Nyeleni Forum Mali

Vor zwanzig Jahren wurde die Welthandelsorganisation WTO ins Leben gerufen, deren Ziel es unter anderem ist, Handelshemmnisse abzubauen und den internationalen Handel zu liberalisieren. Kleinbauern– und bäuerinnen sind den Anforderungen der WTO nicht gewachsen. Sie sind im internationalen Handel meist nicht existenzfähig. Die Ziele der WTO sind mit den Forderungen der 1993 gegründeten Bewegung La Via Campesina unvereinbar.

La Via Campesina — der bäuerliche Weg

La Via Campesina ist ein internationaler Zusammenschluss von Kleinbauern- und bäuerinnen, LandarbeiterInnen und Landlosen. La Via Campesina setzt sich für ein wirtschaftliches und sozial tragfähiges Landwirtschafts- und Lebensmittelsystem ein. Als Antwort auf die Ziele der WTO präsentierte La Via Campesina 1996 das Konzept der Ernährungssouveränität, heute ein fixer Bestandteil der weltweiten Diskussion über Ernährungsfragen und eine politische Vision, die eine Alternative zum neoliberalen Modell darstellt.

Ernährungssouveränität ist mittlerweile vielen Menschen ein Anliegen: Bauern und Bäuerinnen, UmweltschützerInnen, MenschenrechtsaktivistInnen, KonsumentInnen, Mitgliedern von Gewerkschaften und ArbeiterInnen.

Die Prinzipien von Ernährungssouveränität

Wenn Boden, Wasser, Saatgut, Tiere und Fischfang von lokalen ProduzentInnen verwaltet werden, erhalten diese dadurch nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Sie teilen und nützen die vorhandenen natürlichen Ressourcen nachhaltig. Lokale haben Vorrang vor internationalen Märkten. Eine regionale Autarkie muss jedoch nicht hergestellt werden. Bei Produkten, die im Land nicht erzeugt werden können und bei Engpässen von Lebensmitteln ist internationaler Handel durchaus zu begrüßen. Abgelehnt wird der Welthandel nur dort, wo die Falschen profitieren: etwa die großen internationalen Konzerne statt der Menschen in den Exportländern.

Durch die Einführung lokaler Produktionssysteme wird eine Annäherung zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen möglich. Beide können somit bei Ernährungsfragen mitreden und ProduzentInnen sind vor Preisdumping durch Importe geschützt.

Aktiv werden - Nyeleni ForumNyeleni Forum

Da Ernährungssouveränität ein Prozess ist, der nicht von oben vorgegeben wird, sondern von der Basis ausgeht, bedarf es einer ständigen Weiterentwicklung. Das erste Weltforum für Ernährungssouveränität wurde 2007 in Mali abgehalten. Seit damals trägt das Forum den Namen einer Malischen Bäuerin: Nyeleni. Das erste europaweite Nyeleni-Forum fand 2011 in Krems und das erste österreichische 2014 in Goldegg bei Salzburg statt. JedeR kann selbst aktiv werden. Nähere Infos finden Sie auf ernaehrungssouveraenitaet.at.

2015 — Jahr des Bodens

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO hat das Jahr 2015 zum Jahr des Bodens ausgerufen, denn der Boden ist eine unserer kostbarsten Ressourcen: Er ist Raum und Substanz für Leben und verschiedene Prozesse desselben. Er filtert Wasser so gekonnt, wie es keine noch so moderne Kläranlage zuwege bringt, speichert es und gibt es langsam wieder ab und er ist Raum für Leben.

Verbaut werden in Österreich täglich 22 Hektar Boden, das entspricht 31 Fußballfeldern. In 20 Jahren werden wir auf diese Weise die gesamte Ackerfläche Burgenlands verloren haben. Dabei beansprucht Österreich zu seiner Versorgung bereits jetzt doppelt so viel Ackerfläche im Ausland wie im Inland.

Das Jahr des Bodens wird ein Wissensangebot zu den vielen Themenkomplexen bringen, die mit unserem Umgang mit Boden zusammenhängen: Ernährungssicherheit, Hochwasser, Klimaerwärmung, Filterung von Wasser und Grundwasserverlust, Pufferung von Schadstoffen, Verlust von Lebensraum, Tourismusattraktivität. Dabei werden hoffentlich auch Möglichkeiten diskutiert, welchen Einfluss die Politik und jedeR einzelne von uns auf den Schutz der Ressource Boden nehmen kann. Ein gutes Beispiel dafür, wie wir selbst initiativ werden können, ist etwa der Vorarlberger Verein bodenfreiheit.at.

GLOBAL 2000 wird seinen Beitrag zum Jahr des Bodens leisten und Sie über interessante Entwicklungen informieren.