Faktencheck: Mythen und Argumente gegen ein Pfandsystem

„Ein Pfandsystem ist teuer, ineffizient und gegen den Willen der österreichischen Bevölkerung!“ - so oder so ähnlich hört man es von den wenigen, aber lauten Pfandgegnern WKO, ARA und dem Handelsverband. Aber was ist dran an den Aussagen? Wir räumen auf mit unserem Faktencheck!

8 Mythen gegen ein Pfandsystem

Bevölkerung will kein Pfand

Beginnen wir mit der Behauptung, eine Mehrheit der Bevölkerung spreche sich gegen die Einführung eines Einwegpfandsystems aus. Rainer Will behauptet hier auf Basis einer 2019 veröffentlichten Studie, dass sich eine Mehrheit gegen die Einführung von Pfand ausspricht. Dem kann mit einer aktuelleren Studie (2020) entgegen gehalten werden, die klar zeigt, dass 83 % der Bevölkerung die Einführung eines Pfandsystems befürwortet. Den Menschen ist die Vermüllung durch Getränkeverpackungen offensichtlich ein Dorn im Auge und sie möchten eine saubere Umwelt. Der Zuspruch für Pfandsysteme ist auch in Ländern, die bereits solch eines haben, sehr hoch.

Trennbereitschaft wird sinken

Die Befürchtung, die Trennbereitschaft in der Bevölkerung würde bei Einführung eines Pfandsystems zurück gehen, lässt sich entkräften. Länder, die parallel zu Pfand mit einem guten Sammelsystem ausgestattet sind, weisen keinen Rückgang auf. Ein Pilotprojekt in Spanien hat sogar das Gegenteil bewiesen: Die Trennbereitschaft ist von 12 % auf 67 % gestiegen.

Kleine Geschäfte sterben

Diese Behauptung zeigt deutlich, dass den PfandgegnerInnen die Argumente ausgehen. Ihrer Ansicht nach würde ein Pfandsystem vor allem den kleinen Betrieben, wie etwa Greißlern, aufgrund von hohen Aufwandskosten für Automaten und der hinzukommenden Platzeinbußung schaden. Hierzu sei auf die vom BMK in Auftrag gegebene Studie verwiesen, die klar macht, dass es für Betriebe unter 200m2 Fläche definitiv eine Ausnahmeregelung geben wird und besagte Betriebe keine Rücknahmeautomaten anschaffen müssen. Dies wäre bei den geringen Rückgabemengen auch völlig überflüssig. Durch die manuelle Rückgabe wird zudem der Kundenkontakt gesteigert und Händler bekommen eine kleine Vergütung (Manipulationsgebühr) für die Rücknahme von Einwegverpackungen. 

 

Einwegpfand ist Todesstoß für Mehrweg 

Starke Befürworter des aktuellen Systems befürchten eine rückläufige Mehrwegquote aufgrund eines Pfandsystems. Am Beispiel Deutschlands sehen wir aber, dass dies de facto nicht stimmt, da sie mit 42 % eine wesentlich höhere Mehrwegquote als Österreich (19 %) aufweisen. Generell sind Mehrwegsysteme in allen Ländern – ob mit oder ohne Einwegpfand – stark zurückgegangen. Deutschland hat seit 2003 ein Einwegpfandsystem und ist mit 42 % Mehrweganteil dennoch Weltspitze. Interessanterweise kommt dieses Argument von Organisationen, die sich in der Vergangenheit gegen verpflichtende Maßnahmen zum Schutz von Mehrweg gestellt haben. Nichtsdestotrotz ist Mehrweg das ökologisch sinnvollste Gebinde und muss daher auch zusätzlich gefördert werden. Es braucht ein Pfandsystem in Kombination mit verpflichtenden Mehrwegquoten. So schafft man eine Gleichstellung zwischen Einweg und Mehrweg und kann die Kreislaufwirtschaft in Österreich tatsächlich voranbringen - wiederverwenden wo möglich und alles andere bestmöglich recyceln.

