivildienst im Krankenhaus und Multimedia-Studium an der Graphischen arbeitete er als Kameraassistent für Fernsehproduktionen und war selbst als Fotograf und Kameramann tätig. Um sich auf die Weltreise vorzubereiten wohnte Rowin ein Jahr lang im ungeheizten und stromlosen Wohnwagen. Zuvor versuchte er einige Monate in Wien auf der Straße zu leben, um die Einfachheit kennen und schätzen zu lernen.

„Weitwandern ist für mich die ideale Art im Einklang mit der Natur zu leben. Stets erlebe ich dabei Veränderung und Abenteuer, die mein Leben bereichern.“

Marvin Fritz

ist 21 Jahre alt, ebenfalls in Leoben geboren. Der Steirer ist begeisteter Skater und lebt seit der Rheinwanderung vergan. Nach einer Bäcker- Dekorateur- und Tapeziererlehre und abgeleistetem Zivildienst bei der Lebenshilfe, beschäftigt er sich intensiv mit der Natur, mit pflanzlichen Nahrungsmitteln und deren Heilkräften.

In Zusammenarbeit mit GLOBAL 2000 waren die Beiden als Botschafter für den Atomausstieg und gegen die Verschwendung von Ressourcen unterwegs.

Die Route

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen."
- Johann Wolfgang von Goethe

 

Wir gehen von Wien über den Semmering, vorbei an Leoben, Knittelfeld, Murau nach Kärnten. Weiter über die Grenze nach Italien in Richtung Gardasee. Danach möchten wir unseren Weg so anlegen, dass wir am stillgelegten AKW Caorso vorbeikommen. Von Genua, wo wir Mitte November eintreffen möchten, folgen wir dem Weitwanderweg E7 nach Frankreich.

Von Nice möchten wir dann das AKW Tricastin oder eines der beiden stillgelegten AKW in unmittelbarer Nähe aufsuchen. Am E7 geht's schnell weiter nach Süden, denn es wird kalt. Über Andorra wandern wir schließlich Ende Dezember nach Spanien. Hier sollten wir dann spätestens wissen, wie's weitergeht. Bevorzugterweise Richtung Süden. Da lägen nämlich die AKW Ascó, Vandellos und Confrentes am Weg und ab Valencia fahren Frachtschiffe über den Atlantik. Richtung Portugal gäbe es auch noch vier weitere Kraftwerke, doch der weitere Weg hängt, wie schon erwähnt, vom Schiff ab. Die weitere Route legen wir dann fest, sobald wir den großen Teich überquert haben. Bis dahin kannst du unseren Weg auf der google-maps-Karte verfolgen.

Blog: Zu Fuß um die Welt 2011

Die zwei jungen Steirer Marvin Fritz und Rowin Höfer gehen im Namen von GLOBAL 2000 als Botschafter für den Atomausstieg und gegen die Verschwendung von Ressourcen um die Welt. Ausgerüstet mit einem 15 Kilo Rucksack, fünf Euro pro Tag, veganer Rohkost und einem Zelt, brechen sie am 3. Oktober auf.

3. Oktober 2011 - Los geht's

Schon vor Jahren haben wir den Entschluss gefasst, eine Weltreise zu machen. Jetzt ist es soweit. Wir haben die passende Reiseart für uns entdeckt. Die natürlichste, älteste, langsamste und wahrscheinlich intensivste Art überhaupt. Wir gehen zu Fuß um die Welt. Heute, am 3. Oktober 2011, geht es los. Der Zeitraum wird sich zwischen ein und drei Jahren bewegen. So lange unsere Mittel ausreichen, werden wir gehen. derStandard.at: Einmal zu Fuß um die Welt

Nochmal stärken: Frühstück im GLOBAL 2000-Büro

"A fester Drucker" zum Abschied...

Alles Gute - und los geht's!

In Zusammenarbeit mit GLOBAL 2000 werden wir als Botschafter für den Atomausstieg und gegen die Verschwendung von Ressourcen unterwegs sein.

 

12. Oktober 2011 - Loslassen

Wir sind nun über eine Woche unterwegs. In dieser Woche haben wir endgültig Abschied von der vertrauten Gegend, aber auch von Freunden und Verwandten genommen. Wir werden doch für lange Zeit weg sein, weshalb wir uns umso mehr freuen noch einmal durch die alte Heimat gewandert zu sein. Wie so oft erkennen wir erst jetzt, wenn wir uns von bestimmten Menschen trennen, wieviel diese für uns bedeuten. Trennen mussten wir uns aber auch von bestimmen Angewohnheiten, wie der Bequemlichkeit oder Gemütlichkeit. Ein intensives Leben bringt immer Anstrengungen mit sich. Brennende Füsse vom vielen gehen und einen schmerzender Rücken nehmen wir für absolute Freiheit und ständige Veränderung gerne in Kauf. Außerdem verringert sich ja die Last, je mehr Besitztümer wir aus unserem Leben streichen. In Leoben, unserer Geburtsstadt, haben wir noch die Möglichkeit die Notwendigkeit jedes einzelnen Gepäckstückes zu hinterfragen und eventuell daheim zu lassen. Wir spüren wieder am eigenen Leib, je weniger Besitz, desto leichter das Leben. Es ist faszinierend wie wenig ein Menschen braucht um glücklich zu sein. Oft überlegen wir, ob materielle Güter nur angehäuft werden um geistige Leere zu füllen? Wir möchten es anders versuchen.

Aus dem Wiener Großstadtjungel hinaus zu finden war unsere erste Herausforderung. Liebenswerterweise haben uns gute Freunde bis an die Stadtgrenze begleitet. Dann fanden wir bald den Wr. Neustädter Kanal, an dem ein schöner Radweg bis Wr. Neustadt entlang führt.

Am Radweg stadtauswärts

Nach einer eher feuchten Nacht ging es durch den Föhrenwald Neunkirchen und von dort der Schwarza entlang nacht Gloggnitz.

 

Ohne Zelt konnten wir den Sternenhimmel die ganzen Nacht bewundern. Wir kommen nur langsam voran, weil der Weg so schön ist und stets zum Fotografieren einlädt.

 

Walnüsse sind im Herbst überall zu finden

Ab über den Semmering und schon in der Steiermark empfängt uns eine gute Freundin in Mürzzuschlag sehr herzlich.

Der nächste Tagen ist ein Regentag, wir bekommen einen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Winter. Doch schon am selbem Abend lockert es wieder etwas auf.

 

Schließlich kommen wir in unserer Geburtsstadt Leoben an, wo wir ein letztes Mal Freunde und Verwandte treffen. Erst jetzt beginnt für uns das richtige Abenteuer. Wir lassen das Bekannte zurück und wandern ins Ungewisse, denn "Alles Leid kommt von der Anhaftung, alles Glück kommt vom loslassen." (Gregor Sieböck)

19. Oktober 2011 - Aufwärmen

Die vergangenen zwei Wochen waren eine Art Aufwärmrunde für uns. Wir konnten uns in der vertrauten Umgebung geistig und körperlich auf das Wandern einstellen. Wir gingen bekannte Wege und wussten, wo wir zu essen und zu schlafen finden. Schon sieben Mal durften wir bisher drinnen übernachten, was angesichts der nächtlichen Minusgrade sehr angenehm war. Doch nicht nur die Wärme der Räume, sondern auch die der Menschen half uns auf unserem Weg durch Österreich. In ein paar Tagen werden wir die Alpen verlassen und in der Po-Ebene sein, wo wir auf wärmere Temperaturen hoffen. Zwar ist es tagsüber auch hier noch recht angenehm, doch heißt es nach Sonnenuntergang immer schnell einen sicheren Schlafplatz zu finden und in den Schlafsack zu flüchten. Oft liegen wir so schon um sieben oder acht Uhr in einer dunklen Ecke oder an einer Hausmauer. Morgens stehen wir dafür meist vor Sonnenaufgang auf und marschieren schnell los, denn die beste und zuverlässigste Heizung ist immer noch kräftige Bewegung.

 

 

 

Im Herbst regnet es gerne, dafür dürfen wir an diesem Abend im Heizraum eines Bauers schlafen.

Wir folgen der Mur von Bruck bis nach Scheifling. Ein schöner Radweg führt hier entlang. Ab und zu müssen wir auf stark befahrenen Bundesstraßen gehen, dabei stellen wir stets eine Gefahr für den Straßenverkehr da. Doch immer wenn uns jemand verärgert anhupt stellen wir uns die Frage was gefährlicher ist: Autofahren oder zu Fuß gehen?

 

Rowin wartet zitternd auf das nächste vorbeidonnernde Fahrzeug.

Essen finden wir wie bisher auf Bäumen, am Feld oder hinter Supermärkten. Einkaufen wäre verschwenderisch, wenn man bedenkt wieviel gerade wächst und weggeworfen wird.

 

Wir dürfen uns auf einem Himbeerfeld stärken. Eine vollwertige Mahlzeit. Äpfel gibt es zurzeit überall.

Von Scheifling wandern wir nach Kärnten. Dort werden wir auf einem Bauernhof von fernen Verwandten erwartet. Wir erkennen welcher Aufwand dahinter steckt, einen Hof mit Tieren zu betreiben und wundern uns über den Umweg Fleisch. Wir mästen ein Tier jahrelang mit wertvollen Lebensmitteln um es schlussendlich zu verzehren, anstatt gleich selbst die hochwertigen Nahrung zu essen, die die Tiere so groß und stark werden lässt. Wir würden unglaublich viel Ressourcen sparen, enorm viel Zeit und mehr Gesundheit erlangen.

Über St.Veit gehen wir entlang der Glan nach Feldkirchen, dann am Ossiacher See vorbei nach Villach. Die im Sommer so belebte Gegend wirkt jetzt ohne Touristen fast wie ausgestorben. In Villach rasteten wir einen ganzen Tag. Wir spazierten durch die Stadt und merkten, dass wir es schon gar nicht mehr gewohnt sind von so vielen Menschen umgeben zu sein.

Dann fehlt uns nur noch ein Tagesmarsch bis nach Italien. In der Grenzstadt Arnoldstein denken wir noch einmal an die Zeit in Österreich zurück und freuen uns über alles Erlebte und Erlernte auf den ersten 470 Kilometern.

