Erdgas: Österreichs Abhängigkeit und der Gaspreis

Erdgas ist wie Erdöl ein fossiler Energieträger, das wir in Österreich vor allem zum Heizen und für die Stromerzeugung nutzen. Es kommt vor allem aus problematischen, autoritären Staaten. Unser Erdgasverbrauch hat so in den letzten Jahrzehnten gefährliche Abhängigkeiten geschaffen, was die Preisstabilität und Versorgungssicherheit bei uns gefährdet. Doch wie anhängig ist Österreich tatsächlich von Erdgas und was können wir dagegen machen?

In Österreich wird Erdgas vor allem zum Kochen, Heizen und für den Strombedraf verwendet

Die hohen Energiepreise und der Krieg in der Ukraine haben uns die Abhängigkeit unserer Energieversorgung von anderen Ländern und Regierungen vor Augen geführt. 11,5 Mrd. Euro zahlt Österreich jährlich für Gas und Öl-Importe. 80 Prozent der Gaslieferungen kommen aus Russland. Das ist nicht länger tragbar, denn unsere Abhängigkeit macht uns verletzlich und erpressbar: Wir erleben gerade extreme Preissteigerungen, unsere Versorgungssicherheit ist gefährdet und Lieferstopps von Gas und Öl sind möglich. Zudem heizt unsere Abhängigkeit die Klimakrise immer weiter an und schwächt die heimische Wirtschaft. Österreich hat über Jahrzehnte viel zu wenig getan, um seine hohen CO2-Emissionen und seinen Energieverbrauch im Einklang mit den Klimazielen zu reduzieren. Es wird deshalb Zeit, endlich Alternativen zu fossilen Energien wie Gas und Öl fürs Heizen und für die Stromversorgung umzusetzen.

Wofür brauchen wir Erdgas in Österreich?

In Österreich ist etwa 70 % der verbrauchten Energie noch immer fossile Energie, also Benzin, Diesel, Heizöl, Kohle oder Erdgas. Erdgas hat einen Anteil von etwas mehr als einem Fünftel. Es wird hauptsächlich zum Heizen von Wohngebäuden, in der Industrie und in der Stromerzeugung eingesetzt.

In Österreich sind derzeit 600.000 Öl- und 900.000 Gasheizungen installiert. Gasheizungen werden selbst im Neubau noch eingebaut, obwohl das den Klimazielen klar entgegensteht und die Abhängigkeit von Gas-Importen noch vergrößert.

Energieversorgung Österreich im JAhr 2020 - Anteil von Erdgas und Erdöl

Quelle: BMNT 2019

Wie viel Erdgas verbraucht Österreich?

2018, vor der Pandemie, hat Österreich insgesamt für mehr als 12 Milliarden Euro fossile Energieträger aus anderen Ländern importiert. Etwa 3 Milliarden Euro davon haben wir für Erdgas bezahlt. Selbst im Corona-Jahr 2020, als pandemiebedingt der Energieverbrauch stark zurückgegangen ist, hat Österreich immer noch Energieträger für über 8 Milliarden Euro gekauft, davon 2 Milliarden für Erdgas.

Energieimporte nach Österreich 2018 in Mrd. Euro
Quelle: BMNT 2019

Woher kommt unser Erdgas?

Das Gas, das wir in Österreich verbrauchen, kommt zu 80 Prozent aus Russland. Beim Import von Erdöl ist Russland (2020) das 3. wichtigste Land. Aktuell zeigt sich, dass es höchst gefährlich für die österreichische Energieversorgung ist, wenn 80 Prozent eines so wichtigen Energieträgers wie Erdgas aus nur einem Land kommt. Das macht uns in hohem Maße abhängig von Russland.

Unsere einseitige Abhängigkeit von Erdgas rächt sich auch, wenn die Erdgaspreise steigen. Aktuell steigen die Preise vor allem wegen des Krieges in der Ukraine. Das heißt, dass solche Ereignisse einen direkten Einfluss darauf haben, wie viel Geld wir für Strom und Heizen bezahlen müssen. Mit den Preissprüngen bei Erdgas zahlen wir nun einen sehr hohen Preis für die Importe.

Es wird also höchste Zeit, aus der Nutzung von Erdgas und anderen fossilen Energien auszusteigen. Es gibt andere Möglichkeiten unsere Strom- und Wärmeversorgung zu sichern. Die Alternativen würden uns nicht von anderen Ländern abhängig machen, autoritäre Regime unterstützen und die Energiepreise unvorhersehbar in die Höhe treiben. Stattdessen könnten Milliarden Euro sinnvoller investiert werden: in den Ausbau erneuerbarer Energien, was die heimische Wirtschaft stärken würde. Und das wäre auch ein wichtiger Beitrag gegen die Klimakrise.

Welche Alternativen gibt es zu Erdgas?

Im Wärmebereich können wir Gas und Öl durch Fernwärme auf Basis erneuerbarer Energien, Pellets, Stückholz, Wärmepumpen, Solarenergie oder Geothermie hinter uns lassen. Dafür ist es aber auch erforderlich den Energieverbrauch durch thermische Sanierung zu senken. Wenn wir das tun, steht einer klimafreundlichen und preisstabilen Wärmeversorgung nichts im Wege! Wie das gelingen kann haben wir in unserem Wohnbaucheck aufgezeigt.

