Anm. Red.: Die Bezeichnung „Milch“ ist als „Sekret von Drüsen“ geschützt und darf daher im Zusammenhang mit Soja nicht verwendet werden. Im Text sind alle entsprechenden Begriffe unter Anführungszeichen gesetzt.

GLOBAL 2000: MONA mit der Soja-Produktlinie Joya steht für gentechnikfreies Soja aus Österreich. Was war die Motivation von MONA, Soja aus Österreich zu verwenden?

Krön: Soja wächst schon seit gut 120 Jahren in Österreich. Zweieinhalb Prozent der Felder sind österreichweit Soja gewidmet. Obwohl wir hier schon eine lange Soja-Tradition haben, ist das wenig bekannt. In Europa gibt es nicht sehr viel Sojaanbau. Die meisten Sojabohnen, die wir in Österreich verarbeiten, werden aus Brasilien, Kanada und Argentinien importiert. Ein großer Teil kommt aus Regenwaldgebieten, ein großer Teil ist gentechnisch verändert. Bei Joya setzen wir auf Soja-Anbau in Österreich. Wir arbeiten eng mit unseren Vertragsbauern zusammen. So können wir zum Beispiel vorgeben, welche Sorten angebaut werden. Die Bohnen werden laufend von akkreditierten Kontrollstellen auf Gentechnik-Freiheit überprüft.

GLOBAL 2000: Wo in Österreich wird Soja eigentlich angebaut?

Krön: Soja wächst in den klassischen Maisregionen, wo ein mildes Klima herrscht. Wir haben Sojaanbau in Oberösterreich, Niederösterreich, im Burgenland, in der Steiermark und in Kärnten. Der große Schwerpunkt liegt aber in Oberösterreich und im Burgenland.

GLOBAL 2000: Ausschlaggebend ist also das Klima?

Krön: Österreich ist in Europa das nördlichste Anbaugebiet der Sojapflanze: Bei der Aussaat muss es in der Nacht über 12 Grad haben. Daraus ergibt sich eine natürliche geographische Grenze. Die Zeit von der Aussaat im April bis zur Ernte im September ist in Österreich schon sehr limitiert. Aber die Bohnen aus nördlichen Anbaugebieten haben einen großen Vorteil: Sie sind gesundheitsfördernder als die aus südlichen Ländern.

GLOBAL 2000: Was macht diese Sojabohnen gesünder?

Krön: Viele gesundheitsfördernde Stoffe sind deshalb in den Pflanzen, weil sie sich vor Kälte schützen müssen. In der Sojabohne sind das die so genannten Isoflavone, die unter anderem krebspräventiv wirken. Je weiter nördlich sie wächst, desto mehr enthält sie von diesen sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und desto gesünder ist sie für die Menschen. Die österreichischen Sojabohnen entsprechen übrigens den besten Qualitätsstandards weltweit.

GLOBAL 2000: Wie viel Prozent des Sojaanbaus in Österreich werden für die Tierfütterung beziehungsweise für die Verarbeitung zu Sojaprodukten verwendet?

Krön: 2009 hatten wir ungefähr 25.000 Hektar. Das sind circa 60.000 Tonnen Bohnen. 600.000 Tonnen werden aber importieren. Weltweit werden 90 Prozent der gesamten Sojaproduktion verfüttert. In Österreich ist es ungefähr die Hälfte.

GLOBAL 2000: Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, Ihre Vertragsbauern „ … arbeiten im Einklang mit der Natur und mit der Region.“ Was bedeutet das in der Praxis?

Krön: Wir haben 650 Landwirte unter Vertrag, von denen ungefähr 30 Prozent ökologisch wirtschaften. Der Rest arbeitet konventionell, hält sich aber an Auflagen, die zum Teil strenger als die Gesetzesvorlagen sind. Zum Beispiel verzichten sie auf bestimmte Spritzmittel. Wir versuchen auch, regionale Kreisläufe aufzubauen. Meistens gibt es in einer Region im Umkreis von wenigen Kilometern eine Sammelstelle, wo die Bauern ihre Sojabohnen hinbringen. Dadurch verkürzen wir Transportwege. Die Bauern übernehmen auch die Reinigung. Somit bleibt eine Wertschöpfung vor Ort. Und wir verarbeiten alle unsere Produkte in Österreich.

GLOBAL 2000: MONA ist eines der Gründungsmitglieder vom „Verein für Soja aus Österreich“. Wofür steht dieser Verein?

Krön: Ziel war, die stark wachsende Sojabranche zusammenzubringen. Alle Mitglieder verpflichten sich, ausschließlich gentechnikfreie österreichische oder, wenn nicht vorhanden, europäische Sojabohnen zu verarbeiten. Wir fördern den Bioanbau und versuchen gemeinsam mit andern für eine gesunde Ernährung zu werben. Ökologie, soziale Gerechtigkeit und Gesundheit sind die drei Säulen, auf die der Verein aufbaut, und das sind auch die drei Säulen von Joya. Wir haben Vertreter aus der ganzen Wertschöpfungskette, vom ältesten Sojabauern Österreichs über die Mühlen, die Saatzuchtorganisationen und Verarbeiter aller Arten, vom Tofu bis zu pflanzlichen Aufstrichen, Knabber-Sojabohnen und Sojamilch.

GLOBAL 2000: Der Verein setzt sich für ökologische Aspekte im Sojaanbau ein. Warum sind die Produkte von Joya noch nicht Bio-zertifiziert?