Heimat haben ist gut. Süß der Schlummer unter eigenem Dach, Kinder, Garten und Hund. Aber ach Kaum hast du vom letzten Wandern geruht geht dir die Ferne mit neuer Verlockung nach. Besser ist Heimweh leiden und unter den hohen Sternen allein mit seiner Sehnsucht sein. Haben und rasten kann nur der, dessen Herz gelassen schlägt während der Wanderer Mühsal und Reisebeschwer in immer getäuschter Hoffnung trägt. Leichter wahrlich ist alle Wanderqual Leichter als Friedefinden im Heimattal, wo in heimischer Freuden und Sorgen Kreis nur der Weise sein Glück zu bauen weiß. Mir ist besser, zu suchen und nie zu finden, statt mich eng und warm an das Nahe zu binden. Denn auch im Glücke kann ich auf Erden doch nur ein Gast und niemals ein Bürger werden. Hermann Hesse

27. Oktober 2011 - Fremd sein

Wir sind in Italien. Es war ein besonderes Gefühl die Staatsgrenze zu Fuß zu erreichen. Viel intensiver als mit dem Zug oder dem PKW auf der Autobahn nebenan. Doch außer der Sprache konnten wir am ersten Tage keine große Veränderung feststellen. Wir waren noch in den Alpen, es gab einen Radweg, Walnüsse, Äpfel, Zwetschken und Birnen. Aber schon bald bemerkten wir weitere Unterschiede zu Österreich. Nach drei Tagen hatten wir schon zwei Begegnungen mit der Polizei. Es scheint hier mehr ängstliche Menschen zu geben, die lieber die Polizei rufen, als uns selbst zu fragen wer wir sind und was wir machen, wenn wir zum Beispiel vorm Eingang einer Kirche liegen oder uns im Gemeindeamt aufhalten. Außerdem sind die Zäune höher und die Wachhunde vielzähliger und lauter.

Je weiter wir in den Süden kommen, desto fremder werden uns Land und Leute, beziehungsweise desto fremder werden wir. Uns kommt das Gefühl, zu Fuß gehen wird in Italien noch weniger akzeptiert und stellt ein Zeichen von Armut dar. Obwohl wir ständig von Menschen in Autos umgeben sind, fühlen wir uns meist sehr einsam und unwohl neben Schnellstraßen und Autobahnen. Viele wundern sich, warum wir nicht selbst mit dem Auto fahren oder fragen gar, warum wir nur herumspazieren anstatt zu arbeiten.

Die Möglichkeiten zu Fuß relativ schnell voranzukommen sind mit jenen in Österreich nicht zu vergleichen. In einem Tourismusbüro fragen wir nach Radwegen und bekommen eine gut ausgearbeitete Broschüre in Englisch. Das Problem an den darin beschriebenen Radwegen ist, dass sie einfach nicht existieren. Nach Fußwegen brauchen wir erst gar nicht fragen. Die Mehrheit kennt ohnehin nur die schnellsten Autoverbindung. Dass diese für uns auch die gefährlichsten sind, glauben uns viele nicht. Anscheinend sind jene noch nie auf engen Schnellstraßen gewandert und von Seitenspiegel gestriffen worden.

Es scheint, als wären die Menschen hier noch abhängiger von Fahrzeugen, als in Österreich. Für uns galt es zu lernen, große Städte zu meiden und unfrequentierte Landstraßen zu benützen, auch wenn diese oft große Umwege bedeuten. Wir konzentrieren uns nicht mehr darauf, große Städte zu erreichen, sondern schönen und sicheren Wegen in Richtung Südwesten zu folgen, egal wie lange es dauert.

Natürlich gibt es neben den negativen Veränderungen auch unzählige Vorzüge für uns in Italien. Zum Ersten ist es hier um einiges wärmer als in den Bergen. Wir können wieder richtig lange Pause machen und die Sonne genießen. Weiters ist die Landschaft unglaublich schön. Erst die Ausläufer der Alpen, dannt das weite fruchtbare Flachland. Je länger wir in Italien sind, desto mehr treten wir mit den Leuten in Kontakt, da unsere Sprachkenntnisse sich stets verbessern. Eine nette Dame in Moggio zum Beispiel hat uns so viel Obst und Gemüse aus ihren Garten geschenkt wie wir tragen konnten, ein Vater und sein Sohn haben uns bei Gemona zu Kaffee eingeladen. Wir freuen uns weitere nette Menschen und ihr Land kennenzulernen und uns an das Neue zu gewöhnen, denn:

Wie schön das Leben ist, erfährt man nur, wenn man sich nicht vor allem vetschließt was einem fremd erscheint. Hans Bemmann

2. November 2011 - Essen beschaffen

Einfach leben ist gesund und sparsam. Einen Monat lang reisen hat uns zu zweit gerade mal fünfzig Euro gekostet. Wieviel mehr hätten wir in dieser Zeit für Fernflüge und riesige Buffets in fünf-Sterne-Hotels ausgeben können und wieviel weniger hätten wir dabei erlebt? Um die Sterne zu zählen, die unser Hotel hat, bräuchten wir eine Ewigkeit, als Transportmittel dienen gesunde Beine und Nahrung hat die Natur genug zu bieten.

In Österreich sind wir sogar ganz ohne Geld ausgekommen, da wir einerseits reichlich beschenkt wurden und andererseits wissen, wieviel wertvolle Nahrungsmittel täglich in den Mülltonnen unserer zahlreichen Supermärkte landen und wie wir dazu gelangen. Wir staunen immer wieder über die Menge, Vielfalt und den Zustand der weggeworfenen Lebensmittel. Neben eingepackten Bananen, Weintrauben, Äpfeln, Birnen und allerhand Gemüse lassen sich auch andere Produkte aus fast allen Sparten des jeweiligen Geschäfts finden. Optische Mängel sind meist der Hauptgrund für die Entsorgung, denn das gesetzliche Ablaufdatum liegt oft in ferner Zukunft. 

 

Besonders in Kärnten sind die Mülltonnen voller guter Lebensmittel. Wieder mal stehen wir vor der Qual der Wahl, was wir mitnehmen und was wir da lassen. Selten können wir alles tragen, was wir finden.

In Italien sieht die Sache schon etwas anders aus. Hier erkennen wir erst, in welchem Überfluss wir in Österreich leben. Anstelle zahlreicher Supermärkte in jeder noch so kleinen Stadt fanden wir besonders in den Bergen kaum ein Grundstück ohne Gemüsegarten oder Obstbäume. In größeren Städten haben wir jedoch bemerkt, dass die Verschwendung und der achtlose Umgang mit potenzieller Nahrung überall in Europa gleich extrem ist, wo Großkonzerne agieren und um größtmögliche Gewinne kämpfen. Uns ist aber schon aufgefallen, dass ein großer Teil der Bevölkerung selbst anbaut und deshalb eigentlich weniger kaufen müsste.

Für uns bedeutet die Situation in Italien auf jeden Fall mehr Obst und Gemüse bester Qualität zu bekommen. Sammelten wir in Österreich immer wieder Hybridfrüchte von Supermärkten, ernten wir hier sehr viel Sonnengereiftes direkt von Bäumen oder Feldern.

 

Marvin bei der Feigenernte. Wir sind gerade noch zur rechten Zeit in Italien und finden immer wieder ein paar der so gesunden, süßen Früchte. Auch ein paar Weintrauben sind hier und da noch übrig geblieben. Die am häufigsten angebaute Frucht wird leider zum Großteil für die Weinerzeugung verschwendet.

 

Kiwis selbst zu ernten ist schon ein besonderes Gefühl. Bestimmt nicht nur für uns Obstliebhaber. Auch Granatäpfel- und Kakibäume stehen überall herum.

Wir treffen oft auf nette Menschen, die uns mitnehmen oder einladen wollen. Sie bieten uns Kaffee, Brot oder Wurst an, doch wir lehnen stets ab und erzählen, wovon wir uns ausschließlich ernähren. Die meisten sind erstaunt darüber, wie wir die körperlichen Anstrengungen  nur mit Obst, Gemüse und Nüssen bewältigen können. Tatsache ist aber, dass uns ein Lebensmittel in seiner natürlichen, unverarbeiteten Form am meisten bringt, da für dessen Verdauung, im Vergleich zu Fleisch oder anderer Kochkost, kaum Energie benötigt wird. Energie, die somit anderwertig zur Verfügung steht: Zum Beispiel für kräftige Bewegung oder um den Körper gesund und fit zu halten, bei all den Einflüssen von außen. Wir wollen unabhängig sein und selbst die Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen anstatt auf irgendwelche Mittel oder Ärzte zu vertrauen. Eine gesunde und bewusste Ernährung hilft uns dabei, denn sie ist die beste Krankenversicherung.

Der Mensch ist, was er isst. Paracelsus

 

9. November - Freude am Weg


Drei Wochen hat uns die Karte begleitet und dabei einiges mitgemacht.

Die Hälfte der Wegstrecke in Italien liegt nun hinter uns. Von Villach bis Bozzola haben wir die Landkarte einmal diagonal durchquert, dabei sind wir durch unglaublich interessante Gegenden gewandert. Zuerst den “Ciclovia Alpen Adria“ Radweg entlang durchs “Val Canale“, ein enges Tal von Tarviso bis Gemona. Neben dem Radweg führt hier der Fluss Fella, eine Bundesstraße, die Zugstrecke sowie die Autobahn durch. Diese ist fast zur Gänze auf Brücken und in Tunnels gebaut, damit Urlauber so schnell wie möglich nach Lignano, Caorle oder sonst wohin kommen. Dabei verpassen sie die beeindruckenden Felsen, Schluchten und Wasserfälle entlang des Radweges, der der ehemaligen Bahnspur über alte Brücken und durch kleine Tunnels folgt. An den letzten Tagen in den Bergen wurde es dann noch spannender, da das Tal immer enger und der Fluss aufgrund des anhaltenden Regens immer breiter wurde.

Dann sahen wir bald den letzten Berg und wir waren im Flachland von Friaul und Venetien. Die Hügellandschaft mit all den Weinbergen und Feldern erinnerte uns ans Burgenland und an die Südsteiermark. Durch Castelfranco, an Vicenza und Padova vorbei, spazierten wir auf kleinen Nebenstraßen von Ort zu Ort und lernten Norditalien so richtig kennen. Eine Obstplantage nach der anderen, große Privatgründe mit flachen Häusern, Bauernhöfen und Kirchen. Bald war es so flach, dass wir von einem Dorf den Kirchturm des anderen sehen und uns danach orientieren konnten.

An manchen Tagen löste sich der Nebel garnicht auf.

In der Po-Ebene gab es dann gar keine Erhebung mehr. Kleine Kanäle und weite Flusslandschaften prägten hier gemeinsam mit Regen und Nebel das Bild. Wir folgten dem Hauptfluss Italiens einige Tage lang, bis wir in Cremona ankamen. Hier - in der ersten Großstadt, die wir erreichten - legten wir eine kleine Pause ein. Immerhin sind wir schon über 1000 Kilometer unterwegs.

