Neuigkeit, 18.02.2021

Kriminalfall Mochovce: Neue Fotos zeigen Betrug am AKW-Bau

Schauplatz AKW Mochovce – bereits 2019 haben wir den Pfusch am Bau in Reaktor 3 vom AKW Mochovce gemeinsam mit Whistleblowern aufgedeckt. Doch der Krimi ist noch nicht vorbei...

Heute endet die Frist für Stellungnahmen zum Entwurf der Betriebserlaubnis für Mochovce Reaktor 3. Sobald diese Erlaubnis von der slowakischen Atomaufsicht erteilt wird, kann die Betreibergesellschaft laut ihrem Plan im Mai Kernbrennstoff in die Anlage einführen und den Reaktor in Betrieb nehmen.

Schwere Mängel, veraltete Elektronik und gefälschte Dokumente

Neben den bereits bekannten Baumängel am Schrottreaktor Mochovce kommen nun auch noch gefälschte Dokumente hinzu. Die slowakische Kriminalpolizei ermittelt bereits wegen tausender Hochdruck-Rohrleitungen, die in den Primärkreislauf eingebaut wurden: 288 Zertifikate wurden als gefälscht identifiziert, in 52 Fällen wurde minderwertiges Material verbaut, um Kosten zu sparen und um sich zulasten der Sicherheit zu bereichern. Im Falle einer Inbetriebnahme hätten schwere Unfälle bis zum Super-GAU die Folge sein können.

Neue Beweisfotos vom AKW Mochovce aufgetaucht

Bereits im November 2020 warnte der Chef des slowakischen Geheimdienstes vor weiteren Bau-Leichen im Keller der Atom-Ruine. Jetzt kommen neue Beweise genau dafür ans Tageslicht: Der Whistleblower, der schon 2019 von tausenden unkontrollierten Bohrungen in den hermetischen Kammern von Mochovce berichtete, konnte auf einer Festplatte heimlich gemachte Aufnahmen von den Bohrarbeiten sicherstellen und spielte uns diese zu.

Fotos der Bohrarbeiten 2011-2012

Keine Probebohrungen im AKW Mochovce

Hier wurden sechs Bohrungen durch die hermetische Stahl-Verkleidung gemacht und darin Anker befestigt. Die vorgeschriebenen Probebohrungen wurden hier NICHT durchgeführt - hätten Probebohrungen stattgefunden, müssten neben den sechs Ankern vier kleinere Bohrlöcher sichtbar sein.

Keine Probebohrungen im AKW Mochovce

Das bereits bekannte Foto der Ankerplatte, die durch die hermetische Stahl-Verkleidung gebohrt wurde.

Keine Probebohrungen im AKW Mochovce

Hier sieht man eine große Diamant-Kernlochbohrung für mechanischen Anker, diese und noch viel größere Bohrungen wurden laut Whistleblower ohne Probebohrungen durchgeführt. Auch hier sieht man keine Probebohrungen an der Wand.

Schief angeschweißte Stücke auf Ankerplatte

Wie unsauber im AKW Mochovce gearbeitet wurde, lässt auch diese völlig schief angeschweißte Stütze erahnen. Befestigt wurde diese an einer Ankerplatte, die in einem besonders engen Bereich in der Nähe eines hundert Tonnen schweren Dampferzeugers angebracht wurde.

Keine Probebohrungen im AKW Mochovce

In diesen Kammern in der Nähe des Reaktordruckbehälters wurden Bohrungen mit großem Durchmesser in der längeren Seite der Kammer ohne Probebohrungen durchgeführt, wie uns der Whistleblower berichtete. Für den Raum zwischen diesen Kammern hat die Betreibergesellschaft Slovenské elektrárne bei der Experten-Begehung im Herbst 2019 bereits mehrere Bohrungsbeschädigungen von großen Bauteilen zugegeben, allerdings erst auf Nachfrage von GLOBAL 2000.

Keine Probebohrungen - gefälschte Zertifikate

Der Mochovce-Betreiber behauptet, dass alle der über 60.000 Bohrungen sachgemäß nach striktem Sicherheitsprotokoll durchgeführt wurden. Demzufolge wurden Probebohrungen, vor den vielen kleinen und großen Bohrungen, die teilweise bis zu 10 cm Durchmesser und 1 m Tiefe hatten, gemacht. Nur in insgesamt 22 Fällen sei es laut Zertifikaten zu Beschädigungen von Befestigungsstahl oder anderen Teilen gekommen.

Die Fotos beweisen, dass die Behauptungen der Betreibergesellschaft Slovenské elektrárne falsch sind und dass die Bohr-Zertifikate wohl teilweise ebenso gefälscht sind wie die der Rohrleitungen.

Man sieht Ankerplatten ohne Vorbohrungen und Bohrarbeiten mit großem Durchmesser, die eindeutig nicht nach Vorschrift gemacht wurden. Kein Ingenieur kann derzeit sagen, wie diese tausenden Bohrungen die Statik der Gebäude beeinträchtigt haben – und ob die hermetischen Kammern einer Dampfexplosion wie in Fukushima standhalten würden.

Die Dokumente der Baustelle sind nicht zuverlässig. Es muss jetzt ein Ende haben mit dem Versagen der slowakischen Atomaufsicht – der slowakische Staat muss die Kontrolle über die Baustelle übernehmen und die Kripo auch in diesem Fall ermitteln.

Bereits 2016 ermittelte die slowakische Kriminalpolizei gegen die Firma Inžinierské stavby Košice, die die Bohrungen durchführte – auch hier wegen Verdacht auf Betrug und Korruption. GLOBAL 2000 hat nach der umfassenden Zensur und Schwärzung von technischen Dokumentationen im Dezember 2017 Klage gegen die slowakische Atomaufsicht UJD eingelegt, unterstützt von Windkraft Simonsfeld und der slowakischen Rechtsanwalts-NGO Via Juris.

Dieser Schrott-Reaktor darf keine Betriebserlaubnis bekommen, um im Mai 2021 in Betrieb genommen zu werden. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, damit wir den nächsten juristischen Hebel erfolgreich nutzen können.

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