Fleischkonsum reduzieren

Wenn viel von etwas ein Problem darstellt, dann ist weniger davon die Lösung. Ernährung bleibt eine zentrale Herausforderung für die Menschheit. Das Gute daran: Wir haben die Lösung selbst in der Hand. Sie ist so einfach wie schwierig zugleich: weniger Fleisch essen

  • Essen wir weniger Fleisch, müssen wir weniger Tiere halten, die in Folge weniger Emissionen erzeugen, die Klima, Böden und Gewässer belasten.
  • Werden weniger Nutztiere gehalten, kann auch der Futtermittelanbau reduziert werden, wodurch weniger Pestizide und Kunstdünger verbraucht werden.
  • Der Druck, weiterhin (Regen-)Wälder abzuholzen, um darauf Futter anzubauen oder Rinder weiden zu lassen, sinkt, wodurch weniger Menschen von ihrem Land vertrieben werden, seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten bleiben und das CO2 weiterhin im Holz gespeichert bleibt.
  • Weniger Fleisch zu essen würde für uns ÖsterreicherInnen bedeuten, gesünder zu leben und somit Kosten für das Gesundheitssystem zu reduzieren.
  • Geld zu sparen würde auch bedeuten, Fleisch dafür in höherwertiger Qualität einkaufen zu können - also von österreichischen Bio-Tieren.

In der Klimastudie „Was wäre, wenn wir uns anders ernähren würden“ haben wir berechnet, dass unsere Ernährung in Österreich mehr Treibhausgasemissionen verursacht als unser PKW-Verkehr. Eine Umstellung auf die Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung würde rund 42 % oder 5,2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, eine vegetarische Ernährung 83 % und 83 % der benötigen landwirtschaftlichen Fläche. Österreich hätte dadurch sogar rechnerisch genug landwirtschaftliche Fläche zur Eigenerzeugung der benötigten Lebensmittel. Die weltweiten Erträge, die derzeit als Futtermittel dienen, könnten 3,5 Milliarden Menschen ernähren. Das würde ausreichen, um die von der UNO für 2050 prognostizierte globale Bevölkerungszahl von 10 Milliarden Menschen ernähren zu können. Weltweit würden pro Jahr 5,1 Millionen Menschen weniger sterben, wenn sich die gesamte Menschheit gesünder – also auch fleischreduzierter – ernähren würden. Weniger Emissionen und geringere Gesundheitskosten durch fleischreduzierte Ernährung würde pro Jahr Einsparungen von weltweit rund 238 Milliarden Euro bedeuten .

Was kann uns dabei helfen, weniger Fleisch zu essen bzw. weniger Tiere halten und schlachten zu müssen?

Die österreichische Küche ist sehr fleischlastig. Viele Menschen wachsen in dem Glauben auf, eine Hauptspeise ohne Fleisch wäre keine vollwertige Mahlzeit. Abhilfe schaffen vegetarische/vegane Kochbücher (oder Rezepte im Internet) – Sie werden über die Vielzahl an Möglichkeiten bei der Zubereitung köstlicher fleischfreier Speisen staunen. Dem Genuss von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten (z. B Bohnen oder Linsen) als wichtige Eiweißquelle sollte der Vorrang gegeben werden.

Sogenannte „Fleischersatzprodukte“ können AnfängerInnen oder auch zu sehr an Fleisch gewöhnten Menschen bei der Reduktion helfen. Bei Fleischalternativen sollten Bio-Produkte aufgrund der geringen Verwendung von Zusatzstoffen und des Verzichts auf Aromastoffe bevorzugt werden. Ein fleischfreier Tag ist dabei ein guter Anfang. Die beste Lösung aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht ist aber ein "zurück zum Sonntagsbraten". Deutlich weniger Fleisch essen, dafür aus biologischer Haltung, von regionalen ProduzentInnen.

Nose to tail

Ein Huhn besteht nicht nur aus Brustfleisch, es werden bei der Schlachtung von Geflügel auch Teile erzeugt, die wir verwöhnten EuropäerInnen als minderwertig ansehen. So kommt es, dass große Anteile von geschlachteten Hühnern (sowie Schweinen und Rindern) zwar als einwandfrei und genießbar, aber als nicht in Österreich oder Europa absetzbar angesehen werden. Viele dieser „ungewünschten“ Teile werden in andere Bereiche der Welt wie zum Beispiel nach Afrika exportiert. In den letzten zehn Jahren haben sich die Geflügelfleischexporte der EU nach Afrika fast verdreifacht. Dabei werden afrikanische Geflügelzüchter wirtschaftlich ruiniert, denn die Produktionskosten in Europa belaufen sich mit € 1,80 auf nur knapp die Hälfte von denen in Afrika. Würden wir mehr Teile eines Tieres essen und nicht exportieren oder entsorgen, könnte die Anzahl der zu haltenden Tiere deutlich reduziert werden. Seien Sie mutig und probieren Sie es doch einfach mal. In den letzten Jahren sind in Österreich Restaurants entstanden, die „Nose to tail“ anbieten, die es einem also ermöglichen, auch „ungewohnte“ Teile eines Tieres zu essen.