Möge der Weg Dir freundlich entgegentreten, der Wind, Dir den Rücken streicheln, die Sonne Dein Gesicht hell und glänzend machen, und der Regen sanft Dir Felder netzen. Irischer Segensspruch

15. November - Etwas Ruhe

Die vergangene Woche hat für uns sehr angenehm begonnen. Wir haben ein paar Tage in den alten Städten Cremona und Piacenza verbracht, wo wir über die bisher zurückgelegte Strecke nachdachten und uns ausruhen konnten. Die meiste Zeit verbrachten wir in den dortigen Bibliotheken und Bücherläden, da es draußen eiskalt war.

 

In der Hauptbibliothek von Piacenza

Im Moment befinden wir uns inmitten der Lingurischen Appeninen. Zum Glück sind wir die Berge und die Kälte gewohnt, sonst wären die nächtlichen Minusgrade und das andauernde auf und ab mit fünfzehn Kilo am Rücken nicht sehr lustig. So freuen wir uns wieder in einer Gegend zu sein, die uns an die Heimat erinnert und besonders darüber, dass hinter dem Gebirgszug das Mittelmeer liegt. Wie es sich anfühlt zu Fuß das weite Meer zu erreichen, versuchen wir bis zur nächsten Woche in Worte zu fassen.

Stundenlang hofften wir nach dem jeweils nächsten Berg das Meer zu erblicken, dann war es endlich soweit. Lange haben wir auf diesen Augenblick gewartet.

Die Reise von tausenden Kilometern fängt mit dem ersten Schritt an. Lao Tse

 

6. Dezember - Von Genua nach Frankreich

Während zahlreiche GLOBAL 2000-Aktivisten und Aktivistinnen in Deutschland gegen Atommüll protestierten, haben wir das Land betreten das am meisten davon produziert. Anders als Österreich und Italien bezieht Frankreich den Großteil ihres Stromes aus Kernenergie. Mit über vierzig AKW im ganzen Land verteilt, ist Atomkraft hier stets und überall in unmittelbarer Nähe, weshalb wir auch in Frankreich, wie schon in Italien an Kraftwerken vorbeikommen werden. Im Moment bewegen wir uns mitten in der Provence, erst einige Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Hier sind erstmal Eindrücke der letzen Wochen:

 

Mit dem Mittelmeer haben wir eine unbezwingbare natürliche Grenze erreicht. Ab hier können wir uns mit eigener Körperkraft nur noch in drei Hauptrichtungen bewegen. Wir Landtiere sind nicht fürs Leben im Wasser gebaut und könnten höchstens ein paar Meter auf dessen Oberfläche hinausschwimmen ehe wir wieder festen Boden unter uns brauchen. Aus diesem Grund sehen wir in den Ozeanen, trotz massiver menschlicher Eingriffe und Verschmutzungen immer noch die größten Wildnissbereiche auf Erden und denken an die Worte Henry David Thoreaus, der schon vor langer Zeit erkannte, dass in der Wildnis die Welt erhalten.

 

Der erste Anblick dieser riesigen Fläche von oben, war überwältigend. Außerdem kam das Gefühl von Stolz und Zufriedenheit dazu. Haben wir das Mittelmeer doch ausschließlich zu Fuß vom über tausendzweihundert Kilometer entfernten Wien aus erreicht. Wir verbrachten mehrere Stunden am Berg und bewunderten den neuen Anblick, bis wir bei Dämmerung zur Küste abstiegen. Kaum zu glauben, dass auf der gegenüberliegenden Seite Afrika liegt.

Die Krümmung der Erde lässt sich am Meer wunderbar erkennen. Die meisten Nächte verbrachten wir auf Stränden, von wo aus wir nicht nur die Wellen hörten sondern auch die Sterne bestens sahen.

 

Wir folgten der Steilküste ab Genova bis wir bei St.Raphaël wieder ins Landesinnere aufbrachen. Dabei gingen wir von einer Promenade zur nächsten, teilweise auf für Touristen angelegten Spazierwege und Radwege, durch alte Eisenbahntunnels oder der Straße entlang. Wir genossen die Vorzüge der Küste, bekamen aber auf Grund der Jahreszeit nichts vom Massentourismus mit - wie schön!

14. Dezember - Unterwegs in Frankreich

Im Moment befinden wir uns in Avignon, wo der Weihnachtseinkauf, wie in so vielen Städten der Welt, voll im Gange ist. Schließlich darf unsere Wirtschaft ja nie stillstehen. So wird die angeblich besinnliche Zeit, zur hektischen und schnellsten des Jahres - irgendwie komisch! Jedenfalls gingen wir durch die belebten, engen Gassen und fragten uns, wer Platz für so viele wertlose Konsumgüter hat, oder auf wieviel wir Menschen verzichten müssen, um uns Jahr für Jahr so viel Unsinn leisten zu können. Natürlich ist Schenken kein Unsinn, sondern einen schöne Sache, doch müssen es immer mehr materielle, bedeutungslose Güter sein? Der Kontrast zwischen den vielen KonsumentInnen, die bedenkenlos kaufen und anhäufen, und uns, die wir jeden noch so kleinen und leichten Gegenstand auf dessen Notwendigkeit prüfen müssen, fällt uns gerade zur Weihnachtszeit stark auf.

Auch aufgefallen sind uns mehrere Plakate, die auf eine geplante Menschenkette von Lyon bis Avignon am 11. März nächsten Jahres hinweisen, denn auch die französische Bevölkerung fordert den Ausstieg aus der Atomkraft. Letzten Sonntag gab es eine Informationsveranstaltung dazu - leider kamen wir zu spät, alle Infos stehen aber auch auf www.chainehumaine.org! Eine junge Dame erzählte uns kürzlich empört von der Greenpeace-Aktion vor einigen Tagen, bei der neun Aktivisten problemlos in ein Akw bei Paris eingedrungen sind und so auf erhebliche Sicherheitsmängel aufmerksam machten.

Zum Wetter - in letzter Zeit war es auch in Südfrankreich spürbar kälter und feuchter, weshalb wir viel öfters im Zelt als unter freiem Himmel übernachteten. Immer wieder staunten wir darüber, welch großes Gefühl von Sicherheit und Gemütlichkeit zwei hauchdünne kunststoffschichten erzeugen können und wie sehr wir uns an die zwei Quadratmeter unseres eineinhalb Kilo leichten mobilen Zuhauses gewöhnt haben.

So viele Dinge, die wir bisher als selbstverständlich betrachteten, wie warme Räume, Strom oder angenehme Gespräche mit liebevollen Mitmenschen bekamen in den letzten zwei Monaten völlig neue Bedeutung und Wertigkeit. Unterwegs zu sein freut uns gerade mehr denn je. Wir treffen viele Menschen, sehen interessante Gegenden und lernen viel dazu. Unter anderem, eigene Denkweisen zu hinterfragen und gegebenfalls zu ändern, wahrscheinlich einer der wichtgsten Übungen unserer Zeit.

Alle denken darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte, doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern. Leo Tolstoi

21. Dezember - Wegplanung

Gegen Zielsetzungen ist nichts einzuwenden, sofern man sich dadurch nicht von interessanten Umwegen abhalten läßt. (Mark Twain)

Erst jetzt, nach 2000 Kilometern, ein paar Tage vor der spanischen Grenze, haben wir uns ernsthafte Gedanken über unsere weitere Strecke durch Europa gemacht. In Frage kam dabei einen Weg nach Toulouse und Pau zu nehmen, Spanien erst über den Somport Pass zu erreichen, um dann weiter nach Lisabon, in die westlichste Großstadt des Kontinents zu reisen. Wir hatten einfach Lust, noch eine Weile in Frankreich zu bleiben und am Jakobsweg nach Santiago de Compostella zu pilgern um das einzigartige Fernwanderwegnetz in diesem Teil der Erde auszunutzen, nachdem wir den Großteil der bisherigen Strecke, auf eigens ausgesuchten Wegen gingen.

Schlussendlich sind wir aber doch bei der ganz ursprünglichen Idee geblieben, über Barcelona und Valenzia entlang der spanischen Mittelmeerküste bis nach Gibraltar, an den südlichsten Punkt Europas zu gehen, von wo aus wir den Kontinent verlassen und uns in Richtung Nordamerika begeben werden. Da wir immer noch keine Möglichkeit gefunden haben, den Atlantik per Schiff zu überqueren, freunden wir uns langsam mit dem Gedanken an, ein Flugzeug nehmen zu müssen. Bis zur Ankunft in Gibraltar bleibt uns allerdings noch viel Zeit, in der wir hoffen eine Alternative zum Fliegen zu finden.

Auf jeden Fall werden wir auch in Spanien an Atomkraftwerken vorbeigekommen. Zum Beispiel am AKW Asco, Vandellos oder Confrentes, eines der umstrittensten in Europa, weil auf Erdbebengebiet erbaut. Eine sehr gute Übersicht mit Karte über Atomkraft in Europa bietet die folgende Seite: http://www.global2000.at/site/de/wissen/atom/atomeuropa

28. Dezember - Tricksen

Gerade als ich stehen blieb, meinen Rucksack runter und die Kamera in die Hand nahm, um die Speicherkarte zu wechseln und somit die bisherigen Fotos zu sichern, bemerkte Marvin nicht weit von uns ein Auto, dass mitten im Kreisverkehr einparkte. Darin saßen zwei Polizisten, die entsprechend schnell und zielstrebig zu uns rüber eilten, als hätten wir mit unseren schweren Rucksäcken entfliehen können. Wohlwissend was die Beiden von uns wollten, versteckte ich die Kamera sogleich tief im Rucksack, doch als sie ankamen und der eine darauf zeigte, merkte ich sogleich, dass es zu spät dafür war.

Wir befanden uns am Ende des riesigen Atomkomplexes Tricastin und haben an die hundert Fotos davon auf der Karte, obwohl fotografieren hier, wie in der Nähe vieler Kernkraftwerk, strengstens verboten ist. Das AKW ist nördlich von Avignon, neben zwei weiteren im Umkreis von weniger als fünfzig Kilometer an der Rhone gelegen. Es ist etwa zwei Wochen her, als wir dort vorbeikamen, um die zweite Birke zu pflanzen und trotz der unwirtlichen Umgebung, sowie der Begegnung mit der französischen Polizei, erinnern uns gerne zurück.

Nach der üblichen Ausweiskontrolle, forderten mich nämlich die Beamten am besagten Tag auf, die Kamera wieder auszupacken und die Fotos herzuzeigen. Danach musste ich, wie befürchtet, alle Bilder auf denen beide Reaktoren erkennbar sind, vor ihren Augen löschen. Zu unserem Glück kennen sich Polizisten erfahrungsgemäß nicht besonders gut mit Kameras aus, sodass jene mit denen wir es hier zu tun hatten nicht bemerkten, dass ich mit einer Taste immer mehrere Bilder übersprang. So konnte ich ungefähr die Hälfte des Fotomaterials vom Tag inmitten und in der Nähe der Nuklearanlage Tricastin retten. Hier ist eine kleine Auswahl der übrig geblieben Aufnahmen.

