Anlässlich der Generalversammlung der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO wollen wir vor dem Versammlungsgebäude an die schizophrene Aufgabe der IAEO erinnern. Sie soll laut den veralteten Statuten von 1957 „den Beitrag der Kernenergie zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand weltweit beschleunigen und vergrößern“ - und gleichzeitig die militärische Verbreitung von Atomwaffen begrenzen, wie zuletzt im Abkommen mit dem Iran. Die Doppelgesichtigkeit der IAEO als militärischer Wachhund und pro-atomarer Schoßhund der Atom-Industrie hat in den vergangenen 58 Jahren laufend zu massiven Interessenkonflikten geführt. Nur eine Statuten-Reform kann den fortwährenden Fehleinschätzungen der zivilen Nuklearkatastrophen wie Fukushima und der Zahnlosigkeit ihrer Empfehlungen ein Ende bereiten.

Anti-Atom-Aktivisten vor dem IAEA-Hauptquartier in Wien

Fukushima – Erkenntnisse und Empfehlungen der IAEO nicht umgesetzt

Seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 durch ein unerwartet starkes Naturereignis, das zu vier parallelen Super-GAUs im Atomkraftwerk mit vier Reaktoren führte, wollen die europäischen Staaten durch „Stresstests“ die Sicherheit ihrer Reaktorflotte gegenüber Extremereignissen verbessern. Jedoch wurden viele der wichtigsten Erkenntnisse der IAEO und der Stresstests nach wie vor nicht umgesetzt. Wir kritisiert insbesondere die fehlende Umsetzung der Stresstest-Erkenntnisse bei der 30 Jahre alten tschechischen Atomanlage Dukovany nahe Wien:

  • Erdbebensicherheit: Die IAEO empfahl 1995 die Verstärkung vieler Anlagenteile des Atomkraftwerks. Selbst nach 20 Jahren sind erst 90 Prozent der Maßnahmen abgeschlossen, einige werden einfach als erledigt angenommen: Das Betriebsfeuerwehr-Gebäude, deren Rolle als Kühlwasser-Pumpe bei Unfällen zentral ist, kann einem starken Erdbeben nicht standhalten. Absurderweise wird folgender Sachverhalt angenommen: „da das Auftreten eines seismischen Ereignisses nicht plötzlich ist, können die Feuerwehren rechtzeitig nach draußen gebracht werden“.
  • Extremwetterereignisse: Die Stresstests zeigten die Gefahr von Starkwindereignissen für die maroden Kühltürme in Dukovany sowie von großen Schneemengen für die Generatorhallen – strukturelle Verstärkungen gegen extreme Klimaphänomene sollten durchgeführt werden, wurden aber in den Stresstest-Berichten einfach nicht erwähnt, die Umsetzung ist fraglich.
  • Keine zweite Kühlquelle: In den meisten Atomkraftwerken können die enorm heißen Brennelemente im Falle eines Unfalls durch eine redundante zweite Kühlquelle wie einen Tiefenbrunnen gekühlt werden. Dukovany verlässt sich weiter nur auf die Verfügbarkeit der Betriebsfeuerwehr – ein viertes Fahrzeug wurde angeschafft, um wenigstens ein Löschfahrzeug pro Reaktor zu haben, dies ist nach den Erfahrungen von Fukushima mit der völligen Zerstörung der Infrastruktur nicht angemessen.
  • Nichts gelernt aus Fukushima: Das Beispiel Dukovany zeigt: Man hat aus Fukushima nichts gelernt – weiter glaubt die Atom-Industrie an die Sicherheit ihrer Anlagen, bis der nächste Super-GAU das Gegenteil beweist. Die Zeit ist reif, für eine grundlegende Reform der IAEO weg von der aktiven Förderung von Atomkraft und hin zur internationalen Kontrolle von Nuklearanlagen mit Durchgriffsrecht, wie sie es im militärischen Bereich ja bereits hat!

Das anti-atomare Österreich ist aufgerufen, hier Initiativen zu setzen und Koalitionen für mehr Nuklearsicherheit zu bilden.