In der japanischen Kaiserstadt Kyoto wurde vor 15 Jahren ein Stück Umweltgeschichte geschrieben. Nachdem die wissenschaftliche Beweislage erdrückend wurde, zeigten die Staatschefs Entschlossenheit und vereinbarten das erste globale Klimaschutzabkommen. Ziel war, eine lebenswerte Zukunft für damalige und folgende Generationen zu sichern und katastrophale Klimaschäden zu verhindern. Heuer läuft das Kyoto-Protokoll aus. Für die heutigen Kinder werden die Modellszenarien der KlimaforscherInnen zu realen Lebensbedingungen.

Erster Meilenstein mit Mängeln

Als das Kyoto-Protokoll fünf Jahre nach seiner Unterzeichnung im Jahr 2002 in Kraft trat, wurden auch schon die ersten gravierenden Mängel offenkundig: Die USA ratifizierten den Vertrag nie. Die Regierung George Bush zeigte dem Klimaschutz gänzlich die kalte Schulter, weil sie Angst um die US-Wirtschaft hatte. Die Warnung des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Nicholas Stern wurde ignoriert. Dieser hatte berechnet, dass für umfassenden Klimaschutz zwar Investitionen in Höhe von einem Prozent des Welt-BIPs notwendig seien, man dafür aber Folgeschäden von bis zu 20 Prozent des Weltbruttosozialprodukts einsparen könne. Klimaschutz ist demnach auch für die globale Weltwirtschaft eine gut angelegte Versicherungsaktie.

Europa erkannte Chancen

Europa erkannte die Chancen besser und entwickelte Programme, um seine Kyoto-Ziele zu erreichen. Tatsächlich wird die EU ihre Klimaziele sogar übererfüllen. Statt einer angepeilten Reduktion um acht Prozent gegenüber 1990 sind es mittlerweile 16,5 Prozent. Angesichts dieses Erfolgs nimmt sich jedoch leider das bis 2020 erklärte EU-Ziel, 20 Prozent der Treibhausgase einzusparen, eher bescheiden aus. Da ist viel mehr möglich - und auch notwendig.

Der amerikanische Zukunftsforscher Jeremy Rifkin berichtet, dass man sich in den USA mittlerweile um die aktive Rolle der EU in Sachen Klimaschutz Sorgen macht. US-Unternehmen befürchten nämlich einen wirtschaftlichen Nachteil, wenn die EU weiter so entschlossen vorangeht. (Fossile) Energie wird knapper und teurer. Wer lernt, sparsam damit umzugehen, kann schlussendlich auch einen höheren Lebensstandard aufrecht erhalten. In einer Welt, die zunehmend auf intelligente Technologien und erneuerbare Energien setzt, birgt das auch wirtschaftliche Chancen. Kyoto hat also dazu angespornt, Klimaschutzprogramme zu entwickeln. Es war jedoch ein Regelwerk, das auf die Kooperation der Vertragsstaaten angewiesen war, wie der rückwirkende Austritt von Kanada zeigt.

Klimaschutz-Vorreiter bauen auf ihre Erfolge

Länder mit erfolgreichen Klimaschutz-Programmen können langfristig darauf aufbauen. Deutschland und Großbritannien müssten beispielsweise überhaupt keine zusätzlichen Maßnahmen mehr ergreifen, um ihre Ziele bis 2020 zu erreichen. Sie würden sie selbst dann übererfüllen, wenn sie nur weitermachen würden wie bisher. Deutschland ist durch den zügigen Ausbau erneuerbarer Energie auch technologisch in Pole-Position gegangen.

Österreich muss bei Klimaschutz nachlegen

Andere Länder, wie Österreich, müssen dagegen nachlegen. Denn Österreichs Klimabilanz kann getrost als Fiasko bezeichnet werden. Statt seine Emissionen um 13 Prozent zu reduzieren, sind sie um 5,4 Prozent gestiegen. Etwa 611 Millionen Euro werden für den Zukauf von Verschmutzungsrechten fällig, weil Österreich seine Klimaziele deutlich verfehlt. GLOBAL 2000 engagiert sich im neu geschaffenen nationalen Klimaschutzbeirat und macht dort Vorschläge, wie wir das nächste Mal besser abschneiden können. Im November werden sich deshalb auf Initiative von GLOBAL 2000 eine große Anzahl nationaler ExpertInnen versammeln, um über weitere Schritte zu beraten. Probleme bereiten uns vor allem der Verkehrssektor und die thermische Sanierung der Gebäude, dazu kommt die mangelhafte Umsetzung des Klimaschutzgesetzes. Bis Redaktionsschluss ist es noch nicht gelungen, dem Gesetz Zähne zu geben. Zu hartnäckig ist der Widerstand beispielsweise der Bundesländer, Verantwortung zu übernehmen. GLOBAL 2000 macht sich dafür stark, damit Österreich diesmal seine Chance nutzt.