 

 

 

Ansonsten haben wir eine recht unbeschwerte und ruhige Zeit hinter uns. Hin und wieder war es richtig heiß in der Sonne, dann zeigte uns der eisige Wind und die schneebedeckten Berge der Pyrenäen wieder ganz deutlich, dass es doch Dezember ist. An den Weihnachtstagen machten wir dasselbe wie auch sonst immer - viel, weit und lange gehen, immerhin wollen wir bald in Spanien sein. Unser momentaner Standort ist Perpignan, eine bunte Stadt, die wie etliche andere nach der Weihnachtszeit, mit dem vielen Abfall, den leeren Schachteln und sonstigen Verpackungen an allen Ecken einer großen Müllhalde gleicht.

Dabei steht Silvester und damit die noch viel größere Umweltverschmutzung erst bevor. Im urbanen Bereich wird ja der meiste Festtagsmüll gesammelt und irgendwie entsorgt, aber wer geht schon zu Neujahr oder irgendwann danach in den Wald, um die Reste des giftigen Pulvers oder all das Pastik aufzusammeln, das zur Jahreswende hineingeschossen wurde. Von der Luftverschmutzung ganz zu schweigen. Vielleicht sollten wir uns alle fragen, ob wir den Jahreswechsel wirklich so dreckig feiern müssen und schon zu Beginn eines neuen Kalenderjahres unsere Umwelt und damit uns selbst so stark belasten wollen?

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand. Charles Darwin

Blog: Zu Fuß um die Welt 2012

4. Jänner - Feliz Año Nuevo

Vor kurzem haben wir nach sechsunddreißig Tagen in Frankreich die Staatsgrenze zu Spanien erreicht.

In der ersten spanischen Stadt Portbou nutzten wir die Gelegenheit Rucksack, Kleidung und uns selbst mehr oder weniger gründlich zu säubern.

  

Der weitere Weg entlang der Steilküste war auch nicht der schlechteste.

 

Dann stiegen wir noch einmal hoch, um die restlichen Ausläufer der Pyrenäen zu überqueren.

Oben freuten wir uns über den lang ersehnten Blick auf Spanien und gönnten den Rücken eine kleine Pause.

11. Jänner - Tagebucheintrag von Tag Nummer 94

...ungewöhnlich früh waren wir heut auf den Beinen. Jogger, Rad- und Mopedfahrer nutzten die Holzbrücke, auf der wir nächtigten zu dessen Hauptzweck und weckten uns. Schlaf- und Rucksäcke waren aufgrund des Nebels teils durchnässt, teils gefroren, doch ein sonnenenreicher Tag sollte bevorstehen. Schnell ging's nach Palamòs. Wir nahmen einige Orangen und Mandarinen zu uns, während wir über die fast menschenleere Promenade schritten. Nach zahlreichen Hotelanlagen und Restaurants kam wieder eine Steilküste. Am äußersten Rand folgten wir dieser entlang einem kleinen Pfad über Felsen, Stiegen, Sandstränden und sogar durch einen kleinen Tunnel.

In Platja d'Aro legten wir die erste Pause ein. Endlich wurde es richtig heiß. Ich beschloss, meine Hose zu kürzen - zum Glück haben wir eine Nagelschere dabei. An meinen Beinen merkte ich, dass wir doch schon einige Tage unterwegs sind. Nach mehreren Straßenkilometern erreichten wir Feliu del Guixols. In der warmen Sonne rasteten wir lange und trockneten die Schlafsäcke. Vor uns waren Boote und Fischer, links ein Rudel wilder Katzen und rechts deutsche Touristen. Die wenigen Touristen schauen uns schräg an - wir passen schlecht ins Ortsbild. Langsam dämmerte es und wir zogen motiviert weiter. Mehr als zwanzig Kilometer auf Serpentinen und Bergstraße lagen vor uns.

Die kurvenreiche Strecke stellte sich trotz Dunkelheit und ständigem auf und ab als wunderschön und angenehm dar. Wir hatten die Straße fast für uns alleine - gerade mal 15 Fahrzeuge kamen vorbei. Die Ruhe, das helle Mondlicht, die steilen Hänge und einsamen Buchten ganz unten am Meer nicht zu vergessen. Kaum auszudenken, wieviel hier zu allen anderen Jahreszeiten los ist. Leider meldeten sich Füsse und Rücken irgendwann. Ein Parkplatz mit Aussichtsplattform bot sich als Schlafplatz an. Hier liegen wir nun am Asphalt, in den Bergen mit dem Rücken zum Meer. Der Himmel ist klar, die Sterne gut sichtbar und die Wellen bis hier rauf hörbar. Ein, zwei Autos kommen noch vorbei, doch die stören nicht. Wir fühlen uns sicher hier - Spanien ist super, gute Nacht...

18. Jänner - Neue Freunde in Barcelona

Die letzte Woche haben wir in Barcelona verbracht. Wir wollten etwas zur Ruhe kommen, doch mussten schnell feststellen, dass uns dies in einer derart lebhaften und aufregenden Stadt nur schwer gelingen wird. Wir wollten soviel wie möglich erkunden und streunten jeden Tag stundenlang und etliche Kilometer durch die Innenstadt. Fast kam es uns vor, als könnten wir nicht mehr anders, als uns täglich ordentlich zu bewegen.

Vor dem wohl bekanntesten Bauwerk des wohl bekanntesten Bauherren der Stadt - die Sagrada Familia on Antoni Gaudi.

Das Frachthafen- und Industriegebiet, für Standardtouristen gut versteckt hinter dem Hausberg Barcelonas gelegen, wollten wir eigentlich viel großräumiger umgehen als wir auf unserem Weiterweg schlussendlich taten. Doch auch diese Gegenden gehören dazu und haben irgendwie ihren Reiz.

Wenn schon die Füsse keine richtige Pause hatten, so konnten wir im Gegenzug unsere Rucksäcke ablegen, mussten uns nicht um Schlafplätze kümmern, hatten ein Dach über dem Kopf und liebevolle Menschen um uns. Boris und Miriam, zwei Studenten aus Wien, die erst vor einem Monat nach Barcelona gezogen sind, haben uns herzlich bei sich aufgenommen. Sie boten uns Unterkunft und Verpflegung für unbegrenzte Zeit an, nachdem sie hier von uns gelesen haben. Die Tage in Barcelona waren dadurch großartig, besonders die Abende, die wir mit Filmschauen, spazieren, tratschen und erzählen verbrachten. Und nicht nur wegen der ganzen Woche in ihrer Wohnung, den schönen Unterhaltungen, guten Filmen und Büchern, die wir wie unsere eigenen benutzen durften, sondern auch wegen der neu gegründeten Freundschaft, sind wir zu großem Dank verplichtet. Wir freuen uns schon auf das nächste Wiedersehen - spätestens irgendwann in Wien oder wieder Barcelona!

Endlich wieder sauber und gut riechende Kleidung - auch die Waschmaschine durften wir ungehindert nutzten. Die Großzügigkeit, die einem macherorts als Reisender entgegengebracht wird ist ein so einzigartiges Geschenke, dass schon sie alleine es Wert ist auf Reisen zu gehen.

An dieser Stelle möchten wir auch gleich von weiteren wunderbaren Schlafplätzen berichten. Dreimal hatten wir bereits das Glück über die Internetseite couchsurfing.com Gastgeber zu finden. In den Städten Cremona, Genua und Avignon konnten wir somit mehrere Nächte drinnen schlafen und interessante Menschen kennenlernen. In Feldkirchen und Gazzuolo durften wir im örtlichen Pfarrsaal nächtigen, zweimal in Österreich bei Bauern und viermal bei Freunden oder Verwandten schlafen. Wir danken hiermit dafür und freuen uns auf weitere so großzügige Menschen zu treffen, die unser Vorhaben unterstützen und Teil unserer Reise werden.

Doch nun zum Unerfreulichem: Es stehen immer noch Atomkraftwerke in der Welt herum, sechs davon in Spanien und davon wiederum eines ganz in unserer Nähe. Von Tarragona aus sind wir nur noch einen Tagesmarsch vom Akw Vandellos entfernt. Die Störfälle im Hochrisikoreaktor II, der schon längst wie Vandellos I aus Sicherheitsgründen vom Netz gehen hätte sollen häuften sich in letzer Zeit, doch im wirtschaftlich schwachen Spanien muss gespart werden. Die Laufzeiten vieler Kraftwerke wurden weiter verlängert und für Wartungsarbeiten bleibt oft kein Geld. Bevölkerung und Umweltorganisationen protestieren - besonders aufsehenerregend war die Aktion von Greenpeace Spanien, die im Februar des letzten Jahres den auf Erdbebengebiet erbauten Reaktoren des AKW Cofrentes bestiegen und besetzten. Spektakuläre Bilder hierzu unter: http://www.greenpeace.org/espana/es/Multimedia/Galeria-de-imagenes/Cofre...

25. Jänner - Vandellos II

 

Vergangenen Donnerstag kamen wir am AKW Vandellos II vorbei. Es liegt im Süden der spanischen Region Katalonien, direkt am Mittelmeer, umgeben von anderen großen Industrieanlagen.

Um das Kraftwerk ohne großen Umweg zu erreichen, mussten wir mehrere Kilometer auf der Schnellstraße und am Weiterweg sogar kurz auf der Autobahn gehen. Wir ahnten schon, dass es früher oder später dazu kommen würde.

In einer der nächsten Städte endeckten wir dann dieses Bild. Als ich es fotografierte war zufällig gerade der Schöpfer zugegen, der sich auch gleich stolz als solcher zu erkennen gab. Mit „No Cementiri Nuclear “ will er sich gegen ein hier geplantes Atomendlager aussprechen. Nicht weit von der Stadt Amposta liegen die Kraftwerke Vandellos, Asco und Cofrentes aber auch der Naturpark Delta de L'Ebre. Kaum jemand will ein Endlager für radioaktiven Müll in seiner Nähe, die wenigsten wollen Atomkraftwerke aber schon gar niemand will auf Strom verzichten, oder?

1. Februar - Vitamin C

An den endlos scheinenden, weitläufigen Orangenplantagen erkennt man deutlich, dass Spanien, neben vielen anderen Agrarprodukten auch Hauptanbauland von Zitrusfrüchten ist. Wie mancherorts jede noch so kleine Fläche voller Weinreben sind, stehen hier in der Region Valencia überall Orangen-, Zitronen- oder Mandarienbäume und liegen überall dessen Früchte herum. Der größte Teil wird unter Verwendung von bis zu fünfundzwanzig Spritzmittel angbebaut und nur ganz geringe Mengen werden ökologisch produziert. Interessant ist aber, dass etwa fünfundneunzig Prozent der Pestizidbelastung, zumindest bei Orangen erst nach der Ernte zustande kommen, da die Früchte vor dem Transport nachbehandelt werden, um nicht allzu schnell zu faulen. Gut für uns also, wenn wir direkt vor Ort verzehren können - vor allem angesichts einer täglichen Menge von mindesten zwei Kilo. Weniger gut aber für alle Supermarktkonsumenten und unsere Umwelt, insbesondere Süßwasser-Lebensräume. Quelle: http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/101220_orangenanbau_per/index

 

Viele Plantagenfrüchte liegen am Boden, andere werden nicht geerntet - es gibt aber auch genügend wild gewachsene Bäume.