Krön: Drei unserer 19 Produkte sind inzwischen Bioprodukte. Geplant ist, dass wir bis 2011 ungefähr die Hälfte unseres Sortiments auf „Bio“ umstellen. Bei manchen Produkten verteuert eine Umstellung aber die Preise enorm. Wir haben vor, alle Produkte aus österreichischen Biobohnen zu erzeugen. Wir können aber nicht alle Zutaten umstellen. Bei Vanille und Schokolade wäre das zu teuer. Wir sehen es auch als Verpflichtung den KonsumentInnen gegenüber, ein leistbares Lebensmittel anzubieten.

GLOBAL 2000: Können Sie einen kleinen Überblick über Ihre Produkte geben?

Krön: Die Marke Joya beschäftigt sich mit Milch-Alternativen. Das heißt, wir bieten Produkte an, die ähnlich verwendbar sind wie Milch. Zum Beispiel der Natur-Soja-Drink. Dann gibt es Drinks mit Vanille- und Schoko-Geschmack, Soja-Desserts, „Joghurts“ und Shakes. Und wir haben seit kurzem auch „Frischmilch“ auf dem Markt. Das ist ein frischer Soja-Drink, der noch besser schmeckt. Mit der „Soja-Milch“ kann man fast alle Rezepte von der Palatschinke bis zum Cappuccino abdecken.

GLOBAL 2000: Viele der Früchte in Ihren „Joghurts“ sind heimische Obstsorten. Kommen die tatsächlich aus Österreich?

Krön: In kaum einem Joghurt, ob aus Milch oder Soja, „Bio“ oder konventionell, sind österreichische Früchte drinnen. Weil Joghurt übers ganze Jahr produziert wird, kann man keine frischen Früchte verwenden. Die Fruchtmischung wird aus einer Art Marmelade hergestellt, die aus Tiefkühlfrüchten erzeugt wird. Es gibt in Österreich leider keine Fruchtverarbeitung mehr. Das Problem an der Fruchtindustrie ist, dass sie sehr handarbeitsintensiv ist. Die Arbeitskosten sind bei uns dafür zu teuer geworden.

GLOBAL 2000: Klimaschutz ist ein ganz wichtiger Aspekt für Joya. Können Sie vielleicht ein paar Zahlen nennen?

Krön: Bis Ende 2008 haben wir auf den gleichen Anlagen Milch und Soja abgefüllt. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, beide Produkte direkt zu vergleichen. In einer unabhängigen Studie des Ökologie-Instituts wurden ein Liter Sojadrink und ein Liter Haltbarmilch mit eineinhalb Prozent Fett verglichen. Diese beiden Produkte weisen ungefähr den gleichen Nährwert auf. Wir haben dafür Milch aus der Region, also aus Oberwart, genommen, die am Standort verarbeitet wurde. Dem gegenüber haben wir einen Sojadrink aus heimischen Sojabohnen gestellt. Alle Inputs von Energie, Transport und so weiter wurden gemessen. Das Ergebnis: Ein Liter Sojamilch erzeugt ungefähr 0,19 Kilogramm CO2-Äquivalente, ein Liter Kuhmilch 0,98 Kilo. Also ungefähr fünfmal so viel. Ähnliche Zahlen kommen auch heraus, wenn man den Einfluss auf Wasser und auf andere Verschmutzungsparameter betrachtet.

GLOBAL 2000: Was macht die Sojabohne so klimafreundlich?

Krön: Die Sojabohne ist eine ganz tolle ökologische Pflanze. Sie braucht keinen Stickstoffdünger, weil sie sich selber aus der Luft den Stickstoff holt. Sie reichert den Boden mit Stickstoff an und düngt das Feld vor. Baut man anschließend in der Fruchtfolge Getreide an, erzielt man einen besseren Ertrag. Das Hauptproblem bei der Kuh sind die Methan-Emissionen. Auch eine Bio-Milch kommt auf 0,89 Kilogramm CO2-Äquivalente. Wesentlich ist daher unsere Entscheidung, mehr pflanzliche Produkte zu essen, um unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

GLOBAL 2000: Sie meinen also, dass sich der Verzicht auf Fleisch klimarelevant auswirkt?

Krön: In der Ernährungspyramide sind Lebensmittel wie Zucke und Fleisch, die wir wenig verzehren sollten, ganz oben. Die Preispyramide ist genau umgedreht. Zucker und Fleisch sind ganz billig und alles, was gesund ist, ist teuer. Das heißt, wenn wir die Ernährungspyramide umsetzen würden, würden wir automatisch essen, was für uns und fürs Klima gesund wäre. Wir würden weniger Fleisch und Milchprodukte und mehr pflanzliche Lebensmittel essen. Gesund und klimagerechte zu essen ist eigentlich das gleiche.

GLOBAL 2000: Joya hat auch eine Kooperation mit dem WWF. Wie sieht diese Kooperation aus?

Krön: Wir sponsern das Regenwaldprojekt des WWF, indem wir für jede Packung Joya, die in Österreich verkauft wird, einen Cent an den WWF zahlen. Mit dem Sojaanbau in Österreich ist die Abholzung von Regenwald außerdem nicht notwendig. Und unsere Alternative zu tierischen Produkten verringert die Notwendigkeit des Futtermittel-Anbaus im Amazonas-Gebiet. Wir müssten zum Beispiel unseren Fleischverbrauch in Österreich auf ein Drittel zurückfahren, wenn wir die Tiere nur mit österreichischen Rohstoffen füttern wollten. Mit unserer Produktlinie wollen wir genau dieses Wissen um klimagerechte Ernährung fördern.

Anmerkung: In einigen Bäckerei-Ketten kann man seit ein paar Monaten „Soja-Milch“ als Alternative zur Kuhmilch in den Kaffee bekommen. Anm.2: Die Joya-Produkte sind alle laktose- und glutenfrei, also für AllergikerInnen geeignet.

Mehr Infos: Joya-Soja