Pfand verhindert Littering nicht

Doch, sogar sehr. PfandgegnerInnen bezweifeln zum Teil, dass ein Pfandsystem das achtlose Wegwerfen von Getränkeverpackungen verhindern würde. Die hohen Rücklaufquoten in den zehn europäischen Ländern mit Pfandsystem beweisen das Gegenteil. Getränkeverpackungen werden häufig unterwegs konsumiert und daher auch öfter nicht sachgemäß entsorgt. Manche Auswertungen zeigen, dass Getränkeverpackungen sogar 76 % der Abfälle ausmachen.

10-Punkte Plan ist besser als Pfandsystem

Einige Punkte im 10-Punkte Plan der WKO sind durchaus unterstützenswert und sogar teilweise dringend notwendig, dennoch sind sie kein Ersatz für ein Pfandsystem. Hinsichtlich der Kosten sind sich Handelsverband und Wirtschaftskammer einig: Ihr 10-Punkte Plan sei um mindestens 60 Millionen Euro günstiger, zudem würden die zusätzlichen Kosten bei Einführung eines Pfandsystems der Handel und die Konsumenten tragen. Keine dieser Behauptungen wird nachweisbar begründet noch mit Zahlen belegt. Erstens zeigt die noch von Bundesministerin Köstinger beauftragte Studie, dass die Einführung eines Pfandsystems die kostengünstige Lösung für das Erreichen der EU-Vorgaben darstellt. Und zweitens sind in Deutschland die Preise für Getränke nach der Einführung eines Einwegpfandes sogar leicht gesunken. Auch Stimmen aus der Politik werden in diesem Zusammenhang lauter, so fordert z.B. SPÖ-Umweltsprecherin Herr, dass das Kostenargument zwar immer wieder aufgegriffen werde, aber Belege hierfür immer noch ausbleiben. Ein 2-seitiges Papier mit einer ausführlich ausgearbeiteten, öffentlichen Studie zu vergleichen, grenzt an Hohn. Vor allem, wenn keinerlei Belege für die Behauptungen darin gebracht werden und mit falschen Zahlen argumentiert wird.

Sammelquoten von 95 % jetzt schon erreicht

Schön wärs! WKO, Wirtschaftsbund und Handelsverband ließen immer wieder mit der Aussage aufhören, Vorarlberg, Tirol und das Burgenland würden bereits deutlich über 90 % der Plastikflaschen getrennt sammeln. Aber leider stimmt das ganz und gar nicht. Die Abfallwirtschaftsverbände aus den besagten Bundesländern forderten die Wirtschaftskammer auf, Daten und Fakten zu schaffen, die belastbar sind, statt kolportierte Zahlen zu verbreiten.

Wir können die 90 % getrennt Sammelquote ohne Pfand erreichen

Nein! Diese Vorgabe für Plastikflaschen ist in der Einwegplastikrichtlinie verankert und muss von allen EU-Mitgliedstaaten bis 2029 erreicht werden, sonst fallen Strafzahlungen an. Internationale Vergleiche zeigen ganz klar, kein Land ohne Pfandsystem schafft eine Getrenntsammelquote von 90 %.

Der Faktencheck zeigt...

In der Debatte wird sehr häufig ohne nachvollziehbare Datenlage argumentiert. Der Gegenwind von Seiten der Wirtschaft einzelner weniger Akteure verbleibt unsachlich, intransparent und es fehlt an jeglicher Nachvollziehbarkeit. An hervorragenden Beispielen in ganz Europa sieht man, dass Pfandsysteme schon lange erprobt sind, eindeutig funktionieren und die Sammelquoten mit Leichtigkeit erfüllt werden können. Ein Pfandsystem für Einweg und eine stufenweise Erhöhung der Mehrwegquote sind die günstigsten und effektivsten Methoden, die EU-Vorgaben zu erreichen, die Umwelt von Littering zu befreien und die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Darum – Pfand drauf!