Auch in Mitten der meisten spanischen Städte sind Orangenbäume gepflanzt. Allerdings nur als Zierde, denn die Früchte schmecken nicht, wie wir herausgefunden haben.

Die Schalen werden von Marvin auch gerne verwendet um den Geruch seiner Schuhe annehmlicher zu machen.

8. Februar - Ganz schön viel los

Ausergewoehnlich ereignisreiche Tage liegen hinter uns. Nachdem es uns schon länger von der Küste mit ihren monotonen Hotelstädten wegzog, haben wir nun einen kleinen Abstecher ins Landesinnere, über die Berge unternommen und so viel Neues erleben dürfen. Nach einem Aufenthalt in Valencia ging es auf einem erstaunlich gut markierten Pilgerweg durch noch weitläufigere Orangenplanatagen mit noch größeren und köstlicheren Früchten als bisher weiter. Auch Kaki- und Mandelplantagen bekamen wir erstmals zu Gesicht. Angekommen in der ersten größeren Stadt am Fuße der Betischen Kordillere, geschah dann das Unglück.

Da wir schon seit Tarragona keine genaue Karte mehr haben und auch in Valencia keine zufriedenstellende finden konnten, beschlossen wir, uns auf die Navigation unseres Handys zu verlassen. Damit, so dachten wir, kämen wir schon sicher durch die Berge. Auch bedacht haben wir im Vorhinein, viel öfters nach einer Steckdose suchen und Strom laden zu müssen, was wir in der besagten Stadt auch taten. Unter wachsamen Augen luden wir das Gerät dann am Bahnhof Xativa, doch mussten bald einsehen, dass das Versteck unter einer Haube doch nicht gut genug und unsere Aufmerksamkeit zu lückenhaft war. So kam es, dass wir um ein elektronisches Gepäckstueck ärmer sind und ein langarmiger Spanier, trotz zweimailiger Überfuehrung, um ein Mobiltelefon reicher ist. Wir hoffen wohl, dass er es wirklich dringender braucht, als wir, die wir dann doch Schildern folgend, der Hauptstrasse nach weiterziehen mussten.

Eine nächste unerefreuliche Geschichte handelt von unserem bisher so treuen Zelt, dass die andauernd hohen Anforderungen wortwörtlich nicht mehr standhalten konnte. Ausgerechnet in der kältesten und windigsten Nacht auf höchster Höhe brach das schon etwas in Mitleidenschaft gezogene Zeltgestänge endgültig und verwandelte unsere sonst so stabile Behausung sogleich in eine Höhle. Der eisige Wind konnte so fast ungehindert bis zur Haut durch den Schlafsack peitschen. Das Resultat waren zwei müde und unausgeruhte Körper sowie grantige und unmotivierte Köpfe. Eine wohltuende Pause in Alcoy, einer schönen, hügeligen Bergstadt war leider auch nicht möglich, mussten wir doch schnell aus den Bergen, um angenehmere Nächte mit wärmeren Temperaturen zu erleben.

Als Draufgabe stiegen wir dann spät abends so hoch, dass wir doch noch auf das kalte Weiß stießen und kamen am nächsten Tag beim Abstieg sogar in den Genuss eines Schneesturmes. Während sich dieser mit sinkenden Höhenmeter langsam zu stöemenden Regen wandelte, bereiteten wir uns gedanklich schon auf die schwierige Schlafplatzsuche im Tal vor. Einige Stunden weiter saßen wir dann im realativ warmen Foyer einer Bank, in dem es sich perfekt schlafen liese, doch erwartetete uns dort schon der erste pflichtbewussten Beamte, der uns rücksichtslos wieder raus in die Kälte schickte. Glücklicher waren wir dann, an diesem verregneten Sonntagabend, auf ein unglaublich bemuütens Mitglied der Policia Local zu treffen, der seinerseits über die Abwechslung froh war. Der engagierte Junge Mann brachte uns erst zu einem Hotel, versuchte vergebens einen günstigen Preis für uns auszuhandeln, fragte meherer Freunde um Hilfe und stellte uns schliesslich die Garage der örtlichen Polizeistation als Schlafplatz zur Verfügung.

So haben wir eine weitere Seite Spaniens kennengelernt, sind durch den Diebstahl einen Schritt weiter zum Wesentlichen gekommen und vor allem wieder stärker mit den Leuten hier in Kontakt getreten. Die Wärme im Flachland wissen wir erneut zu schätzen und finden diese ganz und garnicht fad und auch die Polizei zählt nach meherern grundlosen, misstrauischen Kontrollen wieder zu unseren besten Freunden.

15. Februar

Seit Tagen sind im Landschaftsbild von oben überall weiße Flecken auszumachen, dabei soll das nur der Anfang sein und das flächendeckende “Mar del Plastico” noch kommen.

Die Pausen verbringen wir an den Wänden und die Nächte sogar innerhalb der Plastikzelte, wenn wir schon kein eigenes funktionales Zelt mehr haben. Immerhin konnten wir es auch schon lange Zeit vor der Reise intensiv nutzen und sehen kein großes Problem darin, Ersatzteile aufzutreiben. Wenn nicht gerade ein leerstehendes Treibhaus am Weg liegt, schlafen wir, wie ohnehin bevorzugt, unter freien Himmel. Die Nächte hier in Küstennaehe sind auch deutlich milder und windstiller als in den Bergen. Dafür scheint es hier wieder mehr Müllers, Schneiders oder Neumanns sowie Jones oder Smith als spanische Einwohner zu geben. Ihre gigantischen Hotelanlagen, ja sogar Privatstädte verperren uns nicht selten den direkten Weg durchs Land und verschaffen uns ärgerliche, weil teils beträchtliche Umwege.

 

 

Auf die vergangene abenteuerliche und abwechslungsreiche Zeit im Landesinneren werden wir noch lange mit Freude zurückblicken, sind es doch gerade diese Zufälle und Erlebnisse um die es uns beim Reisen geht, die das Leben berreichern und vom sicheren und bequemen, aber doch ereignislosen, faden Daheimsein unterscheiden.

Ebenso riesige Ausmasse nehmen hier wieder grossflaechige Plantagenanlagen an, von dessen Zaun aus, nach hinten oft kein Ende mehr zu sehen ist.

Orangen und Mandarinen gehören an den warmen, sonnigen Tagen immer noch zu unseren Hauptmahltzeiten. Wir sind selbst erstaunt, wie der Körper mit nur Wenigem trozt andauernder Bewegung auskommen kann und wie fein unser Gespür für die richtige und gerade notwendige Nahrungsmittelaufnahme wurde. Waren ja auch wir bisher, durch Erziehung und Schulbildung vom Glauben an eine veraltete und allgemein gültige Ernährungslehre geblendet.

Apropos - ist es nicht verwunderlich wie stark unser Vertrauen in Werbung, Pharmaindustrie, Vertreter der Wissenschaft oder Ärtze ist, welche selbst oft in kranken Körpern stecken und uns etwas über Gesundheit oder richtige Ernaehrung erzählen wollen, wenn wir doch selbst unsere besten Heiler sind sowie einzig und allein spüren was in uns, in Bezug auf Ernährung wirklich vorgeht? Leider sind sich so viele von uns dieser Fähigkeiten nicht mehr bewusst. Sich bloß der Mehrheitsmeinung anzuschliessen und Traditionen nachzuleben ist allerdings ein Irrweg, wie wir meinen, denn schliesslich kommt der Großteil der Menschen auch kein Leben lang mehr ohne regelmäßiger Medikation aus.

Natürlich gibt es, wie schon so oft betont, einige Fakten über den menschlichen Körper, dessen Stoffwechsel und über artgerechte Ernährung, doch nur wir selbst können herausfinden, wie unser Körper wirklich tickt, was er wie, wann und wozu braucht, denn wir alle sind einzigartig und verschieden. Viele brauchen viel, andere weniger, die einen brauchen Fleisch, die anderen vertragen Milch und nicht alle wiederum können ganz unbekümmert konsumieren oder den Verzehr bestimmter Lebensmittel mit ihrem Gewissen vereinbaren, um auch dieses Thema wieder einmal anzurühren.

Zwar sehen wir hier in Spanien, dass auch die Erzeugung pflanzlicher Nahrung alles andere als unbedenklich ist, doch sind die noch viel dramatischeren Zustände in der Fleisch-, Ei- oder Milchproduktion auch schon lange kein Geheimnis mehr. Oder anders ausgedrückt: Wenn es schon beim Anbau von Tomaten, Gurken oder Salat so krass zugeht, wie muss es dann erst um die Massenproduktion tierischer Erzeugnisse stehen? Wir können es erahnen, doch dessen Anlagen meist irgendwo gut versteckt im Hinterland, fern von jeglichen Konsumenten, im Unterschied zu Obstplantagen, Gemüse- und Getreidefelder befinden. Es stellt sich also die Frage, ob die Situation vielleicht eine andere wäre, würden wir alle Zuchtstätten, Batterien oder Schlachthöfe dieser Erde in die Stadtzentren, neben Supermärkte und Einkaufszentren verfrachten?

Und um die oft gestellte Frage nach Schwierigkeiten einer vegane Kost noch deutlicher zu beantworten, möchten wir darauf hinweisen, dass wir es vor allem auf Reisen viel komplizierter finden, gesunde und unbedenkliche tierische Nahrung zu erhalten. Wieder ist aber zu beachten, dass die passende Ernährung stark vom jeweiligen Menschen abhängt und von einem zum anderem variiert. Hierbei Ratschläge zu geben würde stark gegen das oben geschriebene widersprechen, denn ums selbst ausprobieren, experimentieren, spüren und lernen führt kaum ein Weg herum. Will man weiterhin aber den Standard behalten und in Restaurants konsumieren, stößt man in bestimmten Ländern selbstverständlich auf Einschränkungen , da wir Menschen es grundsätzlich bevorzugen nach Guster und Gewohnheiten, anstatt nach körperlichem Wohlbefinden zu essen. Eine Umstellung auf pflanzliche Kost geht allerdings auch oft mit einem generellen Lebenswandel einher, wonach häufige Aufenthalte in Wirtshäusern und Restaurants wahrscheinlich stark an Attraktion verlieren werden.

