Publikation, 12.06.2021

Gas Greenwashing-Report

Wie Energiekonzerne klimaschädliches Erdgas schönfärben

Erdgas ist ein klimaschädlicher fossiler Energieträger, der durch diverse „Greenwashing“-Aktivitäten vielfach als Teil einer umweltfreundlichen Energieversorgung präsentiert wird. Anstatt das Problem klar zu benennen und echte Lösungen zu erarbeiten, trägt dies dazu bei, dass Problembewusstsein erst gar nicht entsteht und wichtige Klimaschutzentscheidungen verspätet oder überhaupt nicht getroffen werden.

In unserem Greenwashing Report decken wir auf, mit welchen Tricks die Gas-Lobby arbeitet und warum Sie besser nicht darauf reinfallen sollten:

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Greenwashing bei Gas-Versorgern gang & gäbe

4 von 5 Gas-Anbieter betreiben Greenwashing

Unsere Analyse hat ergeben, dass vier von fünf der untersuchten Energieversorger in irgendeiner Form Greenwashing betreiben. Nahezu alle versuchen klimaschädliches Erdgas durch Bezeichnungen wie „natürlich“, „sauber“, „umweltfreundlich“ oder „schadstoffarm“ in ein positives Licht zu rücken. Oft wird ein Vergleich mit Öl oder Kohle gezogen. Dass Erdgas auch selbst ein fossiler Energieträger ist, der zur Klimakrise beiträgt, wird durchwegs verschwiegen.

Große Energiekonzerne gehen sogar noch einen Schritt weiter. OMV und RAG bezeichnen Erdgas beispielsweise als „Partner der erneuerbare Energien“. Für die OMV ist Erdgas ein „Teil der Lösung“, für die RAG ein „Garant für Nachhaltigkeit“. Die Energie AG Oberösterreich verkauft Erdgas als „Energieträger der Zukunft“ und bezeichnet ihn als „unverzichtbar“. Für die TIGAS ist die Gasversorgung ebenfalls ein „unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende“ und laut EVN stellt diese „kein Auslauf-, sondern ein Zukunftsmodell“ dar. Auch die Energie Graz und die illwerke vkw verkaufen den Ausbau von Erdgas als Beitrag zu einer umweltfreundlichen Energieversorgung. 

Damit werden nicht nur zahlreiche Studien ignoriert, die zeigen, wie eine 100 % erneuerbare Energiezukunft in Österreich gelingen kann, sondern der Öffentlichkeit suggeriert, dass klimaschädliches Erdgas ein Teil von Klimaschutzbemühungen ist.

Teils wird von den Energiekonzernen eine zukünftige Umstellung auf erneuerbares Gas in Aussicht gestellt. Umsetzbare Pläne oder gar Ausstiegspläne aus Erdgas sucht man jedoch vergebens. Die OMV will den Anteil an Erdgas am Produktportfolio sogar noch erhöhen. Die Hälfte der großen Unternehmen propagiert auch die Erdgasmobilität als nachhaltige Alternative, obwohl Untersuchungen zeigen, dass Erdgasautos vergleichsweise hohe CO2-Emissionen verursachen. Die RAG bezeichnet sogar Erdgaskraftwerke als „besonders umweltfreundlich“.

Projektion auf OMV-Tank: Stopp Greenwashing

Wer bei den großen Energieversorgern nach ernsthaftem Problembewusstsein sucht, wird enttäucht. Die einzige Ausnahme bildet die Wien Energie. Diese bekennt sich klar zur Klimaschädlichkeit von Erdgas und befürwortet eine Priorisierung des Einsatzes von erneuerbarem Gas, da ein vollständiger Umstieg auf erneuerbare Gase ohne Priorisierung nicht möglich ist. Außerdem wurde eine Studie mit einem Ausstiegsszenario aus fossilen Energien für Wien erstellt. Damit hat das Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal in Österreich. Ein konkreter, terminisierter, finanziell und organisatorisch ausgearbeiteter Plan für den Ausstieg aus dem Erdgasgeschäft steht jedoch auch bei der Wien Energie noch aus. 

Klimaschädliche Förderungen

Als wären die falschen Versprechungen vieler Gas-Anbieter nicht schon schlimm genug, treiben es einige mit Föderungen von Erdgasheizungen noch auf die Spitze. Die Energie AG, die Energie Burgenland, die Energie Graz, die EVN, die LINZ AG und die TIWAG fördern den Umstieg mit 400,- bis 1.715,- Euro. Förderprogramme der Politik um Heizgeräte auf erneuerbare Enregien umzustellen, werden damit untergraben. Gasheizungen zu fördern ist klar umweltschädlich und mit Österreichs Klimazielen nicht vereinbar.

"Klimaneutrales" Gas mit CO2-Zertifikaten

Ein Viertel der Energieversorger bietet CO2-kompensiertes und damit vermeintlich „klimaneutrales“ Erdgas an. Allen voran sind der Verbund, die Energie Steiermark und ihr Tochterunternehmen easy green energy sehr darum bemüht, dieses als nachhaltige Produktalternative zu verkaufen. Aus unserer Sicht ist das jedoch mehr eine Marketing- als eine Klimastrategie. Der Zukauf von CO2-Zertifikaten soll die Nutzung von fossilem Erdgas klimafreundlich erscheinen lassen und bei den KundInnen ein reines Gewissen erzeugen. Fossile Energie ist aber Teil des Problems und kann niemals klimafreundlich werden. 

