Nur 31 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt soll im tschechischen Dukovany der Atompark mit vier Uralt-Atomkraftwerken um ein bis zwei neue Blöcke erweitert werden. Im Katastrophenfall könnten auch weite Teile Österreichs verstrahlt werden. Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Menschen von ihrem Recht gebrauch machen, sich gegen dieses Projekt mit einer Stellungnahme zu wehren.

Bis zum 15. Jänner 2018 können im Rahmen einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung Einwendungen beim tschechischen Umweltministerium einreichen. Wir haben eine Musterstellungnahme für vorbereitet, die Sie abändern oder übernehmen und mit einem Klick an die zuständige Behörde übermitteln können.

 

Massive Mängel in der UVP-Dokumentation für das Atomkraftwerks-Projekt Dukovany

  • Eine Alternativenprüfung fehlt vollständig: Wie könnte die vorgestellte Kraftwerkskapazität außer durch ein AKW gedeckt werden, z. B. durch Energieeinsparungen oder Erneuerbare Energieträger
  • Es fehlt auch die Bedarfsbegründung: Warum braucht es überhaupt Atomreaktoren in diesem Leistungsumfang? Die im Vorverfahren noch vorgesehene Leistung von 3500 Megawatt wurde jetzt auf 2400 Megawatt gesenkt – diese Bedarfsänderung wird aber an keiner Stelle erläutert. Die Leistung der Reaktoren scheint unwesentlich zu sein, der Erhalt von Dukovany als AKW-Standort ist offenbar die zentrale Begründung für das Verfahren.
  • Als Referenzprojekte werden unter anderem bereits aufgegebene AKW-Projekte in den USA angeführt. Ein weiterer als Referenz angegebener Reaktortyp (südkoreanische APR1400) erfüllt nicht die Anforderungen der europäischen Aufsichtsbehörden an Generation III+ Reaktoren.
  • Grenzüberschreitende Auswirkungen selbst im Katastrophen-Szenario werden bestritten: Die Umweltverträglichkeitsprüfung erfasst nicht, welcher Reaktortyp wirklich gebaut werden wird und welche Unfälle mit ihm möglich sind. Schon die angespannte Kühlwasser-Versorgungssituation aus dem einzigen zur Verfügung stehenden kleinen Fluss ist ein Sicherheitsrisiko, welches allerdings nicht bewertet wurde. Daher ist der Aussage der UVP-Dokumentation, dass „(…) die Entstehung von grenzüberschreitenden Auswirkungen praktisch ausgeschlossen“ ist, eine reine Annahme ohne jeden Beleg.
  • Atommüll nicht bedacht: Vollkommen inakzeptabel ist es im Jahre 2017, ein neues Atomkraftwerk errichten zu wollen, wenn weder die Finanzierung, noch der Standort, noch die Technologie für ein Atommüllendlager als geklärt betrachtet werden können. Die Strategische Umweltprüfung zum Atommüllkonzept ist mit nur einer Variante nun offiziell angenommen worden, obwohl sich alle ausgewählten Standorte gegen ein Endlager zur Wehr setzen und auch die technischen Fragen ungelöst sind. Einen Plan B gibt es nicht, daher ist dies kein Entsorgungsnachweis.
  • Unklare Wasserversorgung: Der AKW-Standort Dukovany wird über den Fluss Jihlava mit Wasser versorgt, auch das aufgewärmte Kühlwasser und die Abwässer werden eingeleitet. Die Jihlava führt immer weniger Wasser, daher ist die Kühlwasserversorgung der AKW bedroht und gleichzeitig werden die mit den Abwässern eingeleiteten Schadstoffe immer geringer verdünnt.

Wir sagen: Abschalten, nicht ausbauen – die bestehenden vier alten Reaktoren gehören stillgelegt, die Neubaupläne sind unvollständig, unschlüssig und unnötig.

Die ausführliche Stellungsnahme zum UVP von GLOBAL 2000 finden Sie unten hier: Stellungnahme UVP AKW Dukovany.