Vielfalt der Ökosysteme

Der Begriff Ökosystem bezeichnet das Zusammenspiel zwischen einem Lebensraum und seinen tierischen und pflanzlichen Bewohnern. Dabei sind alle Bestandteile des Ökosystems voneinander abhängig. Wie die Ameisen erfüllen zum Beispiel auch andere Organismen wichtige Funktionen im Ökosystem Wald. Genauso ist es in anderen Ökosystemen - zum Beispiel in Mooren, auf Wiesen, in Bächen und Seen oder im Meer. Wird ein Bestandteil verändert oder fehlt, verändert sich das ganze Ökosystem. Die Vielfalt der Arten innerhalb eines Ökosystems ist darum sehr wichtig.

Aber auch die Vielfalt der Ökosysteme an sich ist Voraussetzung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Alle Lebewesen sind an ein ganz bestimmtes Ökosystem gebunden. So wie Meerestiere auf das Salzwasser angewiesen sind, brauchen Amphibien saubere Laichgewässer und Reptilien ungestörte, sonnenreiche Regionen an Land. Wenn ein Ökosystem gestört wird, dann beeinträchtigt das auch die in ihm lebenden Arten. Besonders für Arten, die es nur in einem ganz bestimmten Ökosystem an einem ganz bestimmten Ort auf der Erde gibt, ist der Erhalt dieses Systems überlebenswichtig. Man nennt solche Arten "endemisch".

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist also abhängig vom Erhalt der Ökosysteme. Wenn man Naturräume erhält und schützt, dann schützt man damit auch die dort lebenden Tier- und Pflanzen-Arten und damit die biologische Vielfalt. Eine Vielzahl von Ökosystemen sichert eine Vielzahl verschiedener „Dienstleistungen“ wobei diese wesentlich durch die in ihnen vorkommenden Arten erbracht werden.

Vielfalt der Arten

Artenvielfalt, auch Artendiversität genannt, ist ein Maß für die Vielfalt der biologischen Arten innerhalb eines Lebensraumes oder geographischen Gebietes und somit für die Vielfalt von Flora und Fauna. Der Begriff wird oft als charakteristisches Merkmal für die Biodiversität eines Gebietes verwendet. Im Global Biodiversity Assessment, im Auftrag der UNEP (United Nations Environment Programme) 1995 erstellt, wurde für die Erde insgesamt eine Zahl von rund 1,75 Millionen beschriebener Arten angegeben. Diese Zahl ist nur ein Schätzwert. Wissenschaftler schätzen, dass es zwischen 10 und 100 Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde gibt.

Nach der aktuellen Roten Liste der weltweit bedrohten Tiere und Pflanzen werden knapp ein Drittel aller untersuchten Arten als gefährdet gelistet. Da jedoch nur ein ganz kleiner Teil der bereits bekannten Spezies bislang bewertet wurde, liegen die tatsächlichen Zahlen wohl weitaus höher.

Genetische Vielfalt

Grundlage für die genetische Vielfalt aller Lebewesen ist die Vielzahl der Gene mit deren DNA, der Trägerin der Erbinformation. Die verschiedenen Varianten der Gene, sogenannte Allele und deren Kombination, sorgen für die unterschiedlichen Ausprägungen desselben Merkmals bei einem Lebewesen, zum Beispiel der Farbe bei einer Blüte. Diese genetische Vielfalt ist die Voraussetzung für die Anpassung der Lebewesen an sich verändernde Umweltbedingungen wie Hitze, Frost, Trockenheit, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitserreger, etc. Somit hat die genetische Vielfalt, die nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, eine fundamentale Bedeutung für das Überleben der einzelnen Arten.

Hot Spot Regenwald

Dabei ist der Artenreichtum auf der Erde nicht gleichmäßig verteilt, sondern es gibt so genannte „Hot Spots“. Das sind Regionen, in denen besonders viele verschieden Arten leben. Zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde gehören tropische Regenwälder und Korallenriffe. Tropische Regenwälder umfassen vermutlich ungefähr drei Viertel aller Arten der Erde. Um mit den oft schwierigen Lebensbedingungen (wenig Licht, wenig Nährstoffe, hohe Konkurrenz) fertig zu werden, haben die Pflanzen und Tiere des Regenwaldes fantasievolle Anpassungen entwickelt.

Das Geheimnis tropischer Vielfalt liegt in der Seltenheit ihrer Arten. Man findet leichter zwei Exemplare verschiedener Arten als zwei Exemplare derselben Art in den tropischen Regenwäldern.

Julia Tschelaut

Jährlich sterben 80.000 Arten aus

Wie viele Arten weltweit aussterben, kann ebenso wie das Artenreichtum selbst nur geschätzt werden. Um ein paar Zahlen zu nennen: In den letzten 400 Jahren sind mindestens 74 Säugetiere und 129 Vogelarten ausgestorben. Das sind umgerechnet 1,6 % aller Säugetiere und 1,3% aller Vögel. Und die Tendenz ist leider steigend.
Hochrechnungen, die auch noch unbeschriebene Arten mit einbeziehen, gehen davon aus, dass jährlich 80.000 Arten aussterben. Das sind täglich 219 Arten!

Bedroht werden Tiere und Pflanzen durch Umwandlung, Nutzung, Fragmentierung und die Vernichtung ganzer Lebensräume. Auch die zunehmende Schadstoffbelastung und der Klimawandel rottet ganze Arten aus. Alles Gründe, die auf uns Menschen zurückzuführen sind.

Wir müssen dieses Artensterben stoppen. Denn auch der Mensch ist Teil der Artenvielfalt und kann mittelfristig nur in einer weitgehend intakten Umwelt mit hoher Biodiversität überleben.