Unsere Forderungen an die österreichische Bundesregierung

Österreich hat in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig getan, um unsere Abhängigkeit von Erdgas und anderen fossilen Energieträgern zu reduzieren und wirksame Schritte gegen die Klimakrise zu ergreifen. Deshalb ist muss die Bundesregierung jetzt schnell und entschlossen handeln! Damit würde Österreich die akute Klimakrise angehen, seine Energie-Versorgungssicherheit erhöhen und die fossil getriebene Preissteigerung zurückdrängen. Darüber hinaus müssen wirksame Programme für einen sozial und ökologisch gerechten Wandel beschlossen werden.

6 wichtige Maßnahmen für den Ausstieg aus Erdgas

Diese sechs Maßnahmen könnte die österreichische Bundesregierung jetzt ergreifen, um den Ausstieg aus Öl und Gas schnell und sozial gerecht zu vollziehen. Weitere Maßnahmen haben wir hier in einem Forderungspapier zusammen gefasst.

1. Ambitioniertes Erneuerbaren-Wärmegesetz beschließen

Mit dem Gesetz soll ein rechtlich verbindlicher Ausstieg aus bestehenden Ölheizungen bis 2030 und für Gasheizungen bis spätestens 2040 verankert werden, der rasch und sozialverträglich umzusetzen ist. Der Einbau und die Bewerbung neuer Öl- und Gasheizungen soll sofort gestoppt werden, bis spätestens 2040 soll auch die Fernwärme frei von fossiler Energie werden. Bund, Länder, Landeshauptstädte und Energieversorger sollen abgestimmte Pläne für den vollständigen Ausstieg aus fossiler Energie bis 2040 vorlegen. Vor allem in den Bundesländern gibt es großen Aufholbedarf.

2. Ein wirksames Energieeffizienzgesetz umsetzen

Die seit über 450 Tagen ausständige Novelle muss ein absolutes Energiespar-Ziel von 800 PJ festlegen, auf das alle relevanten Maßnahmen ausgerichtet werden. Übergeordnetes Ziel: den Energieverbrauch bis 2030 um zumindest 30 Prozent zu senken und auch in den Folgejahren deutlich zu verringern. Insgesamt muss der Verbrauch halbiert werden, um die Klimaneutralität zu erreichen und zu sichern. Anders als in der Vergangenheit dürfen daher keine Schein-Maßnahmen ohne Kontrolle und Wirkung angerechnet werden. Je nach Größe und Energieverbrauch sollten Unternehmen dazu verpflichtet werden, ihre Einsparpotenziale systematisch zu erheben und auszuschöpfen: von der Energiebuchhaltung über Audits bis zu Energiemanagementsystemen. Zugleich muss die energieintensive Industrie gezielt unterstützt werden.

3. Ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz mit integrierten Energiespar- und Klimaschutz-Maßnahmen beschließen

Die geplante Novelle muss vor allem die folgenden Punkte gewährleisten: Verbindliche Ziele für die Klimaneutralität 2040, jährliche Emissionsziele für jeden Sektor, wissenschaftliche Kontrolle, verbindliche klima- und naturverträgliche Maßnahmenprogramme, wenn Ziele verfehlt werden, klare Verantwortlichkeiten von Bund und Ländern, Rechtsschutz für die Bevölkerung.

4. Attraktive und sozial gerechte Förderungen für Heizkesseltausch, thermische Sanierung sowie kostenlose unabhängige Energieberatungen sollen dauerhaft zur Verfügung stehen

Dieses Paket sichert die Fortführung und Ausweitung des Sanierungsschecks und gewährleistet die Umstellung auf effiziente, klimafreundliche Heizungen. Für energiearme, notleidende Haushalte soll es besonders starke finanzielle Unterstützungen geben: Zum Beispiel sollte das Förderangebot von bis zu 100 Prozent der Kosten für die thermische Sanierung und die Umrüstung der Heizung dauerhaft abgesichert werden.

5. Beschluss eines Sanierungsplans, der klimafitte Gebäude zum Standard macht und den Wandel beschleunigt

Derzeit liegt die thermische Sanierungsrate nur bei etwa 1,4 Prozent statt der nötigen drei Prozent.

6. Mobilitätswende beschleunigen, mit jährlichen CO2-Reduktionszielen und dem Beschluss der dafür notwendigen Maßnahmen – sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr

Der Verkehr ist weiter von den Klimazielen entfernt als jeder andere Sektor und daher besonders stark von importiertem Erdöl abhängig. Daher müssen Bund, Länder und Gemeinden das Mobilitätssystem entlang des Prinzips „vermeiden – verlagern – verbessern“ umgestalten und Sofort-Maßnahmen setzen, darunter zum Beispiel niedrigere Tempolimits, um den Diesel- und Benzinverbrauch rasch zu reduzieren. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und einer sicheren Rad-Infrastruktur muss absolute Priorität bekommen.

Konkrete Informationen zum umweltfreundlichen Heizen