„Hier wird nach Augenmaß an kritischen Kühlkomponenten eines bald 30 Jahre alten Atomkraftwerks herumgeflickt und nicht nach ingenieursmäßiger Verantwortung gehandelt, und schon gar nicht mit notwendigem Respekt vor der Zerstörungskraft des Atoms“, kritisiert Atomsprecher Reinhard Uhrig. Denn nach Angaben des tschechischen Atomkraftwerks-Betreibers CEZ wurden beide Reaktoren 3 und 4 des AKW Dukovany wieder hochgefahren, die nach dem schweren Zwischenfall Anfang November notabgeschaltet werden mussten: eine unterirdische Stahlrohrleitung war bei Bauarbeiten zerstört worden und verlor große Mengen an Kühlwasser. Zunächst wollte der Betreiber nur 1,5 Meter der undichten Rohrleitung auswechseln. Doch nach Röntgenkontrollen wurde entschieden, die gesamten 23 Meter der Leitung an den Stellen auszutauschen, über die weiterhin im Volllast-Betrieb der Reaktoren Baufahrzeuge für den Bau alternativer Kühlanlagen fahren sollen.

Kühltürme würden Stresstests nicht standhalten

Deshalb fordern wir eine umgehende Umsetzung der Erkenntnisse der Stresstests nach der Fukushima-Katastrophe für das AKW Dukovany, so würden die bestehenden Kühltürme z. B. einem starken Sturm nicht standhalten und sollen durch ergänzende Kühlanlagen abgesichert werden. „Dass bei den Bauarbeiten jedoch die Reaktoren weiterlaufen und dabei auch noch die einzige Kühlquelle beschädigt wird, ist grob fahrlässig“, so Uhrig. „Hier passiert Flickwerk an einer unter ca. 70 bar Druck stehenden Rohrleitung mit 280 °C heißem Wasserdampf – ohne Ausweichmöglichkeit auf eine alternative Kühlquelle.“

Kritik auch aus anderen Ländern

Im Rahmen der europäischen Stresstests kritisierte Prof. Attila Aszódi, Direktor des Instituts für Nukleartechnik in Budapest, dass Dukovany – neben der normalen Wasserversorgung aus einem Fluss – über keinen Grundwasserbrunnen oder einen speziellen Kühlturm als zweite Wärmesenke verfügt, der im Notfall genug Wasser bis zum vollständigen Herunterfahren der vier Blöcke liefern kann.

Wir fordern in einer Petition die Überprüfung der Atomreaktoren in einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung! Über 25.000 Menschen in Österreich und 22.000 Menschen in Deutschland haben diese Petition unterstützt.