AKWs in EUROPA auf einer größeren Karte anzeigen

In Schweden sind derzeit noch acht Reaktoren an vier Standorten in Betrieb und lieferten 2016 40,03 Prozent der gesamten Stromproduktion. Die meisten sind Siedewasserreaktoren aus den 1970/80er Jahren. Nach der Abschaltung des AKW Barsebäck wurde die Energieproduktion der verbliebenen Kernkraftwerke beträchtlich erhöht um die Verluste zu kompensieren.

Atompolitische Debatte

Nach erheblichen Anti-Atom-Protesten begrenzte ein Volksentscheid 1980 die Zahl der Reaktoren auf zwölf und die Atomenergienutzung auf rund 30 Jahre. Diese Option setzte sich äußerst knapp gegen eine schnellere Ausstiegsoption durch. In der Folge wurde dieses rechtlich unverbindliche Ergebnis jedoch vom schwedischen Reichstag aufgeweicht, dessen atompolitische Haltung schwankend ist.

Einen Parlamentsbeschluss zur Schließung von Block 1 des AKW Barsebäck durchkreuzte die Betreibergesellschaft mit der Vervierfachung der ohnehin hohen Abfindungsforderung. Während des Gerichtsstreits konnte sie das AKW zunächst weiterbetreiben, bis das ablehnende Urteil schließlich die Abschaltung Ende 1999 ermöglichte. Im Mai 2005 erreichten die mehr als 20-jährigen Bemühungen mit der Abschaltung des zweiten Blocks in Barsebäck ihr Ziel.

Im Februar 2006 verkündete Schweden, dass es als erstes westeuropäisches Land seine Abhängigkeit von Erdöl beenden will. In 15 Jahren sollen Biotreibstoffe und erneuerbare Energien fossile Brennstoffe ablösen. Die Vorbereitung des 9 Millionen Einwohner Staates auf die gänzlich neue Energiepolitik wird von einem Komitee bestehend aus Industrieexperten, Akademikern, Bauern, Autoherstellern und anderen Personen, durchgeführt. Noch 2006 legten die Mitglieder den ersten Bericht im Parlament vor. Die Gründe für Schwedens Umstieg auf erneuerbare Energien ergeben sich aus der Notwendigkeit heraus, einer eventuellen Wirtschaftskrise wegen extrem hoher Rohölpreise entgegenzuwirken.

Mit dem Regierungswechsel geriet auch der Atomausstieg ins Wanken. Eine Umfrage im Juni 2008 ergab, dass 40 Prozent der Schweden Neubauplänen zustimmen würden, wohingegen 42 Prozent lediglich den Betrieb der derzeitigen Anlagen befürworten, nicht aber einen Neubau weiterer Anlagen. Am 5. Februar 2009 wurde bekannt, dass Schwedens Regierung das seit 30 Jahren bestehende Verbot für den Neubau von Kernkraftwerken aufheben wird. An den bestehenden Reaktorstandorten sollen neue, auch leistungsstärkere Reaktoren als Ersatz für abgeschaltete Reaktoren gebaut werden dürfen. Neubauten sollen ohne staatliche Subventionen rein privat finanziert und betrieben werden.

Gleichzeitig will die Regierung auch massiv auf den Ausbau von Windkraft und anderen erneuerbaren Energien setzen. Sie sollen bis 2020 rund 50 Prozent von Schwedens Energieerzeugung ausmachen und zur Reduzierung der Emission von Treibhausgasen um 40 Prozent beitragen. Mit diesem Kompromiss konnte die Zustimmung der traditionell antiatomar ausgerichteten Zentrumspartei erwirkt werden.

Anti-Atom-Proteste

In den 1980er Jahren nahm ein entschiedener Widerstand in Schweden erheblichen Einfluss auf die Atompolitik und führte insbesondere zum bereits genannten Referendum. Die Abschaltung des grenznahen Reaktors Barsebäck 2 gilt als ein großer Erfolg der schwedischen und dänischen Anti-AKW-Bewegung.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 40,03 Prozent.

