Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Pestizid – und eines der umstrittensten Unkrautvernichtungsmittel. Bekannt geworden unter dem Markennamen "Roundup" wird es in der Landwirtschaft, in Gärten und auf öffentlichen Flächen eingesetzt. Wissenschaftliche Studien weisen auf Risiken für die Gesundheit der Menschen, für Artenvielfalt und Umwelt hin. Dennoch wurde Glyphosat 2023 wieder zugelassen. GLOBAL 2000 setzt sich seit Jahren für ein Verbot ein und informiert über Gefahren, politische Hintergründe und nachhaltige Alternativen.

Aktueller Stand

Glyphosat ist in der EU weiterhin zugelassen, nachdem die Europäische Kommission Ende 2023 trotz fehlender Einigung unter den Mitgliedstaaten eine Verlängerung der Genehmigung um zehn Jahre bis 2033 beschlossen hat. Diese Entscheidung erfolgte nach einer politisch festgefahrenen Abstimmung, in der keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen eine Wiederzulassung erreicht wurde.

GLOBAL 2000 warnt vor möglichen Risiken für Gesundheit, Böden und Biodiversität und hat rechtliche Schritte gegen die Zulassung eingeleitet. Parallel dazu bleibt Glyphosat politisch umstritten, da mehrere EU-Staaten und zivilgesellschaftliche Organisationen strengere Regulierungen oder ein vollständiges Verbot fordern. Damit ist die Debatte um Glyphosat in Europa trotz Verlängerung keineswegs abgeschlossen, sondern verlagert sich zunehmend in politische und juristische Auseinandersetzungen.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist das meist eingesetzte Pflanzengift der Welt und gehört zur Gruppe der Breitbandherbizide. Dieser chemische Wirkstoff wird als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt, um unerwünschte Pflanzen zu beseitigen – sowohl in der Landwirtschaft als auch im privaten Gartenbau.

Glyphosat wirkt systemisch:

  • wird über die Blätter aufgenommen
  • gelangt in alle Pflanzenteile (Blätter, Wurzeln, Samen)
  • blockiert ein lebenswichtiges Enzym, wodurch die Pflanze abstirbt

Einmal aufgenommen, lässt sich Glyphosat nicht einfach abwaschen. Es wird durch Erhitzen oder Einfrieren nicht zerstört, und Rückstände können etwa ein Jahr lang in Lebensmitteln und Futtermitteln nachweisbar sein.

Grüne Sprühflasche mit gelbem Sprühkopf und Etikett 'ROUNDUP UNKRAUTFREI' im Vordergrund, unscharfe weitere Flaschen im Hintergrund

GLOBAL 2000 / Evelyn Knoll

Die herbiziden Eigenschaften von Glyphosat wurden in den 1970er Jahren von der Firma Monsanto patentiert. Unter dem Markennamen „Roundup“ kam das Mittel auf den Markt und entwickelte sich schnell zum meistverkauften Pestizid weltweit. Heute wird Glyphosat in einer Vielzahl von Produkten verschiedener Hersteller verwendet.

Ein Problem beim intensiven Gebrauch: Je häufiger glyphosathaltige Mittel eingesetzt werden, desto eher entstehen resistente Beikräuter, die nicht mehr auf das Pestizid reagieren. Dadurch steigt der Bedarf an noch mehr chemischer Bekämpfung – ein Teufelskreis mit Folgen für Umwelt und Landwirtschaft.

Wo wird Glyphosat eingesetzt?

Glyphosat wird heute weltweit in vielen Bereichen angewendet. Dazu gehören:

  • Traktor sprüht Pestizide, Aufnahme von oben als Luftbild

    Shutterstock / MarinTodorovMT

    Industrielle Landwirtschaft: zur Unkrautkontrolle vor oder nach der Aussaat

  • Obst- und Gemüseanbau

  • Gartenbau und Hausgärten

  • öffentliche Flächen, Parks und Sportanlagen

  • Straßenränder, Bahngleise und Verkehrswege

Durch diesen breiten Einsatz gelangen Glyphosat-Rückstände in Böden, Gewässer und teilweise auch in Lebensmittel, die wir täglich konsumieren.

Wie gefährlich ist Glyphosat für den Menschen?

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ (Kategorie 2A) ein. Das bedeutet, dass es Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko gibt, insbesondere bei langjähriger und intensiver Exposition.

Weitere gesundheitliche Risiken können sein:

  • mögliche Hormonstörungen
  • Schäden an der DNS in einzelnen Zellversuchen
  • Beeinträchtigung von Darmbakterien

Glyphosat-Rückstände wurden in Untersuchungen bereits in Lebensmitteln, Trinkwasser und menschlichen Proben nachgewiesen. GLOBAL 2000 hat wegen Verschleierung der Risiken wiederholt gegen Bayer/Monsanto geklagt bzw. haben Mängel im Bewertungsverfahren angezeigt. Lesen Sie mehr zu den Gefahren von Glyphosat für Mensch, Tier und Natur.

Welche Risiken birgt Glyphosat für die Umwelt?

