Neuigkeit, 23.04.2020

Waldbrand bei Tschernobyl

In der radioaktiv belasteten Sperrzone um Tschernobyl sind Waldbrände ausgebrochen.

Die Gegend rund um das zerstörte Atomkraftwerk Tschernobyl ist auch über 30 Jahre nach der Katastrophe von 1986 noch verstrahlt. In genau dieser radioaktiv belasteten Zone um das AKW sind im April 2020 Waldbrände ausgebrochen. Gelangen damit wieder gefährliche Substanzen nach Westeuropa? Die Sorge um ein Wiederaufleben der Atomkatastrophe steigt.

Die Sperrzone

Nach dem Unfall am 26. April 1986 sind vom Reaktor 4 enorme Mengen radioaktiver Stoffe an die Umwelt abgegeben worden. Es wurde eine Sperrzone im Umkreis von 30 km um das havarierte Kraftwerk errichtet. 4000 Quadratkilometer sind besonders stark betroffen.

Bis heute leiden Menschen in der Ukraine an den Folgen des Reaktorunfalls. Das Gebiet um den ehemaligen Reaktor bleibt aufgrund der hohen Strahlungswerte noch für tausende Jahre unbewohnbar. Dazu zählt auch der sogenannte hochradioaktive „Rote Wald“, der nur 1,5 km von der Ruine entfernt ist. Durch die, aus dem explodierten Reaktor herausgeschleuderten, radioaktiven Stoffe, wurde er so stark verstrahlt, dass er abstarb und daher „rot“ erscheint. Weite Teile dieses hoch radioaktiven Gebiets standen um den 12. April 2020 in Flammen – die dem Sarkophag über dem zerstörten Reaktor bedrohlich nahe kamen.

Die Waldbrände

Aktuell kam es am 4. April 2020 zum Ausbruch von Waldbränden in der Sperrzone. Mittlerweile haben Feuerwehr und ukrainisches Heer hunderte Kilometer lange Feuerschneisen in die Vegetation geschlagen, um die Brände zu stoppen – Tendenz steigend. Am 14. April hieß es, die Brände wären unter Kontrolle und nur noch einzelne Glutnester seien zu bekämpfen. Doch nach zwei Tagen wurden diese Glutnester in der, aufgrund der Klimakrise extrem trockenen, Zone durch starke Winde wieder stark angefacht. Das Heer ist mittlerweile mit über 1.000 SoldatInnen im Einsatz. Fast 300 Fahrzeuge und 3 Hubschrauber bekämpfen mitten in der Sperrzone die Flammen – zusätzlich zur Feuerwehr.

Sattelitenbild von Copernicus Sentinel (c) contains modified Copernicus Sentinel data (2020), processed by ESA

Der Rauch der Waldbrände hat bereits Kiew erreicht. Dort war die Luftqualität zeitweise massiv beeinträchtigt. Die Strahlenwerte sind jedoch nicht auffällig, auch wenn teilweise Spuren von Cäsium-137 auch außerhalb der Sperrzone an verschiedenen Orten in der Ukraine nachgewiesen werden konnten (Die Strahlungs-Messwerte können europaweit auf der Website der EU-Kommission abgerufen werden).

Das deutet darauf hin, dass das brennende Material an der Erdoberfläche (Bäume, Sträucher) derzeit keine großen Mengen von radioaktiven Stoffen mehr abgibt. Die hochradioaktiven Partikel und Schwermetalle befinden sich wohl eher im Erdboden. Es kann jedoch vorkommen, dass so genannte  „hot particles“, hochradioaktive Partikel mit Cäsium-137 oder gar Plutonium-239, durch die Schwere der Brände aufgewirbelt und vertragen werden. Damit könnte auch der Rauch, der aus dem verstrahlten Wald in besiedelte Gebiete zieht, radioaktive Teilchen mittragen. 

In den letzten Jahren wurden immer wieder Waldbrände in der Gegend vermeldet. In den meisten Fällen wird von Brandstiftung ausgegangen.

Die Situation in Österreich

In Österreich wird die Luftqualität laufend auf Grenzwerte getestet und auch auf radioaktive Strahlung überprüft. Zusätzlich überwacht die ZAMG mögliche Verlagerungen mit dem Wetter. Derzeit gibt es keinerlei Hinweise auf erhöhte Strahlenwerte.