Schon im Regelbetrieb setzen Atomkraftwerke radioaktive Spaltprodukte frei, darunter radioaktives Tritium und Carbondioxid.

Aus deutschen Untersuchungen weiß man, dass diese Freisetzungen im Normalbetrieb in einem 5 km-Radius um die Kraftwerke das Kinderkrebsrisiko um 60 Prozent erhöhen und das Leukämierisiko für Kinder unter 5 Jahren verdoppeln.

Bei einem Atomkraftwerks-Störfall können Radionuklide wie zum Beispiel Cäsium, Strontium und Iod, aber auch Plutonium in die Umgebung freigesetzt werden. Bei Menschen kann dies zur Strahlenbelastung über die Atemluft (Inhalation) oder die Nahrungsaufnahme (Ingestion) führen. Die ionisierende Strahlung geht von dem radioaktiven Material aus. Während die Direktstrahlung leicht abgeschirmt werden kann, ist ein wirksamer Schutz vor freigesetzten radioaktiven Stoffen kaum zu erreichen.

Ein besonderes Problem tritt ein, wenn radioaktive Materialien direkt in Körperkontakt kommen beziehungsweise über Nahrungsmittel, Flüssigkeiten oder die Atemluft in den Körper aufgenommen werden. Dort kann ihre schädliche Strahlung direkt auf den Körper einwirken und Veränderungen auf der Zellebene, insbesondere an der DNA, bewirken. Diesen Effekt der Strahlung bezeichnet man als Erbgut verändernd (mutagen). Krebs kann eine Folge sein. So werden die radioaktiven Spaltprodukte Cäsium und Strontium in Körpergewebe eingelagert, da der Körper nicht zwischen ihnen und Kalium bzw. Calcium unterscheidet. Strontium wird anstelle von Calcium in den Knochen eingelagert. Cäsium wird anstelle von Kalium ins Muskelgewebe eingelagert und reichert sich dort an – ein fataler Effekt, der sich auch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zeigte.

 

Gesundheitliche Auswirkungen einzelner Spaltprodukte:

131J (radioaktives Jod):Halbwertszeit (HWZ) (link zur Erklärung im Artikel "RA und Umwelt"?):acht Tage. Es findet sich durch radioaktiven „Fallout“ verstärkt in der Umwelt wieder. 131Jod kann über kontaminierte Nahrung aufgenommen und im Schilddrüsengewebe eingelagert werden, wo es das Gewebe angreift. Schilddrüsenkrebs kann die Folge sein.

137Cs (Cäsium): Halbwertszeit: 30 Jahre. Es verteilt sich gleichmäßig im Körper, vor allem im Muskelgewebe, aber auch in den Knochen. Es kann die Geschlechtsdüsen (Gonaden) verstrahlen und die DNA schädigen.

90Sr (Strontium): Halbwertszeit: 28 Jahre. Es kann sich im Knochen und in benachbarten Geweben einlagern und Knochenkrebs und Leukämie verursachen.

3H (Tritium): Halbwertszeit 12 Jahre. Es kann sehr leicht über die Atemluft oder über die Haut aufgenommen werden. Tritium dringt in die weichen Gewebe und Organe ein. Die von Tritium ausgesandte Beta-Strahlung verursacht vor allem Lungenkrebs.

 

Weitere Informationen