AKW Dukovany (c) Brigitte Baldrian

Das Atomkraftwerk Dukovany befindet sich in Tschechien - nur 31 Kilometer vor der österreichischen Grenze - etwa 100 km nördlich von Wien und besteht aus vier Reaktorblöcken, die zwischen 1985 und 1987 ans Netz gingen. Die Reaktoren am Standort Dukovany sind sowjetische Reaktoren WWER 440/213. Diese verfügen über kein Containment (Sicherheitsbehälter, der den Reaktordruckbehälter umschließt und so im Störfall die Umwelt vor Verstrahlung schützt). Weiters verfügen die Reaktoren über keine zweite Kühlquelle, die beim Ausfall der Kühlung aus dem kleinen Fluss Jihlava ausreichende Mengen an benötigtem Kühlwasser liefern könnte.

Zwischenfälle und Störfälle siehe www.global2000.at/atomkraft-tschechien.

Zahlreiche Mängel – hohe Reparaturkosten

Die Reaktoren in Dukovany sind aus Sowjet-Zeiten und nach 30 Jahren Betrieb in beklagenswerten Zustand: Aufgrund der „Stresstests“ nach dem dreifachen Super-GAU im japanischen Fukushima wurden zahlreiche Mängel und Nachbesserungsauflagen bekannt. Die grundlegendsten Komponenten der Anlagen (Reaktordruckbehälter, Primärkreislauf) sind aber wegen der hohen radioaktiven Belastung ebenso wenig ersetzbar wie der Mangel an ausreichenden Kühlwasserquellen, das in Dukovany nur aus einen kleinen Fluss, eher ein Flüsschen, entnommen wird. Zusätzlich wurde 2015 ein jahrzehntelanger Betrugsskandal bei der Prüfung von Schweißnähten der Reaktoren bekannt, der immer noch nicht restlos aufgeklärt ist.

Fünf Fakten zum AKW Dukovany:

  • 30-jähriger Schrottreaktor: Je älter ein Reaktor ist, desto mehr verspröden die Teile im Primärkreislauf um den Reaktorkern, die unter enormem Druck und Hitze permanent belastet und hochradioaktiv bestrahlt werden. Die Reaktorblöcke Dukovany 2—4 werden 2016 und 2017 dreißig.

  • Kein Containment: Genau wie der Unglücksreaktor in Tschernobly hat Dukovany gar keinen Sicherheitsbehälter aus Stahl und Beton (Volldruck-Containment). In den bis über 40 Jahre alten Fukushima-Reaktoren konnte das schwache Containment nur ganz kurz die Kernschmelze aufhalten.

  • Nur eine Haupt-Wasserquelle: Um die Reaktoren vor der Überhitzung zu schützen, werden pro Stunde ca. 83.000 Liter Wasser benötigt. Das sind rund 415 Badewannen voll Wasser pro Stunde. Die einzige Wasserquelle, die hierfür zu Verfügung steht, ist der kleine Fluss Jihlava.

  • Störanfällig durch Algen: Durch die Über-Düngung der umliegenden Felder ist der Fluss Jihlava voller Algen, die immer wieder von den Sieben an den Wasser-Einsaugstutzen entfernt werden müssen – beim Verstopfen droht der Super-GAU.

  • Grenznah: Nur knapp 40 km hinter der Österreichischen Grenze, 100 km vor Wien liegt das altersschwache Atomkraftwerk. Bei einer Reaktorkatastrophe wäre die radioaktive Wolke binnen kürzester Zeit bei uns. Zum Vergleich: Tschernobyl ist ca. 1.000 km von Wien entfernt.