28. Februar -  Auf der Suche nach Sachen

Ein paar Tage in der Stadt Almeria liegen hinter uns. Zwei sympathische Leute, die wir auf der Straße trafen, haben uns zu sich in ihre “cave” eingeladen. Dass damit wirklich eine Höhle gemeint war und der Belgier mit seiner englischen Frau und ihrem kleinen Hund tatsächlich darin wohnen, erfreute uns außerordentlich. Sue und Danny sind seit einigen Jahren in Spanien, haben weder Papiere noch Arbeit oder Geld, doch wissen sich sehr gut zu helfen. Wohnen kostet nichts, Essen und alles weiter Lebensnotwendige finden sie auf der Straße, denn auch in Spanien wird fleißig weggeworfen und verschwendet.

 

 

Blick von oben, Eingang in eine der Hoehlen und der Vorplatz, den wir zur Verfügung hatten, Feuerstelle, Essbereich und Küche. Eigentlich braucht das Ganze gar keine Bezeichnungen, weil man ohnenehin überall machen kann, was man will – totale Freiheit eben.

Alles hier stammt aus dem Müll, wurde mühsam zusammengesammelt und rauf, etwas außerhalb des Zentrums auf einen Hügel gebracht. Nicht weit davon wird täglich Altholz, wie Möbel oder Baumaterial abgelagert, wovon wir gleich am ersten Tag einiges zum Verheizen und Kochen mitnahmen. Auch Quellwasser, das sie ebeneso gratis zu bekommen wissen, muss jeden Tag literweise zur “cave” geschleppt werden. Ihre Kleidung waschen sie aber nicht, denn in den Mülltonnen dieser Stadt ist auch reichlich davon zu finden, sodass sie oft genug wechseln und die gebrauchte anderwertig verwenden können. Dinge, die die Sachensucher selbst nicht brauchen, werden repariert, umgestaltet und für etwas Geld wieder verkauft. Auch wöchentliche Flötenstunden und “english lessons” bringen etwas Gelg rein. “Busca la vida” nennt das Paar ihren Lebensstil, bei dem sie alles mögliche aus dem Müll fischen und wiederverwerten.

Schön war auch anzusehen, wie sich diese Menschen, es leben noch weitere Gleichgesinnte hier, aus den Gittern gesellschaftlicher Regeln befreiten und wie selbstverständlich sie nach eigenen Gesetzen leben. Aber nicht, dass sie dabei söeren oder jemanden zur Last Fallen. Sie leben außerhalb der bürgerlichen Welt, harmonieren aber bestens mit dessen Mitgliedern, werden akzeptiert und haben haufenweise Bekannte und Freunde in der Stadt.Weit über vierzig Jahre haben die zwei Wahlspanier schon auf dem Buckel, doch scheinen sie trotz dem harten Leben glücklich und zufrieden zu sein. Auch wir fühlten uns sehr wohl bei den Leuten, vertragen sich Ansätze dieses einfachen, improvisierten Lebens in der Natur, so schonend und verträglich es ist, ja auch prächtig mit einigen unserer Vorstellungen und Prinzipien. Die Pause war ausserdem eine Wohltat für unsere Füße, brachte uns noch mehr Motivation und auch ein klein wenig Sauberkeit.

Erst Wäsche waschen, dann trocknen, selbst ins kalte Nass springen und wieder in die Kleidung schlüpfen. Wie intensiv sind doch die Freuden eines einfachen Lebens.

12. März - Little Britain

Mit jeder Stunde und jedem Kilometer kam der große Felsen etwas näher und war dann plötzlich ganz nah vor uns. Dahinter sahen wir bereits die Lichter afrikanischer Städte und konnten es kaum fassen, als wir am nächsten Morgen nach 157 Tagen unser erstes grosses Ziel erreichen. Am Europa Point, dem äußersten Spitz von Gibraltar versuchten wir zu realisieren, dass wir tatsächlich zu Fuss von Wien bis ans südliche Ende des Kontinents gekommen sind.

  

Auch die Begegnung mit den Affen am Upper Rock und den Blick auf die Bucht wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Nacht verbrachten wir in einem alten Haeuschen an der Kueste ganz nah am Meer mit Blick auf Afrika. Der heftige Wind, die rauschende Wellen, zahlreiche Frachtschiffe und der Vollmond feierten ein Fest mit uns.

Ganz konnten wir uns aber noch immer nicht von Europa trennen - im Moment befinden wir uns nach fast exakt 4000 Kilometer in der Hafenstadt Algeciras und überlegen, wie die Reise weitergehen soll. Doch um ehrlich zu sein haben wir schon recht genaue Pläne und freuen uns unglaublich auf den Weiterweg!

29. März - Übersee

Unzählige Frachten warteten in der Bucht von Algeciras vor dem Hafen auf Ladung oder Entladung, während wir auf ein Schiff warteten, dass uns übers Meer bringt. 

Glücklicherweise konnten wir der Küste entlang in die Hafenstadt gehen und ersparten uns so den Umweg über Autobahnen. Die Strecke durch die Raffenerie, vorbei am Elektrizitätswerk und auf einer Brücke, die nur für Rohre gebaut ist, war aber auch nicht gerade angenehm. Irgendwo, in der Nähe großer Städte muss man eben immer mit weitläufigen Industriegebieten rechnen - so auch hier zwischen Gibraltar, La Linea und Algeciras.

 

Direkt vor den Industrie-Anlagen befinden sich Badestrände. Zwischen den Abwasserrohren wird gebadet - schlechte Luft umgibt die Sonnenanbeter. Auch zum Fischen finden sich hier so einige.

Nach über 160 Tagen in Europa konnten wir tatsächlich an Board eines Schiffes gehen, obwohl uns die Fähre für 20 Euro nicht über den Atlantik sondern vorerst nur über die etwa fünfzehn Kilometer breite Meersenge brachte, die die beiden Kontinente voneinander trennen. So haben uns Neugierde auf eine andere Welt und die Nähe zu dieser, entgegen anfänglicher Planungen, nicht nach Amerika, sondern doch nach Afrika verschlagen, wo wir nun schon wieder seit einigen Tagen am Wandern sind - und zwar ordentlich, denn Marokko ist wie geschaffen und auch heut noch perfekt dafür.

Die Vielzahl der Menschen hier besitzen weder Auto noch andere motorisierte Fahrzeuge. Dementsprechend viele Fußgänger sind hier unterwegs, dementsprechend viel Platz befindet sich neben den Straßen und umso mehr ausgetretene Wege und Pfade gibt es. Das Land ist großartig für uns, obwohl es, um ganz ehrlich zu sein auch einiges gibt, woran wir uns noch gewöhnen mussten - zum Beispiel an den vielen Müll.

 

 

In Europa haben wir uns schon über schlechteMüllentsorgung gewundert, doch hier müssen wir feststellen, dass es diese vielerorts einfach nicht gibt. Nahezu übrall flattern kleine bunte Plastiksackerl herum und Mülltonnen sind oft kilometerweit unauffindbar. Wenige sind voll und werden vermutlich auch irgendwann in den nächsten Strassengraben oder Bach entleert. In Städten konnten wir auch oft beobachten, wie der anfallende Müll in großen Säcken einfach über die nächste Mauer geschwungen wird. Dass "weg aber nicht gleich weg ist" muss man leider übrall im Lande, ob Stadt, Feld, Wald, Strand, Luft oder Straße erkennen.

Um wieder zu den Vorzügen eines bescheidenen Landes, wie Marokko zu kommen: Obst und Gemüse schmeckt hier fast ausnahmslos besser und intensiver als in andere Ländern durch die wir bisher reisten. Zwar können Orangen oder Tomaten, die nicht für den Export bestimmt sind in Aussehen nie und nimmer mit den Schmuckstücken in unseren Läden mithalten, doch macht vermutlich gerade diese Naturbelassenheit den vortrefflichen Geschmack aus. Auch wird hauptsächlich lokales, marokkanisches Obst und Gemüse angeboten, was aber keineswegs eine mindere Auswahl bedeutet, denn im Land gedeihen von Äpfel bis Bananen, Datteln oder Avocados auch sonst alle Früchte, die unsere Herzen begehren.

Der Esel gilt hierzulande noch als wichtiger landwirtschaftlicher Helfer und wird recht fleißig für den Transport eingesetzt – von kiloweisse Gras für die Kühe, Milch oder Wasser bis zu ganz schön wuchtigen Fraün kann das Tier alles tragen.

Auf den Märkten der Städte duftet es ausserdem überall nach Minze, Kamille oder orientalischen Gewürzen und auch von Autoreifen bis Truthähnen ist alles auf den so genannten "Souks" zu finden, denn Supermärkte oder andere große Konzerne gibt es kaum. Es ist also auch kein Wunder, dass ein großer Teil der Bevölkerung bäuerlicher Beschäftigung nachgeht, und damit autark und unabhängig Leben kann. Zwar gelten die meisten für europäische Verhältnisse sicher als arm und mittellos, doch treffen wir kaum unglückliche Menschen unter den so religiösen Bauern. Auf die Frage nach dem vielen Plastikmüll haben wir bisher noch keine vernünftige Erklärung bekommen, doch wissen wir, dass viele nicht mit der Situation zufrieden sind. Es ist zu befürchten, dass Regierung und Volk wohl mit anderen, noch schwerwiegenderen Problemen beschäftigt sind.

11. April 2012 - Bon Voyage 

Schluss mit Arabisch, Schluss mit Französisch, es wird wieder Spanisch gesprochen. Über drei Wochen dauerte unser Abstecher nach Afrika und klar hat es sich gelohnt. Mehr noch, es war bestimmt die aufregenste Zeit der Reise, denn so locker und lässig wie an Europas Küsten kamen wir natürlich nicht voran. Das Wetter in den letzten Wochen war zudem ziemlich unbeständig, doch wissen wir, dass es uns hier schon sehr bald zu heiß sein wird. So verliesen wir den Boden Marokkos und haben nach langen, langen zögern nun doch ja zum Fliegen ja zur Bequemlichkeit und zur Sparsamkeit gesagt. Mit schlechten Gewissen aber doch gespannt, neugierig und dankbar sind wir nicht nur über den Atlantik geflogen, sondern haben auch gleich den Äquator überquert.

Somit lassen wir den Sommer völlig aus und genießen weiterhin angenehm, milde Temperaturen auf der Südhalbkugel, wo gerade wieder mal der Herbst Einzug hält. Genauer befinden wir uns derzeit in Buenos Aires, in einem der größten Ballungszentren des Kontinents. Obwohl wir doch Stille und Ruhe suchen, sind wir nach Europa und Marokko also auch in Argentinien von massenweise Menschen umgeben. Doch wollen wir nicht motzen - der Flug war mehr als angenehm und auch eine moderne Stadt wie diese tut uns in gewisser Weise wieder mal gut. Es gibt hier alles was wir brauchen für den Trip durchs dünne Hinterland, wo es mit Ausruestung und Essen wohl viel knapper aussehen wird.

