Die technisch völlig veralteten Reaktoren 3 und 4 im slowakischen Atomkraftwerk Mochovce sollen nach jahrelangem Stillstand und problematischen Weiterbau-Arbeiten nächstes Jahr in Betrieb gehen. Diesen Sommer wurden die Kalttests von Reaktor 3 durchgeführt, das Projekt geht jetzt in die „heiße Phase“ der Inbetriebnahme. Im Zuge des Behördenverfahrens zur Inbetriebnahme wurden uns die Unterlagen zur Erfüllung der technischen Auflagen aus der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) 2010 zur Stellungnahme vorgelegt.

Wir müssen feststellen, dass es bei dem Weiterbau der völlig veralteten Blöcke zu massiven technischen Problemen kommt, die die slowakische Nuklearaufsicht nur teilweise und zögerlich aufklärt.

Ein Maschinenbau-Ingenieur ist in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit getreten und hat Sicherheitsbedenken geäußert, Fotomaterial wurde veröffentlicht, das fehlerhafte Bauarbeiten dokumentiert. Ein ehemaliger slowakischer Maschinenbauingenieur, Mario Zalva, der für die Notstrom-Dieselgeneratoren zuständig war, sprach von systematischen Fehlern und Vertuschungen der bauleitenden Manager des italienischen Konzerns Enel, die sich „wie Kinder in Schwierigkeiten“ verhielten, da sie von der Konzernleitung den Auftrag hatten, die Anlage so schnell wie möglich fertigzustellen – unabhängig davon, ob es technische Probleme gab. Die slowakische Atomaufsicht UJD gab letzte Woche bekannt, dass unqualifizierte Arbeitskräfte Schweißarbeiten auf der Baustelle durchführten. Diese Arbeiten, die auch in anderen AKW-Projekten wie vor kurzem im französischen Flamanville zu massivem Überprüfungs- und Nachbesserungsbedarf führten, sind für den sicheren Betrieb eines unter hohem Druck stehenden Reaktors kritisch.

Erfüllung der UVP-Bedingungen

Das Dokument der slowakischen Atomaufsicht, das die Erfüllung der Bedingungen der UVP von 2010 dokumentieren soll und jetzt der Öffentlichkeit zur Stellungnahme vorgelegt wurde, ignoriert mehrere Probleme:

  • Völlig veraltet:
    Fundamental ist, dass eine Umweltverträglichkeitserklärung aus dem Jahre 2008 die Basis für das Verfahren ist – diese ist völlig veraltet und durch die Fukushima-Katastrophe und die nachfolgenden Sicherheits-Upgrades völlig überholt. Es wird nicht erklärt, in welcher Form Sicherheitsanforderungen nachgebessert wurden – nach den vielfältigen technischen Skandalen ist nicht mit einer sachgemäßen Lösung der Probleme auf bestmöglichem technischen Stand zu rechnen.
  • Übersteht nur Absturz eines kleinen Flugzeugs:
    Es wird weiterhin nur die Widerstandsfähigkeit der Reaktoren gegen den Absturz eines „kleinen Flugzeuges“, also eines Sportflugzeugs, untersucht. In anderen Ländern wie Tschechien oder Deutschland muss zumindest der Sicherheitsnachweis gegen einen absichtlichen oder zufälligen Absturz eines mittleren Verkehrsflugzeuges erbracht werden, auch wenn vermutlich keine Nuklearanlage den Absturz der aktuell größten Flugzeugtypen aushalten würde.
  • Probleme mit Kühlwasser:
    Bereits die veralteten vorgelegten Unterlagen geben einen Rückgang der Wasserführung des kleinen Flusses Hron um 20 Prozent in den Jahren 1980 bis 2000 an – seither sind fast weitere zwanzig Jahre vergangen, durch den fortschreitenden Klimawandel und die Temperatursteigerungen ist mit einer weiteren Änderung der Wasserführung zu rechnen.

    Schlimmer noch, bereits in den Jahren 1970 bis 1982 wurden am Staudamm Velke Kozmalovce, aus dem die vier AKW-Blöcke das Kühlwasser entnehmen, Temperaturen über 24°C gemessen – im Zuge der Klimaerwärmung werden diese Temperaturen noch steigen und die für die Kühlfähigkeit der Anlage kritischen Werte möglicherweise überschritten – dazu finden sich keine Angaben in den veralteten Unterlagen.

Die vorgelegten Unterlagen, zusammen mit den bekannt gewordenen technischen Skandalen, sind unzureichend: Die Bedingungen der Umweltverträglichkeitsprüfung von 2010 für die Inbetriebnahme der Reaktoren 3 und 4 im AKW Mochovce wurden nicht erfüllt. Wir fordern eine Durchführung einer neuen UVP auf technisch aktuellem Stand und einen Abbruch des Inbetriebnahmeverfahrens. Ein solches Atomkraftwerk darf nicht in Betrieb genommen werden, es wäre für Mitteleuropa eine tickende Zeitbombe!

Lesen Sie hier die gesamte GLOBAL 2000 Stellungnahme zum Dokument über die Erfüllung der UVP-Bedingungen