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Atomenergienutzung

In der Ukraine laufen heute 15 Druckwasserreaktoren an vier Standorten und produzierten 2016 51,27 Prozent des Gesamtstroms des Landes, zwei weitere Reaktoren sind im Bau. Es gibt (vage) Pläne für bis zu 9 weitere Reaktoren. Am Standort Tschernobyl sind inzwischen alle Reaktoren stillgelegt. Wegen der schlechten Wirtschaftslage in der Ukraine gibt es zahlreiche Probleme in der Kernenergieindustrie, Schwächen gibt es sowohl beim Material als auch bei der Betriebsführung. Ein weiteres Problem in der Ukraine ist, dass die Arbeiter in den AKWs ihren Lohn nicht regelmäßig erhalten. So haben im September 1998 die Arbeiter aller 5 AKWs gestreikt, da die Löhne für fünf Monate ausständig waren, und das, obwohl Streiks in AKWs gesetzlich verboten sind.

Atompolitische Debatte

Das ukrainische Atomprogramm startete in den 1970er Jahren mit dem Bau von vier Reaktoren in Tschernobyl. Es folgte ab den 1980er Jahren ein massiver Ausbau der Atomkraft an vier weiteren Standorten, wobei fast durchwegs sehr groß dimensionierte Druckwasser-AKWs entstanden. 1986 ereignete sich dann der weltweit bislang dramatischste Atomunfall an Block 4 in Tschernobyl. Gleich nach dem Super-GAU wurde – unter vielfach tödlicher Verstrahlung vieler Arbeiter – ein Sarkophag aus Stahl und Beton um den zerstörten Reaktorblock gebaut. Dessen Zustand ist jedoch schon längst besorgniserregend: seit Jahren gilt die marode Decke als akut einsturzgefährdet. Mit dem durch die Risse eindringenden Regenwasser könnte eine erneute Kettenreaktion in Gang gesetzt werden.

Nachdem 1992 auch in Block 2 in Tschernobyl ein Feuer ausgebrochen war, beschloss das ukrainische Parlament zunächst die Stilllegung dieser hochgefährlichen Reaktoren und stoppte den Bau an drei weiteren Standorten. Doch die wirtschaftlich marode Situation des Landes bewirkte schon bald eine Aufhebung dieser Beschlüsse. Der letzte Reaktor von Tschernobyl, von der Regierung als Verhandlungsmittel in internationalen Finanzprogrammen eingesetzt, stellte schließlich erst im Jahre 2000 endgültig den Betrieb ein. Im Gegenzug erreichte die Regierung eine Finanzhilfe für die unsinnige Fertigstellung von Reaktoren in Khmelnitsky und Rovno, die die Überkapazität der ukrainischen Stromproduktion noch erhöhen wird. 2009 schlossen Russland und die Ukraine ein Abkommen zum Fertigbau von Khmelnitsky und die vollständige Belieferung der Ukraine mit russischen Kernbrennstäben.

Anti-Atom-Proteste

Nach der Reaktorkatastrophe gab es weltweit Aktionen gegen den Weiterbetrieb der anderen Tschernobyl-Blöcke. Gegen den Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) für den Weiterbau der AKWs gab es Ende der 1990er Jahre europaweiten Protest. Mitglieder einer ukrainischen Umweltorganisation wurden dabei mehrfach Opfer des staatlichen Sicherheitsdienstes, wurden inhaftiert oder erhielten Morddrohungen.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 51,27 Prozent.

Standort Tschernobyl [stillgelegt]

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 RBMK 1000 740 MW 09/1977 - 11/1996                             stillgelegt
Block 2 RBMK 1000 925 MW 12/1978 - 10/1991                             stillgelegt
Block 3 RBMK 1000 925 MW 12/1981 - 12/2000                             stillgelegt
Block 4 RBMK 1000 925 MW 12/1983
26. April 1986 explodiert

Störfälle (Auswahl): 

  • September 1982: Block 1: Unfall im Block (INES 5).
  • 1986: Block 4: bei einem fehlgeschlagenen Sicherheitstest explodiert der Block. Die Russische Akademie der Wissenschaften geht bisher von 60.000 Todesfällen in Russland und 140.000 in der Ukraine und Weißrussland aus, die durch den Super-GAU verursacht wurden.

Standort Khmelnitsky

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 12/1987
Block 2 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 08/2004
Block 3 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW In Bau
Block 4 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW In Bau

Blick 1: Hochsicherheitsreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 2015: Block 1: Kühlwasser-Leck an für Reparaturarbeiten abgeschaltetem Reaktor
  • 2016: Block 1: Austritt von radioaktivem Wasser, Notabschaltung

Standort Rovno

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor WWER-440/213 381 MW 12/1980
Block 2 Druckwasserreaktor WWER-440/213 376 MW 12/1981
Block 3 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 12/1986
Block 4 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 10/2004

Block 1, 2, 3 Hochrisikoreaktor, kein Containment

Störfälle (Auswahl): 

  • 2013: Block 3: Notabschaltung nach Abfall des Wasserstands in den Dampferzeugern und der Abschaltung der Hauptumwälzpumpen

Standort Süd-Ukraine

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor WWER-1000/302 950 MW 12/1982
Block 2 Druckwasserreaktor WWER-1000/338 950 MW 01/1985
Block 3 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 09/1989

Block 1, 2: Hochrisikoreaktor, äler als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 2012: Block 2: Ausfall des Transformators und der Hochspannungsleitung führt zu Reaktorschnellabschaltug.

Standort Saporischschja

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 12/1984
Block 2 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 07/1985
Block 3 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 12/1986
Block 4 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 12/1987
Block 5 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 08/1989
Block 6 Druckwasserreaktor WWER-1000/320 950 MW 10/1995

Block 1, 2, 3, 4: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 2015: Notabschaltung als Folge von Netzunstabilität durch Sabotage (Sprengung von Hochspannungs-Masten in der Krim-Region durch Separatisten)

Links
Projekt Tschernobyl-Kinder von GLOBAL 2000

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