Außerdem sind die eingesetzten Kompensationsprojekte teilweise sehr fragwürdig. Energie Direct fördert beispielsweise ein fossiles Gaskraftwerk in Indien. Der Verbund kompensierte mit Zertifikaten, die aus einem Wasserkraftwerk im eigenen Besitz stammen. Derartige Kompensationsprojekte zeigen, wie wenig Sinn diese Strategie macht. Teils wird in fossile Energie investiert, um die Emissionen aus fossiler Energie auszugleichen. Teils ist fragwürdig, ob Projekte nur aufgrund der CO2-Kompensation realisiert wurden oder auch ohne das Produkt „klimaneutrales Gas“ realisiert worden wären. In diesem Fall ergäbe sich keine CO2-Reduktion. 

CO2-Kompensationen können die Klimakrise nicht lösen, sondern behindern in vielen Fällen Investitionen in klimafreundliche Lösungen, weil sie das Problembewusstsein und die Veränderungsbereitschaft verringern.

Biogas-Beimengung als Feigenblatt

Einige Anbieter mischen ihren Erdgas-Produkten geringe Mengen an Biogas bei und verkaufen diese dann als grüne Alternative. Dabei geht es um Beimengungen zwischen 5 % und 30 %. Der größte Teil bleibt fossiles Erdgas. Beispielsweise hat die EVN einen vermeintlich „ökologischen Gastarif“ mit  5 % Biogas-Anteil im Angebot - gleiches gilt für den „Öko-Tarif“ der Wien Energie. Als „Gastarif für Klimaschützer“ bezeichnet die Wien Energie bereits einem Tarif mit 20 % Biogas, ebenso wie der Gastarif „für Umweltbewusste“ der Energie AG Oberösterreich.

Ein Produkt ökologisch oder umweltfreundlich zu nennen, das zum Großteil aus fossiler Energie besteht, ist eindeutig Greenwashing. Nur sechs Anbieter führen ein 100 %-iges Biogas-Produkt. Laut Angaben der Energieversorger werden dafür meist Abfälle verwertet, was positiv ist. Oft sind diese Produkte auf der Website allerdings schwer zu finden und wesentlich teurer als die Erdgas-Produkte, die fälschlicherweise als umweltfreundlich präsentiert werden. Generell gilt: Da das Potenzial von Biogas begrenzt ist, sollten in der Raumwärme bevorzugt andere klimafreundliche Lösungen zum Einsatz kommen. 

Erdgas als regionales Produkt

Neben den bereits genannten Greenwashing-Praktiken locken einige Anbieter mit Regionalität - Erdgas aus Österreich. In Österreich können jedoch nur etwa 10 % des Verbrauchs durch die inländische Erdgasförderung abgedeckt werden. Der Großteil wird aus Russland importiert. Die nachgewiesenen Erdgasreserven Österreichs und die jährlichen Fördermengen gehen zurück. Der Vertrieb bzw. Bezug von österreichischem Erdgas ändert also nichts an der Gesamtzusammensetzung der in Österreich verbrauchten Mengen. Außerdem ist auch Erdgas aus Österreich ein klimaschädlicher, fossiler Energieträger. 

„Zukunft Grünes Gas“

Der Fachverband Gas Wärme (FGW) und die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) sind die Interessenvertretungen der heimischen Gaswirtschaft und möchten Erdgas zu einem guten Image verhelfen. Einerseits wird versucht, Erdgas selbst in ein positives Licht zu rücken, andererseits soll der Eindruck erweckt werden, dass eine Umstellung auf eine Versorgung mit „grünem Gas“ in Zukunft einfach zu bewerkstelligen ist. Doch das ist falsch: Erneuerbares Gas ist ein knappes Gut und kann den derzeit hohen Erdgasverbrauch nicht ersetzen. Die knappen Potenziale sollten deshalb für Spezialanwendungen, wie z.B. die Eisen- und Stahlproduktion, reserviert werden. Die Initiative „Zukunft Grünes Gas“ nimmt diese Fakten jedoch nicht zur Kenntnis und trägt somit zu einem falschen Bild in der Öffentlichkeit bei. 

Unser Fazit

Die österreichische Energiewirtschaft zeigt sich beim Thema Erdgas-Ausstieg noch als Teil des Problems und nicht als Teil der Lösung. Statt systematisch an einem Ausstieg aus Erdgas zu arbeiten und einen klaren Ausstiegsplan zu verfolgen, wird nach wie vor versucht, die Klimaschädlichkeit von Erdgas herunterzuspielen. Selbst vor umweltschädlichen Subventionen schrecken manche Energieversorger nicht zurück und fördern den Einbau von Gasheizungen, obwohl das den politisch akkordierten Klimazielen klar im Weg steht.