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In den sieben Atomreaktoren Spaniens wurden 2016 21,38 Prozent des Gesamtstroms produziert. Überwiegend handelt es sich um Druckwasserreaktoren aus den 1980er Jahren. Daneben werden in Spanien Uranabbau sowie eine Brennelementefabrik betrieben.

Uranabbau

Spanien hat im Jahr 2000 seine Uranminen stillgelegt und inzwischen mit dem Rückbau begonnen. Laut Angaben des österreichischen Ökologie-Instituts betreiben allerdings in den letzten Jahren einige Unternehmen wiederum Exploration in den früheren Uran-Bergbaugebieten (Santidad, Barquilla) sowie in der Region Estremadura. Die beteiligten Unternehmen sind WildHorse, Berkeley Resources and AREVA.

Atommüll

Schwach und mittelradioaktiver Abfall wird in El Cabril, nahe Cordoba, gelagert. Auch in Spanien gibt es aber weiterhin kein Endlager für hochradioaktiven Atommüll, es gibt noch nicht einmal einen klaren Plan, wie die Endlagerung aussehen soll, bzw. welche Standorte möglich wären. 2008 mahnte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA Spanien, in der Endlagerfrage eine Lösung zu finden. Verständlich, haben doch die spanischen AKWs kaum noch Zwischenlagermöglichkeiten an den jeweiligen Standorten.

Störfalle

Immer öfter kracht es in spanischen Atomkraftwerken, denn die Reaktoren sind alt und werden immer älter. Gleichzeitig wird bei der Wartung gespart und die spanische Atomaufsichtsbehörde kommt ihren Aufgaben oft verspätet und ungenügend nach. Besonders schwerwiegend war ein Störfall, der sich am 26. November 2007 im AKW Asco 1 ereignete. Durch Fehlbedienung wurden in der Periode des Brennelementewechsels etwa 50 Liter hoch kontaminiertes Wasser und Schlamm in das Notbelüftungssystem geleitet. Aufgrund eines weiteren Fehlers am 29. November gelangte dieses Material über das normale Lüftungssystem in die Umgebung und Atmosphäre. Der Betreiber hat den Zwischenfall erst verschwiegen und dann als unerheblich bezeichnet. Erst im April 2008 und nach Recherchen von Greenpeace bestätigte die spanische Atomaufsicht CSN, dass der Betreiber Endesa falsche Angaben gemacht hatte. Eine Überprüfung durch CSN-Inspektoren hatte ergeben, dass mehr als 300-mal mehr Radioaktivität ausgetreten war als gemeldet: bis zu 84,95 Millionen Becquerel statt 235.000. AKW-MitarbeiterInnen und Besuchergruppen waren wissentlich der gesundheitlichen Gefährdung durch Radioaktivität ausgesetzt worden.

Atompolitische Debatte

Während des Franco-Regimes waren der Bau von bis zu 43 AKWs sowie der Ausbau der Plutoniumwirtschaft für den Bau von Atombomben vorgesehen. Dieses irrwitzige Programm wurde zum Glück nie verwirklicht.

1983 kam es zu einem Atomkraft-Moratorium, dennoch wurden mehrere AKWs fertig gestellt. 1984 aber wurde der Bau für fünf Meiler eingefroren und 1994 schließlich definitiv eingestellt. Auch bei zentralen Sicherheitsinvestitionen, die nach einem Atomunfall im AKW Vandellós nötig erschienen, zeigte die Regierung eine eher atomkritische Haltung: die Kosten seien nicht von den Steuerzahlern, sondern von den Betreibern aufzubringen. Diese lehnten aber ab und schlossen Vandellós 1, der erste stillgelegte Reaktor Spaniens.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 21,38 Prozent.

Standort Almaraz

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 944 MW 05/1981
Block 2 Druckwasserreaktor 956 MW 10/1983

Block 1 Hochrisikoreaktoren, älter als 30 Jahre

Standort Ascó

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 995 MW 08/1983
Block 2 Druckwasserreaktor 997 MW 10/1985

Hochrisikoreaktoren, Erdbebengebiet

Störfälle (Auswahl):

  • 2007: gelangen radioaktive Partikel in die Umwelt, dies wird erst zu Beginn 2008 gemeldet.
  • 2009: zwei Notstromgeneratoren sind wegen eines fehlerhaften Bauteils nicht einsatzbereit.
  • 2011: block 1: bei Revisionsarbeiten laufen 25.000 Liter radioaktives Wasser aus, 14 Arbeiter müssen dekontaminiert werden (Schuhe und Schutzkleidung kamen mit knöcheltiefem Wasser in Kontakt).
  • 2012: der Lagerplatz von 233 Strahlenquellen ist unklar, keine Ahnung, ob in Abfalllager AKW oder Zwischenlager El Cabril bei Córdoba, Nuklearaufsicht CSN leitet ein sanktionsverfahren gegen den Betreiber ein.

Standort Cofrentes

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 1064 MW 10/1984

Hochrisikoreaktor, Erdbebengebiet

Standort Cabrera (Zorita) [stillgelegt]

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 141 MW 08/1969 - 04/2006                 stillgelegt

Standort Lemoniz

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 900MW verschoben
Block 2 Druckwasserreaktor 900 MW verschoben

Standort Regadola

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 1000 MW storniert

Standort Santa Maria de Garona [stillgelegt]

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 446 MW 03/1971-12/2012

Hochrisikoreaktor, GE Mark I (Fukushima-Typ)

Standort Trillo

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 1003 MW 05/1988
Block 2 Druckwasserreaktor 1021 MW verschoben

Standort Valdecaballeros

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 975 MW storniert
Block 2 Siedewasserreaktor 975 MW storniert

Standort Vandellos

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Gasgekühlter Reaktor 480 MW

08/1972 - 07/1990, stillgelegt

Block 2 Druckwasserreaktor 1045 MW 12/1987

Block 2: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 1989: Block 1: nach einem Feuer kommt es zu schweren Problemen mit dem Sicherheitssystem.
  • 2002: Block 2: nach Ausfall einer Leitung der Komponentenkühlung stellt die Aufsichtsbehörde fest, dass beide Leitungen seit Jahren korrodiert waren. Falls auch die zweite Leitung ausgefallen wäre, wäre der Reaktor kaum noch herunterkühlbar gewesen.

Links
Departamento de Ingeniería Nuclear (span.)
Foro de la Industria Nuclear Espanola (span.)
Energieversorger Endesa
Atomaufsichtsbehörde CSN

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