Standort Barsebäck [stillgelegt]

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 600 MW

05/1975 - 11/1999                           stillgelegt

Block 2 Siedewasserreaktor 600 MW 03/1977 - 05/2005                 stillgelegt

Störfälle (Auswahl):

  • 1992: Block 2: nach Brennelemente-Wechsel wird Ventil in Primärkreislauf falsch zusammengebaut, fliegt auseinander, 38 l Wasserdampf treten mit 200 °C pro Sekunde aus. Nach 25 Minuten bricht die Wasserversorgung zusammen, weil der Wasserdampf die Isolierung eines benachbarten Rohrs abgeschält hat und diese 200 kg Dämmmaterial die Siebe am Ansaugstutzen im Notwasserbecken verstopfen: Kühlmittelverlust-Störfall, Kernschmelze droht. Die Betreibermannschaft kann 2 Stunden später durch Rückwärtsgang in den Pumpen den Pfropfen manuell lösen. Standort Forsmark

Standort Forsmark

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 987 MW 06/1980
Block 2 Siedewasserreaktor 1000 MW 01/1981
Block 3 Siedewasserreaktor 1170 MW 03/1985

Alle Blöcke: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 2006: Kurzschluss in einem Umspannwerk außerhalb der Anlage, zwei von vier Notstromgeneratoren versagen, sie können ca. sieben Minuten vor dem vollständigen Kontrollverlust gerade noch gestartet werden.
  • 2013:Störfall mit Stromausfall, Reaktor musst mit Notstromaggregat versorgt werden

Standort Oskarshamn

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 467 MW 08/1971;
06/2017
stillgelegt
Block 2 Siedewasserreaktor 602 MW 10/1974;
12/2016
stillgelegt
Block 3 Siedewasserreaktor 1400 MW 03/1985

Block 3: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 1995: Block 1: Riss in der Hülle des Kernmantels wird bemerkt, der Kernmantel muss ausgetauscht werden (dieser Defekt hätte eine Schnellabschaltung des Reaktors unmöglich gemacht).
  • 2011: Block 2: Ölleck und Brand in einem Turbinenlager, Notabschaltung.
  • 2012: Block 3: Notabschaltung nach "unerwartetem Signal im Sicherheitssystem".
  • 2012: Block 2: Nuklearaufsicht stellt fest, dass die Betreiberfirma die Notstrom-Dieselgeneratoren nicht ordnungsgemäß gewartet hat und ordnet Abschaltung an.
  • 2013: Block 3: Ohrenquallen legen Kühlung lahm, Notabschaltung
  • 2013: Block 3: Kontrolllventil in Turbinensystem belibt in Stellung "offen" stecken, mehrere Versuche des Wiederanfahrens scheitern

Standort Ringhals

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 856 MW 10/1974
Block 2 Druckwasserreaktor 867 MW 08/1974
Block 3 Druckwasserreaktor 985 MW 09/1980
Block 4 Druckwasserreaktor 936 MW 06/1982

Alle Blöcke: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 10. Mai 2011: Block 2: bei Druckprüfung des Reaktordruckbehälters wird ein Staubsauger im Inneren vergessen, nach Kurzschluss kommt es zu einem Brand und zu einem Gesamtschaden von über € 200 Millionen.
  • 2012: Block 4: Meerwasser dringt in den Reaktor ein, Notabschaltung

Standort Ågesta [stillgelegt]

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 PHWR 10 MW 05/1964 - 06/1974                                       stillgelegt

 

Links
Nukleare Aufsichtsbehörde in Schweden
Swedish Anti-Nuclear Mouvment (Atomkraft - nej tack)

Hier geht's zur interaktiven AKW-Europakarte

Weitere Atomkraftwerke

Atomkraft in Europa

Atomkraft in Belgien

Atomkraft in Bulgarien

Atomkraft in Deutschland

Atomkraft in Frankreich

Atomkraft in Finnland

Atomkraft in Großbritannien

Atomkraft in Italien

Atomkraft in Litauen

Atomkraft in den Niederlanden

Atomkraft in Rumänien

Atomkraft in Slowenien

Atomkraft in Spanien

Atomkraft in der Schweiz

Atomkraft in der Slowakei

Atomkraft in Tschechien

Atomkraft in der Ukraine

Atomkraft in Ungarn