Neuigkeit, 04.10.2019

Flugzeugabsturz neben AKW Mochovce

Voll bewaffneter Kampfjet stürzt nach Vorbeiflug an AKW Mochovce in Wald – Pilot rettet sich mit Schleudersitz

Am 28. September 2019 verlor der Pilot eines Kampfjets (MiG-29) bei schlechter Sicht und schwierigen Wetterbedingungen die Treibstoffzufuhr und musste sich mit dem Schleudersitz retten, bevor das voll bewaffnete Flugzeug in einen Wald der Ortschaft Ceroviny in Nové Sady (Bezirk Nitra) stürzte. Wie gefährlich dieser Flugzeugabsturz wirklich ist, wurde erst jetzt durch slowakische Informanten bekannt. Aus der 14 Kilometer entfernten Absprungstelle des Piloten bei der Ortschaft Podhorany geht hervor, dass das Kampfflugzeug aus Richtung des 41 Kilometer entfernten Mochovce kam, bevor es aufgrund von technischen Problemen abstürzte.

„Wieder einmal hat Mitteleuropa Glück gehabt: ein voll bewaffneter Kampfjet aus Sowjet-Zeiten verliert nahe laufenden und teilfertigen Reaktoren aus Sowjet-Zeiten die Kontrolle und stürzt ab – gottseidank ohne Verlust von Leben und ohne Explosion der Raketen an Bord“, so Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. „Der Unfall zeigt wieder die Unverantwortlichkeit des Uralt-AKW Mochovce: Wir fordern die sofortige Stilllegung der laufenden Reaktoren und einen Bauabbruch von Reaktor 3, der im Frühjahr 2020 in Betrieb gehen soll.“

Die MiG-29 AS, taktische Nummer 6526 mit einer Leermasse von 11 Tonnen und Minimalgeschwindigkeit von 260 Stundenkilometern ist bei Routineflügen der slowakischen Luftwaffe mit mindestens zwei Luft-Luft-Raketen bestückt, zusätzlich führt die 30-Millimeter-Bordkanone 150 Schuss Munition mit, nur diese Munition detonierte teilweise beim Absturz. Bilder der slowakischen Polizei zeigen brennende Wrack-Trümmer.

Flugzeugabsturz nähe AKW Mochovce (c) Polícia Slovenskej republiky
Flugzeugabsturz nähe AKW Mochovce
Flugzeugabsturz nähe AKW Mochovce (c) Polícia Slovenskej republiky

Die Absturzstelle wurde zwischenzeitlich von Experten des slowakischen Militärs geräumt, wie uns die Informanten berichten. Der Absturz ist der letzte einer Reihe von MiG-Abstürzen in der Slowakei.

AKW Mochovce nicht gegen Flugzeugabsturz geschützt

Wie wir bereits im Februar darstellten, ist das AKW nicht gegen den Absturz großer Verkehrsflugzeuge ausgelegt – liegt aber direkt unter einer viel beflogenen Flugroute. Das sowjetische Kraftwerksdesign aus den 1970er-Jahren ist maximal für den Aufprall eines kleinen (Sport-)Flugzeugs ausgelegt. Aufprall und Explosion eines bewaffneten Kampfjets im Kernbereich der Anlage hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit katastrophale Auswirkungen für die gesamte Region und Mitteleuropa. Ein Weiterbetrieb ist aus unserer Sicht unverantwortlich.

Die Sicherheit der veralteten Generation-II-Reaktoren in Mochovce gegen absichtliche oder unabsichtliche Flugzeugabstürze ist eindeutig nicht gegeben. Im 21. Jahrhundert ist der Betrieb und gar noch die zusätzliche Inbetriebnahme eines zusätzlichen Uralt-Reaktors ohne ausreichendes Sicherheitskonzept vollkommen inakzeptabel.

Absturz nur wenige Minuten nach Mochovce

Selbst wenn man davon ausgeht, dass die MiG extrem langsam unterwegs war – mit Minimalgeschwindigkeit von 260 Stundenkilometern - hat sie die Strecke bis zum Absturzort in 41 Kilometer Entfernung in wenigen Minuten zurückgelegt. Der Kampfjet ist somit nur Minuten nach dem Vorbeiflug am AKW Mochovce abgestürzt.

Die österreichische Bundesregierung unter Kanzlerin Bierlein ist aufgerufen, von ihrem slowakischen Kollegen Pellegrini den sofortigen Projektabbruch und die Stilllegung der Atomanlagen in Mochovce zu fordern, um nicht weiter jederzeit einen Super-GAU in Zentraleuropa zu riskieren.