Percy Schmeiser ist kanadischer Farmer und Saatgutzüchter aus Bruno in der Provinz Saskatchewan. Seit knapp 60 Jahren betreibt er auf seiner 600 Hektar großen geerbten Farm Landwirtschaft. Vor rund 40 Jahren spezialisierte er sich auf die Zucht und den Anbau von konventionellem als auch Bio-Raps und entwickelte Sorten, die speziell an die regionalen Bedingungen angepasst waren.

Im Jahr 1997 fand Schmeiser erstmalig die gentechnisch veränderten „Roundup-Ready“-Rapspflanzen des Agrochemie-Konzerns Monsanto auf seinem Land. Diese genveränderten Rapspflanzen, für die Monsanto das Patent besaß, wurden weder von ihm noch seiner Frau ausgesät. Nach Angaben Schmeisers müssen die Samen durch den Wind vom Feld des benachbarten Bauern oder von einem vorbeifahrenden LKW dorthin gelangt sein.

Im Folgejahr nutzte Schmeiser einen Teil der Ernte dieser gentechnisch veränderten Pflanzen, indem er das daraus gewonnene Saatgut auf einer Fläche von rund 400 Hektar aussäte. Jedoch behandelte er diese Fläche nicht mit Roundup. Deswegen wurde er durch den Herstellerkonzern Monsanto wegen Patentverletzung verklagt.

Der Konzern berief sich darauf, dass laut Patent die Nutzung von Roundup-Ready-Raps an den Kauf des Unkrautvernichtungsmittels Roundup gebunden und eine selbständige Vermehrung des daraus gewonnenen Saatguts durch die Landwirte ohne Zahlung einer vertraglich festgelegten Summe an Monsanto ausgeschlossen sei. Die Raps-Sorte wurde genetisch so verändert, dass sie gegen das Mittel resistent ist, während andere Pflanzen auf einem damit behandelten Feld absterben. Percy Schmeiser hielt dagegen, dass Landwirte seit jeher das Recht gehabt hätten, Saatgut auf ihrem eigenen Land selbst zu vermehren.

Rechtsstreit über Jahre

Der Rechtsstreit zog sich zehn Jahre. Anfänglich sprachen sich die Gerichte in verschiedenen Instanzen für den Agro-Konzern Monsanto aus. Diese Urteile haben weitreichende Konsequenzen, denn mittlerweile gibt es Gentechpflanzen überall auf der Welt und nicht nur auf Versuchsfeldern. WissenschaftlerInnen warnen schon seit langem davor, dass eine einmal in die Welt gelassene genveränderte Lebensform nicht mehr zurückgeholt werden könnte. Gemäß der Logik der Gerichtsurteile würde es bedeuten, dass alle Gentech-Pflanzen auf der ganzen Welt, egal auf welchen Feldern sie wachsen, den Patentinhabern gehören.

Nach fast zehn Jahren kam es jedoch zu einer Wende im Kampf gegen Monsanto. Percy Schmeiser wurde von jeglichen Lizenz- und Schadensersatzzahlungen freigesprochen, da er die Pflanzen nicht aktiv und absichtlich auf seinem Land hatte wachsen lassen und nicht von den besonderen Eigenschaften der Roundup-resistenten Rapssorte profitiert hatte. Dieser kleine, scheinbar nebensächliche Zusatz im Urteil des kanadischen Supreme Courts war entscheidend für diese Wende.

Die zweite Runde

Percy Schmeiser stellte seinen Betrieb von Raps auf Weizen, Hafer und Erbsen um. Doch im Jahr 2005 tauchte erneut genveränderter und resistenter Raps von Monsanto auf seinen Feldern auf. Da nun mehrere Gerichte Monsanto das Eigentum an diesen genveränderten Pflanzen zusprachen, forderte Schmeiser Monsanto auf, diese Pflanzen von seinen Feldern zu entfernen. Monsanto war bereit, die Pflanzen zu entfernen, jedoch nur, wenn Schmeiser einen Vertrag unterzeichnete, der ihn auf Lebenszeit dazu verpflichtete über die Praktiken von Monsanto zu schweigen und Monsanto nie mehr gerichtlich zu belangen.

Percy Schmeiser unterschrieb diesen Vertrag nicht. Am 23. Januar 2008 wurde ein weiterer Prozess eröffnet, in dem diesmal Schmeiser die Firma Monsanto wegen fortgesetzter Kontamination seiner Felder verklagte. In dem Prozess kam es jedoch nie zu einem Urteil, da nur wenige Minuten vor Beginn einer für den 19. März 2008 angesetzten Verhandlung Monsanto die Forderungen Percy Schmeisers nach dessen Vergleichsangebot außergerichtlich akzeptierte und Schmeiser zugestand, ihm abweichend von den bis dahin vorgesehenen Verschwiegenheitsklauseln schriftlich, über den gesamten Vorgang öffentlich zu berichten.

Mut wird belohnt

Percy Schmeiser feierte den Vergleich als Sieg. Auch den sonst üblichen Verzicht auf weitere Klagen musste Schmeiser nur für den konkreten Fall unterzeichnen. Für mögliche zukünftige Schäden gilt dieser Verzicht nicht. Eine weitergehende Haftung wurde seitens Monsanto für den konkreten Fall ausgeschlossen. Im Oktober 2000 wurde Schmeiser für seinen Einsatz mit dem Mahatma Gandhi Award geehrt. Am 7. Dezember 2007 erhielten Louise und Percy Schmeiser den Alternativen Nobelpreis für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Landwirte und dafür, dass sie die Perversität der gegenwärtigen Auslegung der Patent-Gesetzgebung in Bezug auf die Umwelt und die Moral aufzeigen und anprangern.

Percy Schmeiser versteht sich als Fürsprecher der Bauern - nicht nur in Kanada, sondern weltweit. Während der Zeit des Rechtsstreits mit Monsanto wurde Schmeiser zunehmend als Symbolfigur im Kampf unabhängiger Landwirte um ihre Rechte und als Verfechter strenger Regulierungen und Haftungspflichten für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bekannt. Er nahm und nimmt noch immer weltweit viele Einladungen zu Vorträgen an und warnt eindringlich vor der Ausbreitung und dem Einsatz von genmanipulierten Pflanzen in der Landwirtschaft.

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