Glyphosat wirkt nicht nur auf gezieltes Unkraut, sondern kann ökologische Systeme in vielfacher Weise schädigen:

  • Bodenorganismen werden in ihrer Aktivität und Vielfalt reduziert
  • Biodiversität nimmt ab, auch bei Pflanzen und Insekten
  • Belastung von Gewässern und Uferzonen
  • indirekte Folgen für Vögel und andere Tiere

Der Einsatz des Mittels kann darüber hinaus die Struktur des Bodens verändern und langfristig die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Auswirkungen auf die Biodiversität

Biene auf Blume

GLOBAL 2000 /Dominik Linhard

Glyphosat wird als eine der maßgeblichen Ursachen für das weltweit zu beobachtende Amphibiensterben angesehen. Die biologische Vielfalt nimmt mit dem vermehrten Einsatz von Glyphosat immer mehr ab. Regenwürmer und Bodenbakterien werden dezimiert - damit gehen wichtige Funktionen eines gesunden Bodens verloren. 

Da Glyphosat alle Pflanzen tötet, die nicht dagegen resistent sind, wird vielen Tieren Nahrung und Lebensraum entzogen. Weniger Wildpflanzen bedeutet weniger Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten, die in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle spielen.

Warum ist Glyphosat noch immer zugelassen?

Obwohl es zahlreiche wissenschaftliche Hinweise auf gesundheitliche und ökologische Risiken gibt, ist Glyphosat in der EU und in vielen anderen Ländern weiterhin zugelassen. Das liegt vor allem an den aktuellen Zulassungsverfahren. Diese stützen sich häufig stark auf Studien der Industrie, während unabhängige wissenschaftliche Forschung nur unzureichend berücksichtigt wird. Gleichzeitig verzögern politische und wirtschaftliche Interessen immer wieder strengere Regulierungen oder ein mögliches Verbot.

Hauptkritikpunkte an den bestehenden Zulassungsprozessen sind:

  • Bewertungen beruhen überwiegend auf industrienahen Studien
  • unabhängige Forschung wird zu wenig einbezogen
  • Intransparenz bei der Datengrundlage
  • starker Einfluss wirtschaftlicher Interessen

GLOBAL 2000 kritisiert diese Praxis seit Jahren und fordert eine grundlegende Reform der Zulassung von Pestiziden in der EU.

Eine zukunftsfähige Zulassungspraxis muss transparent sein, alle verfügbaren Forschungsergebnisse berücksichtigen und das Vorsorgeprinzip konsequent anwenden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Umwelt, Artenvielfalt und menschliche Gesundheit ausreichend geschützt werden.

Foto von Helmut Burtscher-Schaden

„Entscheidungen über Glyphosat müssen auf unabhängiger Wissenschaft beruhen – nicht auf Studien der Hersteller. Der Schutz von Gesundheit und Umwelt muss über wirtschaftlichen Interessen stehen. Dafür setzen wir uns mit voller Kraft ein.“

Dr. Helmut Burtscher-Schaden, GLOBAL 2000 Pestizid-Experte

Geht es auch ohne Glyphosat?

Ja – Glyphosat ist keineswegs alternativlos. Zahlreiche Landwirt:innen und Forschende zeigen, dass eine Landwirtschaft ohne totale Herbizide möglich ist. Zu den Alternativen gehören:

  • mechanische Unkrautbekämpfung (z. B. Hackgeräte, Striegel)
  • Fruchtfolgen und Mischkulturen, die Unkrautdruck reduzieren
  • ökologische Bodenpflege
  • organische Anbaumethoden und integrierter Pflanzenschutz

Glyphosat steht einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft entgegen. Diese Methoden benötigen zwar oft erweiterte Planung, sind aber langfristig umweltfreundlicher und können die Bodenfruchtbarkeit verbessern.

"Mehr guten Ackerbau, bitte!", fordert selbst die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG)external link, opens in a new tab, die Interessensvertretung der industriell arbeitenden Landwirte, und meint: “Pflügen statt Pflanzen totspritzen”. Ackerbau mit dem Pflug bekämpft seit Jahrhunderten sehr wirkungsvoll unerwünschte Pflanzen auf dem Acker.

Welche Produkte enthalten Glyphosat?

In Österreich sind diese glyphosathaltigen Produkte für den Haus- und Gartenbereich zugelassen:

  • Batnatian Super 360
  • Clinic Free
  • Gallup Biograde 360
  • Glyfos (Varianten: Dakar, Envision)
  • Glypho-Rapid 450
  • Keeper Unkrautfrei
  • Quex (Varianten: Unkrautfrei Premium, Unkrautsalz)
  • Resolva Weedkiller
  • Roundup (Varianten: Roundup 60, Alphee, Easy, Gel, Gel Max, LB Plus, Speed, Spezial, Ultra, Universal)
  • Technolit Glyphosat 360
  • Unkraut-Entferner
  • Unkrautsalz (Varianten: flüssig, flüssig Spray)
  • Ustinex (Varianten: Saison-Unkrautfrei AL, Unkrautsalz flüssig)
  • Vorox (Varianten: Gierschfrei, Unkrautfrei Direkt AF)

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