 

Die südamerikanische Stadt unterscheidet sich gar nicht so sehr von europäischen und auch der Lebenstandart gleicht teilweise dem unseren. Oft wird Buenos Aires mit Paris, Madird oder Barcelona verglichen und wahrlich erkennen auch wir die Ähnlichkeit in den paar Vierteln in denen wir uns aufhielten.

Wo sich weit über zehn Millionen Mensche ihren Lebensraum teilen, kommt es selbstverständlich aber auch zu gewissen sozialen und besonders ökologischen Schwierigkeiten. Zum ersten ist die Luft aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens gar nicht so “buenos” wie dem Namen nach anzunehmen ist. Smog ist zwar nicht wirklich sichtbar aber zwischen den aufgetürmten Gebäuden überall deutlich zu riechen und wohl auch zu spüren. Wie in nahezu allen Megastädten stellt ebenso der anfallende Müll ein großes Problem dar. Wir produzieren einfach zu viel davon und wissen ihn gleichzeitig nicht ordendlich abzutransportieren, zu entsorgen oder zu verwerten. Hier versucht man die Aufgabe dadurch zu lösen, weit ausserhalb der Innenstadt, Berge aus ungetrennten Müll, sogenannte "Relleno Sanitarios” anzulegen und unter Beton zu verstecken. Dass die Massnahme weniger Lösung als Aufschiebung des Problems bedeuten, muss man aber spätestens dann zugeben, wenn sich diverse Gifte verflüssigen, in das Trinkwasser eintreten und sich als Krankheiten in menschlichen Körpern wieder bemerkbar machen.  

Noch dramatischer steht es aber um die Wasserqualität der Flüsse in und rund um die Stadt. So gilt der "Riochueo" im Süden zum Beispiel als einer der kontaminiertesten der Welt. Über achthundert Fabriken sind an dessen Ufern angesiedelt und auch mehr als 3000 Menschen leben direkt am verseuchten Wasser, wie uns ein Porteño bestätigte. Auch der Rio del Plata, die größte Trinkwasserquelle Buenos Aires, ist vor allem durch Abwässer derart verschmutzt, dass darin zu baden aus Gesundheitsgründen spätestens seit 1980 nicht mehr möglich ist, als es damals zu mehreren Todesfällen kam. Als Vergleich dazu ist es in Uruguay, am anderen Ufer des Flusses, noch problemlos möglich ins Wasser zu gehen.

Ja, und dorthin haben wir uns auch auf Weg gemacht und somit die Reise in Lateinamerika fortgesetzt. Durch Uruguay und Argentinien streben wir gen Nordosten zu wandern um irgendwann nach Pampa, Pampa und Pampa villeicht auch Anden, Wüste und den pazifischen Ozean zu erreichen. Also dann, auf gehts!

Juni 2012 - Fluch oder Segen

 

Nach fast zwei Monaten liegen an die eineinhalbtausend Kilometer südamerikanisches Flachland hinter uns. Drehen wir uns um, sehen wir nichts als Pampa, doch richten wir den Blick gen Westen, erkennen wir die Silhuette einer mächtigen Gebirgswand vor uns und wissen: Wir haben die Anden erreicht! In Kürze werden wir die lang ersehnte Strecke durch die Berge beginnen, nicht aber ohne einen Rückblick auf die letzte Zeit zu geben.

Im Allgemeinen ging es uns ausgezeichnet in der Ebene. Vor allem körperlich empfinden wir die Strecke im Nachhinein als angenehm. Allerdings vergessen wir immer wieder schnell die Strapazen und behalten uns eher die guten Gefühle in Erinnerung.Durch die schnurgeraden Strecken und die fehlenden Steigungen ging es flott voran - wir konnten die Länge unserer durchschnittlichen Tagesetappen sogar steigern. Stets krochen wir mit Sonnenaufgang aus dem Zelt und legten uns zwischen sieben oder acht wieder rein. Dazwischen gab es ein bis zwei Pausen, mit Obst, Gemüse und auch Getreide. Es ist im dünn besiedelten Land besser verfügbar, leichter zu tragen und wohl auch ausgiebiger, wie man weiß. Einzig Wasser war oft in größeren Mengen zu schleppen und schwer in guter Qualität anzufinden. Nicht selten bekamen wir im einen Dorf köstliches Trinkwasser und schon im nächsten Ort nichts außer Regenwasser aus der Tonne.

 

Beeindruckt haben uns vor allem die Gelassenheit der Menschen, die Neugierde der Kinder und die Vielzahl der Hunde. In jedem Ort wurden wir erst von einem wilden, lauten Hunderudel begrüßt und sahen uns bei längeren Aufenthalten auch bald von einer Gruppe lebhafter Kinder umgeben. Die Erwachsenen hingegen scheinen erst gegen Abend richtig zum Leben zu erwachen und sich vorher nur mit Mate munter zu halten, den sie in Thermosflaschen auch rund um die Uhr bei sich tragen.

Schwieriger sah es im Kopf aus, denn gerade die schwache physische Anstrengung forderten den Geist mit der Zeit umso mehr. Schnell hatten wir uns am Bild der ewigen Weite sattgesehen, schnell uns an Land und Leute gewöhnt und genug vom milden Wetter gehabt. Bücher waren bald ausgelesen und weder an Gesprächs- noch an Denkstoff kam wirklich viel Neues dazu. Was wir elebten war nicht sehr abwechslungsreich, weder besonders spannend, doch war es ja gerade die Einsamkeit, Ruhe und Monotonie, die wir hier suchten und auch fanden. Es war neu für uns und deshalb doch wieder interessant - so viel Wildniss und Menschenleere gibt es nicht, wo wir aufgewachsen sind. Mühsam war es trotzdem Tag für Tag die Motivation zu behalten, immer neuen Ansporn zu finden, nichts außer Felder im Blick zu haben und zu wissen, dass es noch ewig so weiter gehen kann. Somit war es insgesamt doch eine große Herausforderung - wir sind glücklich ein weiteres Etappenziel erreicht zu haben, freuen uns aber zugleich schon wieder riesig auf die vor uns liegende Strecke. Ein weitaus abwechslungsreicheres und aufregenderes Landschaftsbild erwartet uns wohl in den Bergen. Dafür dürfen wir uns jetzt schon darauf einstellen, dass uns Oberschenkel, Wadel und Rücken durchgehend brennen werden. So werden wir uns, während wir täglich neue Bilder einsaugen werden, immer gerne an die ruhige Zeit ohne körperliche Strapazen erinnern.

Schlafen war in einem Land das eine Bevölkerungsdichte von 14,4 Einwohner pro km² aufweisst bisher auch kein Problem. Zudem haben wir neue Stangen für unser Zelt erhalten, ohne dem uns die Moskitos wohl auch nächtens zerstochen hätten.

Vom Bild grossflächiger Felder fasziniert, begannen wir uns auch tiefer damit zu beschäftigen wie und was so um uns angebaut wird. Wir wunderten uns etwas, dass auf dem argentinischen Ackerland hauptsächlich Sojabohnen kultiviert werden, viel mehr aber, dass ganze 98 Prozent davon genmanipuliert sind. Das gesamte Saatgut dessen DNA labortechnisch so verändert wurde, dass die Pflanze ein bestimmtes Herbizid toleriert stammt, ebenso wie das Pflanzengift selbst vom US-Konzern Monsanto.

Mit Round Up bleibt nichts am Leben, ausser der “Round Up Ready” Sojapflanze und so genannter Superunkräuter, die mit der Zeit eine Resistenz gegen das Gift entwickelten und nun eines der größten Probleme fuer die Landwirte darstellen.

Mit der neuartigen Technologie, die erstmals im Jahre 1996 in Argentinien Verwendung fand, versprach der Hersteller höhere Erträge, weniger Arbeitsaufwand, billigere Gerätschaften und weniger notwendiges Fachwissen. Ebenso soll der Einsatz von Round Up eine verantwortungsbewusste Anbaumethode darstellen sowie vertraeglich für Umwelt, Mensch und Tier sein, weil das Mittel schnell abbaubar sei und selten gespritzt werden muesse. Dass diese Behauptungen keineswegs der Wahrheit entsprechen und Gentechnik, gegenteilig mehr Fluch als Segen fuer das Land bedeutet wird mit erschreckender Deutlichkeit immer ersichtlicher:

Zum ersten wirkt Glyphosat, der Hauptbestandteil von Round Up stark toxisch auf Gesundheit und Umwelt. Es ist entgegen Versprechungen alles andere als gut verträglich, da der Wirkstoff eine Halbwertszeit von bis zu 215 Tagen hat und selbst als Abbauprodukt noch giftig ist. Zudem fordern Soja-Monokulturen die nur auf ein Spritzmittel ausgerichtet sind mittlerweile einen weitaus häufigeren Einsatz als vermutet, da viele Unkräuter mit der Zeit eine Resistenz gegen Glyphosat entwickelten. Dies führt zu einem Teufelskreis - denn wo selbst hohe Mengen an Round Up mehr ausreichen, müssen weitere, immer giftigere Mittel herhalten. So kam es über einen Zeitraum von 13 Jahren zu einer Erhöung des Pestiziteinsatzes um insgesamt 159.2 Millionen Kilogramm, verglichen mit der Menge, die ohne GV-Pflanzen eingesetzt worden wären. 200 Millionen Liter Glyphosat brauchte man im Jahre 2009 um auf 19 Millionen Hektar, 50 Milionen Tonnen Sojabohnen zu erzeugen.

Wissenschaftliche Studien zufolge kann das Gift das Erbgut sowie Embryo– und Plazentazellen schädigen – und zwar bei Werten, die deutlich unter den fuer landwirtschaftlichen Einsatz empfohlenen Grenzwerten und den entsprechenden Restkonzentrationen in Nahrungs- und Futtermittel liegen. Bei Tierversuchen mit Ratten, Froeschen und Huehnern verursachte Round Up Fehlbildungen, die mit jenen von Kindern vergleichbar sind, deren Eltern derartigen Herbiziden ausgesetzt waren. Des weiteren wird im gesamten Bundesstaat "Chaco" von einer Vervierfachung der Rate an Geburtsfehlern berichtet. Die Stadt "La Leonesa", deren Felder stark mit Glyphosat besprueht werden weisst auserdem eine Kinderkrebsrate auf die 2009 dreimal so hoch war wie noch vor neun Jahren. Soviel, aber noch lange nicht alles zum Thema Round Up und Unbedenklichkeit.