Weniger wegwerfen

Bild: Fresh Food In Garbage Can To Illustrate Waste (c) U.S. Department of Agriculture / flickr.comWeltweit landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll statt in unseren Mägen. Auch in Österreich beläuft sich diese Menge auf mehr als 750.000 Tonnen und somit auf mehr als 86 kg pro Jahr und BürgerIn, wobei natürlich auch Fleisch in diesem Müllberg zu finden ist. Gerade bei einem so wertvollen, weil so ressourcen-intensiven Lebensmittel wie Fleisch, sollten wir ganz besonders drauf achten, dass nichts davon im Müll landet: Reduzieren wir unsere unnötigen Lebensmittelabfälle.

Huhn statt Rind

Rindfleisch ist das ressourcenintensivste Lebensmittel, das wir kennen. Rinder sind zwar wichtig für den Erhalt unserer Almen, doch die Menge an Tieren, die im Stall lebt, ist wesentlich größer als ihre landschaftspflegenden Artgenossen. Würden wir weniger Rindfleisch essen, könnten unsere Almen trotzdem weiterhin gepflegt, aber das Klima geschont werden. Ein erster Schritt kann somit auch sein, auf Fleisch von weniger klimaintensiven Tieren wie Huhn oder zumindest Schwein auszuweichen.

Insekten

  • Insekten als Nahrungsmittel

Die Vorstellung, Insekten zu essen, löst bei vielen Menschen in unseren Breitengraden zuallererst Ekel aus. Dabei werden derzeit weltweit mehr als 1.400 unterschiedliche Arten von Insekten konsumiert. Und Grillen, Maden und Co. sind nicht nur aus Umweltsicht, sondern auch aus gesundheitlicher Perspektive eine gute Alternative zu Fleisch. Insekten enthalten viele wichtige Nährstoffe wie Proteinen, Vitaminen und Mineralien. Außerdem bestehen Insekten bis zu 70 % aus Eiweiß (je nach Art des Insektes), während Rindfleisch nur etwa 20 % Eiweiß enthält. Ein erwachsener Mensch sollte pro Tag ca. ein Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht essen. Bei 70 kg Körpergewicht sind das also 70 g Eiweiß. Für diese Menge an Eiweiß muss man etwa 350 g Rindfleisch, aber nur 150 g Grashüpfer zu sich nehmen.

Insekten als NahrungsmittelAuch aus ökologischer Perspektive und aus Sicht des Tierschutzes spricht im Vergleich zur traditionellen Nutztierhaltung vieles für die Insekten. Auch wenn noch nicht klar ist, wie schmerzempfindlich Insekten sind, kommt das Einfrieren einem natürlichen „Winterschlaf“ sehr nahe. Besonders effizient sind Insekten bei der Verwertung von Futter: Für die Produktion von einem Kilogramm Insekten benötigt man nur zwei Kilogramm Futter – im Vergleich dazu braucht man bis zu 25 kg Futter für ein Kilogramm Rindfleisch. Denn nur rund 40 % eines Rindes sind essbar, jedoch 80 % einer Grille. Insekten sind also deutlich effizienter und erzeugen dadurch wesentlicher weniger Emissionen, verbrauchen weniger Wasser und haben einen geringeren und Platzbedarf als Säugetiere. Seien Sie mutig und kosten Sie Insekten.

  • Insekten als Futtermittel

Auch als Futtermittel für Nutztiere könnten Insekten verwendet werden und dadurch Soja ersetzen (und den Druck auf den Regenwald mindern). Was es braucht, um dies in Europa und Österreich Realität werden zu lassen, sind gesetzliche Rahmenbedingungen. Insekten als Futtermittel sind derzeit in Österreich lediglich für die Fischzucht im Versuchsstadium, obwohl sie sich ebenso für Hühner und Schweine anbieten würden, da Insekten für diese Tiere ja auch in der freien Wildbahn Nahrungsmittelquelle sind.

Laborfleisch - Fleisch aus dem Reagenzglas

In-vitro-Fleisch, umgangssprachlich als „Laborfleisch“ genannt, bezeichnet Fleisch, das künstlich hergestellt wurde. Dabei werden einem lebenden Tier Muskelstammzellen entnommen und diese in einem Nährmedium vermehrt. Billionen von Stammzellen bilden anschließend Muskelzellen, die zu Muskel- und Fleischfasern zusammenwachsen. Dieser Prozess nimmt mehrere Wochen in Anspruch. Eine besondere Herausforderung stellt derzeit das Nährmedium das, in dem das Fleisch wachsen soll. Denn bisher handelt es sich dabei um ein Kälberserum, das aus den Föten geschlachteter schwangerer Kühe gewonnen wird und voller Wachstumshormone steckt. Das weiteren benötigt man für die Herstellung Antibiotika, denn Bakterien befallen auch künstliches Fleisch. LaborfleischDie Forschung an dieser Methode steckt noch in den Kinderschuhen. 2015 wurde vom führenden Forscher auf diesem Gebiet – Mark Post – die erste öffentliche Verkostung eines Laborburgers durchgeführt, der 330.000 US-Dollar kostete. Ungelöst ist der hohe Energieverbrauch der Methodik, der zwar nur halb so hoch ist wie jener der Rindfleischproduktion, jedoch weiterhin deutlich höher ist als bei pflanzliche Produkte. Es ist unklar, ob Fleisch aus dem Labor jemals leistbar sein wird, zudem weiß man nicht, inwiefern diese Technologie auf Gentechnik angewiesen sein wird.