50 Millionen Tonnen dieser Sojabohnen werden jaehrlich in Argentinien produziert mit dem einzigen Zweck nach Europa und Asien exportiert zu werden um der Fleischindustrie als Tierfutter zu dienen. Abgesehen davon, dass Sojaschrot, (schon gar nicht genmanipulierter) nicht zur artgerechten Nahrung von Rinder, Schweinen und Huehner gehoeren, geht das Ausmass der Umweltschaeden und Ressourcenverschwendung ins Unermessliche.

Persönlich hat uns am meisten das enorme Ausmaß und die gewaltige Expansion des GV-Sojaanbaus schockiert. Verglichen mit der konventionellen Sojabohnenproduktion, erleichtert und beschleunigt Gentechnik die Ausweitung der Fläche, weil sie einen höchst einheitlichen, maschinellen Anbauprozess ermöglicht. Der intensive Sojaanbau hält somit nicht nur in der Pampa, sondern auch in Gebieten mit reicherer Biodiversitaet Einzug. Um Soja für den Export zu pflanzen wurden bereits Millionen Hektar Wald, der Lebensraum unzähliger Tiere, darunter Jaguare, Pumas, Affen und über fünfzig Prozent aller heimischen Vogelarten zerstört. Mehr als die Haelfte der Obstplantagen ist dem Soja zum Opfer gefallen, Reis und Gemüse wird kaum noch angebaut, Baumwolle wird aus Brasilien, Mais aus Paraguay und Milch aus Uruguay importiert. Insgesamt wurde in den vergangenen fünf Jahren eine Anbauflaeche von rund 4.6 Millionen Hektar verdrängt, die bisher fuer andere Produktionssysteme genutzt wurden. Die Verringerung der Nahrungsmittelerzeugung führte seit Beginn der starken Ausbreitung kontinuierlich zu mehr Arbeitslosigkeit und Hungersnöten sowie einem Anstieg jener Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze lebt und der der Zugang zu Grundnahrungsmitteln fehlt.

Erwähnt sei auch noch, dass nur die offensichtlichsten Risiken von GV-RR-Soja mit dem Glyphosat-Herbizid zusammenhaengen, das gemeinsam mit der Nutzpfanze verwendet wird. Es sind jedoch weitere Risiken zu berücksichtgen, nämlich jene, die durch gentechnische Veränderung mit artfremden Genen entstehen. Die transgene Manipulation durch die Agrotechnkonzerne ist ein Prozess der so in der Natur niemals vorkommen wuerde. Schon alleine aus diesem Grund ist anzunehmen, dass unvorhersehbare Probleme entstehen koennen. Der Bestand an Sicherheitsdaten ist jedoch gering und muesste, gemessen an der Zeitdauer seit der Einfuehrung gentechnisch veraenderten Nutzpflanzen, umfassender sein. Dem ist nicht so, weil Unternehmen haeufig Forschungen beschraenken, indem sie den Zugriff auf Saatgut untersagen oder sich ihr Recht vorbehalten Genehmigungen zur Veroeffentlichung von Studien zu verweigern. Weiters versucht die Industrie den Landwirten, die von GV-Saatgut abruecken wollen, die Verfuegbarkeit von Nicht-GV-Saatgut zu erschweren. So scheint es vielerorts einfach keinen Aus- oder Rueckweg mehr zu geben, was Anlass fuer gentechnikfreie Laender bietet sich gar nicht erst mit diesem umstrittenen Landwitschaftsmodell einzulassen. Leider ist Argentinien laengst nicht das einzige Land am Kontinent, das von gentechnischer Landwirtschaft dominiert und geschaedigt wird, respektive wo Monsanto sein Unwesen treibt. Auch ist es nicht nur die Sojapflanze, deren DNA veraendert und die grossflaechig angebaut wird – oben genannte Agraprodukte wie Mais, Baumwolle oder Raps aus Brasilien, Paraguay oder Uruguay sind größtenteils ebenso transgene Pflanzen. Den Behauptungen Genmanipulation sei unbedenklich, darf weltweit kein Glauben mehr geschenkt werden, da die meisten Beweise dafür von der Industrie selbst stammen. Zahlreiche unabhaengige Studien entsprechen da schon eher der Wahrheit, da sich dessen Ergebnisse mit Tatsachenberichten decken.

Wir müssen weiterhin stark bleiben, persönliche Intereessen vor jenen gieriger, gobaler Multiunternehmen stellen und jegliche Form von transgenetischer Veränderung von Tieren und Pflanzen, uns selbst zuliebe ablehnen. Schließlich hängt nicht die Natur von uns Menschen ab – wir Leben ja von ihr. Jeder Schaden den wir ihr anrichten, trifft uns am stärksten und Gentechnik gehört garantiert dazu. Heute ist es noch Amerika, morgen vielleicht schon die ganze Welt, denn nur weil wir nicht mehr fähig sind die Verbindung alles Lebens auf Erden zu erkennen, heisst noch lange nicht, dass es diese nicht gibt. In einem Leben, dass wie unseres zur Zeit, ausschliesslich draußen stattfindet, gewinnt ein solches Bewusstsein wieder an Bedeutung. Ein kurzer aber bewusster Wald Spaziergang kann allerdings schon ausreichen, sich der Natur wieder ein Stueck näher zu fühlen. Also, genug geschrieben, los jetzt, ab in den Wald oder ein Monat durch die Anden, in unserem Fall!

Sämtliche Informationen stammen von den beiden nachstehenden Studien, der Rubrik ueber Gentechnik auf global2000.at und eigenen Recherchen vor Ort.

3. Juli 2012

Ums Reisen, ums Essen, ums Filmemachen und Fotografieren, um Südamerika, um Leute die Gutes tun, jene, die ohne Geld leben und auch ums Wandern gehts auf www.littlemissitchyfeet.com, dem Blog von einer, die viel auf Reisen ist und dabei nicht auf Mutter Erde vergisst. Doris Neubauer teilt Rezepte, Erlebnisse und Ideen, stellt Weltverbesserungsprojekte, sowie die Köpfe und Ideen dahinter vor und hatte auch für uns ein paar Fragen parat. Das ganze befindet sich schoen bebildert und verschriftlicht auf der verlinkten Blogseite, viel Spass und danke an Doris!

Zum Blog-Artikel: Botschafter Schritt für Schritt um die Welt

Inzwischen schreiten wir weiter durch die Anden – sie wollen schließlich ganz überquert werden - drüben wartet ja schon ganz ungeduldig der Pazifik auf uns!

8. Oktober 2012 Amigos y Companieros – in Erinnerung an Suedamerika

Hitchhiking auf über 3000 Meter – die beiden Dänen waren nach zwei Monaten wohl die ersten Reisenden, die wir in Südamerika antrafen – zuvor waren wir in der recht einsamen Pampa unterwegs, wo sich sonst nur wenige Touristen hinverlieren. Leider hatten sie an diesem Sonntag nur wenig Glück und unsere Anwesenheit erhöhte ihre Chancen auf eine Mitfahrgelegenheit auch nicht.

Während ihrer Reise um die Welt versuchen Fred und Brenda aus Frankreich und England in jedem bereisten Land ein Volontariat zu absolvieren – so arbeiteten sie bereits auf Farmen in Costa Rica oder Patagonien. Am Campingplatz von Cafayate hatten wir einen unterhaltsamen Abend gemeinsam.

Ebenso am Campingplatz übernachteten diese beiden Gefährten aus Buenos Aires, die den weiten Weg nach Mexico auf sich genommen haben. Im Unterschied zu europäischen Reisenden, sind die meisten Südamerikaner jedoch nur mit wenig Budget unterwegs und müssen täglich versuchen es aufzustocken. Zum Beispiel durch Zirkusnummern oder Handarbeiten, die auf Straßen dargeboten beziehungsweisse verkauft werden. Wie viel mutiger und abenteuerlicher!

Niemals zu vergessen ist unser vierbeiniger Beschützer und Begleiter durch die argentenischen Anden. Wurden wir zuvor noch von sämtlichen Kötern des Wegesrandes belästigt, regelte unser Superamigo von nun an alle Hundeangelegenheiten – leider nur für etwa eine Woche. Die vielen Kilometer und die fleischlose Kost haben ihm doch sehr zu schaffen gemacht.

Auch Theo hatte die einsame Strecke durch die Pampa bereits hinter sich, als wir uns in Salta begegneten. Seine Weiterreise führt per Rad durch Bolivien und Peru bis in dessen Hauptstadt. Obwohl er von Buenos Aires nach Salte weniger als halb so lang brauchte wie wir, hat ihm die Einsamkeit inmitten der Sojafeldern Argentiniens an seinen ersten Reisewochen ordentlich zugesetzt. Was üer ein Glück zu zweit unterwegs zu sein.

Sehr zu empfehlen ist das Hostal “El Andaluz” in Salta, wo wir einige entspannte aber vor allem unterhaltsame Tage hatten. Ständig füllten neue Leute aus verschiedensten Ländern der Welt die familiäre Atmosphaere des Gästehauses.

Ausgerechnet am denkbar entlegensten Ort trafen wir den allerersten Steirer auf unserer Reise. Er ist in Leoben geboren, lebte seither aber länger in Südafrika oder England als in Österreich. Mit seiner Lebensgefährtin fährt er per Motorrad durch die Anden, nachdem sie auch schon Indien und Nepal bereisten. Da wir den selben Weg hatten, boten sie uns freundlicherweise an, Wasserdepots für uns einzurichten. Die geplante Strecke führte fast 200 Kilometer durch eine der trockendsten Wüsten der Welt und Flüssigkeit für fünf Tage zu schleppen ist nicht lustig. Die Wasserflaschen müssten allerdings immer noch dastehen, da die großen Schneemengen am Pass keine Überquerung nach Chile für uns ermöglichten.

 

Zehn Tage waren Serena und Johannes mit uns in Ecuador unterwegs und den Launen der Natur ausgesetzt – es regnete fast jeden Tag, kühlte nachts fürchterlich ab und der Weg entlang der Inkastrasse war schon für uns unglaublich mühsam. Jeder Tag brachte neben neuen Anstrengungen auch haufenweise Spaß, Unterhaltung und Zufriedenheit mit sich. Nachdem wir uns von ihnen trennten, führten die beiden ihre Reise in Peru weiter - wohlverdient auf eine etwas gemütlichere Weise.

Kinder und Hunde zählten nahezu in ganz Südamerika zu unseren ständigen Begleitern – oft interessiert, selten schüchtern, meist fotogen und immer reizend. Adios, Suedamerika!

15. November 2012 - Equador: 7.000 Kilometer später

10 Monate, 7.000 Kilometer und zahlreich durchquerte Länder später, erreichen die Cousins Equador. und lassen uns in einem beeindruckenden Video an ihren Erfahrungen teilhaben.